• Neues Bahnwerk in Cottbus: Zweites großes Wirtschaftsprojekt für Brandenburg

Neues Bahnwerk in Cottbus : Zweites großes Wirtschaftsprojekt für Brandenburg

In Cottbus soll bis 2026 das umweltfreundlichste Bahninstandhaltungswerk in Europa mit 1200 Arbeitsplätzen entstehen.

Silke Nauschütz
Auch Schieneninfrastruktur soll ausgebaut werden.
Auch Schieneninfrastruktur soll ausgebaut werden.Foto: dpa

Cottbus/Potsdam - Nach der Ansiedlung des US-Elektroautoherstellers Tesla in Grünheide (Oder-Spree) ist ein weiteres wirtschaftliches Großprojekt in Brandenburg geplant. Die Deutsche Bahn will in Cottbus ihr neues, umweltfreundliches Bahnwerk bauen und so 1200 Arbeitsplätze in der vom Strukturwandel nach dem Kohleausstieg betroffenen Lausitz schaffen. Entsprechende Pläne haben Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und DB-Vorstand Ronald Pofalla am Donnerstag vorgestellt. 

Andreas Scheuer (CSU).
Andreas Scheuer (CSU).Foto: dpa

„Hier setzen wir etwas um, das zeigt, wie der Strukturwandel ganz konkret klappen kann“, sagte Scholz bei der Bekanntgabe der Pläne in Cottbus. „Gigafactory gibt es nicht nur einmal in Brandenburg, das gibt's jetzt auch ein zweites Mal“, kommentierte Scheuer das Projekt. Das Werk ist das erste große Vorhaben, das auf Basis des Strukturstärkungsgesetzes des Bundes finanziert wird. Das Gesetz ist seit August in Kraft.

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2023 soll der Bau beginnen

Im Jahr 2023 soll nach Angaben der Deutschen Bahn mit dem Bau des Werks begonnen werden. Am Standort des heutigen Bahnwerks Cottbus ist eine neue ICE-Halle für die Instandhaltung von Elektrotriebzügen (ICE 4) geplant. Geplant sind bis zum Jahr 2026 etwa 1100 neue Industriearbeitsplätze und 100 Plätze für Auszubildende. Für die Umrüstung von Dieselfahrzeugen auf Hybridtechnik mit Elektroantrieb soll eine Halle gebaut werden. 

Zudem sind ein Technologiezentrum zur Hybridforschung und moderne Lehrwerkstätten geplant. Die Bahn will dabei mit der Brandenburgischen-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) zusammenarbeiten. Laut Unternehmen soll es das modernste und umweltfreundlichste Bahninstandhaltungswerk in Europa werden.

Olaf Scholz (SPD) im Werk der DB Fahrzeuginstandhaltung Cottbus.
Olaf Scholz (SPD) im Werk der DB Fahrzeuginstandhaltung Cottbus.Foto: dpa

„Roboter, lernende Maschinen und künstliche Intelligenz verkürzen den Werkstattaufenthalt der ICE-Züge radikal“, erklärte Sabina Jeschke, DB-Vorstand Digitalisierung und Technik in Cottbus. Die Fahrzeuge könnten so schneller wieder auf die Schiene. Mit dem neuen Werk und mehr als doppelt so vielen Arbeitsplätzen würden die Kapazitäten enorm erweitert. Das sei notwendig, weil die ICE-Flotte bis 2026 auf mehr als 420 Fahrzeuge wachsen soll, so Jeschke. Nach Angaben von Scheuer geht es dabei um eine Investition von einer Milliarde Euro.

"Endlich Klarheit" für die Lausitz

Für Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bedeutet der Ausbau des Bahnwerkes Cottbus „endlich Klarheit“ für die Lausitz, auch bei den erforderlichen Mitteln, um Zukunftsprojekte anzuschieben. Das Projekt passe „haargenau“ zu den versprochenen Infrastrukturmaßnahmen in Bahn und Schienen für die Lausitz. 

Auch die Schieneninfrastruktur soll in der Lausitz ausgebaut werden. Die Bahnstrecken von Cottbus nach Berlin, Leipzig, Dresden und Görlitz werden laut der Deutschen Bahn für höhere Geschwindigkeiten fit gemacht. Auch die Strecken nach Forst, Guben und in die polnische Nachbarregion sollen modernisiert werden. 

Dietmar Woidke (SPD).
Dietmar Woidke (SPD).Foto: dpa

„Der Ausbau des Werks der Deutschen Bahn ist sowohl für die Gestaltung des Strukturwandels als auch für die Verkehrswende in Brandenburg ein gewaltiger Schritt nach vorne“, erklärte die Landesvorsitzende der Grünen, Alexandra Pichl. 

Der Bund trickse bei EU-Mitteln für den Strukturwandel, kritisierte dagegen der europapolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Christian Görke. Der Bund beabsichtige, 2,1 Milliarden Euro, die Deutschland aus dem EU-Fonds für einen gerechten Übergang, dem Just Transition Fund (JTF), bekommen soll, nicht eins zu eins an die Regionen weiterzuleiten. „Ich erwarte, dass die SPD geführte Landesregierung sich gegenüber dem Finanzminister Scholz dafür einsetzt, diese Finanztrickserei schnellstens zu beenden“, so Brandenburgs früherer Finanzminister. (mit dpa)
 

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