Brandenburg : Nicht nur zu Hause der Boss

In Brandenburgs Firmen besetzen Frauen 30 Prozent der Führungsposten. Preise für Unternehmerinnen

Sarah Stoffers
Erfolgreich. Anne Laßhofer wurde als Existenzgründerin des Landes Brandenburg 2018 ausgezeichnet.
Erfolgreich. Anne Laßhofer wurde als Existenzgründerin des Landes Brandenburg 2018 ausgezeichnet.Foto: Firmenfoto/Linda Köhler-Sandring

Potsdam - Die Idee für ihre Erfindung kam Anne Laßhofer, als sie mit ihrer Tochter auf dem Rad unterwegs war. Was tun, wenn es regnet und der Nachwuchs ungeschützt im Kindersitz dem Wetter ausgesetzt ist? Laßhofer entwickelte einen mitwachsenden Umhang, denn die Mutter wollte sich auch gemeinsam mit ihrer Tochter den Wind um die Nase wehen lassen, wenn die Sonne nicht scheint. „Zusammen auf einem Rad unterwegs zu sein ist in der Hektik des Alltags eine ganz besondere Zeit. Gemeinsame Momente, in denen dein Kind die Welt bestaunt“, schreibt sie auf der Internetseite ihrer Firma „Dilassi“. Die Falkenseerin, die früher in der Pharmabranche arbeitete, gab dem Regenschutz den Namen „Wichtelwarm“ und begann, ihn auch für andere zu produzieren. Am Donnerstag wurde die innovative Mutter aus dem Havelland beim 11. Unternehmerinnen- und Gründerinnentag des Landes Brandenburg in der Potsdamer Schinkelhalle als Existenzgründerin des Jahres ausgezeichnet.

Der Preis, ausgelobt vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wurde in diesem Jahr bereits zum achten Mal verliehen und ist mit Preisgeldern zwischen 1000 bis 3000 Euro dotiert. Ziel ist es Frauen, die den Weg in die Wirtschaft wagen, zu ermutigen. So wie Kerstin Hansmann, Geschäftsführerin des Unternehmens Metall- und Balkonbau Hansmann mit Sitz in der niederlausitzschen Stadt Guben. Sie ist Brandenburgs Unternehmerin des Jahres. Zusammen mit ihrem Vater gründete sie die Firma 1997. Das Familienunternehmen entwickelt, baut und montiert Balkon- und Loggiasysteme, Carpots und Vordächer. Bereits in den 70ern rief ihr Vater einen eigenen Handwerksbetrieb ins Leben, aus dem sich das heutige Metallbauunternehmen und die Balkonfertigungsstrecke entwickelte. Wie der Webseite des Unternehmens zu entnehmen ist, arbeiten bei Metall- und Balkonbau Hansmann mittlerweile 75 Mitarbeiter.

Für Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen läuft es in Brandenburg seit einigen Jahren insgesamt sehr gut. Das belegen die Zahlen aus der Wirtschaft. In den brandenburgischen Betrieben arbeiten zur Zeit rund 24 600 Frauen auf der obersten Führungsebene, heißt es auf Anfrage aus dem Arbeitsministerium. Ein Anteil von etwa 30 Prozent, wie auch in den anderen ostdeutschen Bundesländern. Im Westen liegt der Durchschnitt bei 25 Prozent. Der Frauenanteil ist in Brandenburg in den letzten zehn Jahren weitestgehend konstant geblieben. Daneben arbeiten etwa 16 000 Frauen in Brandenburg in leitenden und verantwortlichen Funktionen auf der zweiten Führungsebene und nehmen damit etwa die Hälfte der Positionen auf dieser Stufe ein. Auch hier liegt der Wert im Vergleich zu den westdeutschen Bundesländern deutlich höher, wo der Frauenanteil rund 40 Prozent beträgt.

Auch unter den Selbstständigen und Existenzgründern sind die Frauen stark vertreten. So sind in Brandenburg fast ein Drittel aller Selbstständigen weiblich, etwa 43 700. Ebenso wie 41 Prozent derjenigen, die in den Jahren zwischen 2001 und 2014 nach Beratung durch Existenzgründungsprojekte den Schritt in die eigene Gründung wagten.

Im Land gibt es für Frauen, die sich in der Wirtschaft behaupten wollen, einige Programme. Beispielsweise hilft das Gründungsnetz Brandenburg mit Informationen beim Firmenstart. Und beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) können die Teilnehmer kostenlose Beratungen und Schulungen in Anspruch nehmen. Außerdem veranstalten Arbeitsministerin Diana Golze (Linke) und Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) die „Brandenburger Wirtschaftsgespräche“, die sich gezielt nur an Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen richten. Das mittlerweile dritte Wirtschaftsgespräch fand im April statt.

Mit dabei waren auch Steffi Mannigel und Gerlinde Kirschner vom Unternehmen Kimax OFB Oberflächenbearbeitung aus Herzberg (Elbe-Elster), ein Galvanikbetrieb, der vor allem im Sanitärbereich tätig ist. Die beiden Frauen wagten 2016 einen recht ungewöhnlichen Schritt und übernahmen gemeinsam mit einem männlichen Kollegen die Galvanik der ehemaligen Siedle Warmpressteile GmbH. Sie waren Mitarbeiter bei Siedle, als die Holding kurzfristig beschloß. Kirschner war Buchhalterin, Steffi Mannigel arbeitete in der Produktions- und Planungsteuerung. „Wir haben uns zusammengesetzt und entschieden, dass wir das Werk von der Holding abkaufen wollen“, sagt die 58-Jährige Kirschner. 30 Mitarbeiter konnten ihren Arbeitsplatz behalten. Kirschner ist seither die Geschäftsführerin, Mannigel eine der Mitgesellschafterinnen. Es sind viele neue Aufgaben auf uns zugekommen“, so Mannigel. Sie haben sich ihr Führungs-Know-How selbst beigebracht und dem Betrieb inzwischen zu altem Glanz verholfen. 38 Mitarbeiter beschäfigt die Kimax OFB heute, mit etwa 60 Prozent Frauenanteil. Die Frauen arbeiten vor allem in der Galvanik. „Unsere Erfahrung ist, dass Frauen das besser händeln als Männer“, so Kirschner. Sarah Stoffers

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!