• Neonazi-Kundgebung in Nauen am 20. April: Bunte Proteste gegen braunes Gedenken

Neonazi-Kundgebung in Nauen am 20. April : Bunte Proteste gegen braunes Gedenken

Am heutigen 20. April mobilisieren Neonazis zu einer Kundgebung in Nauen. Mehrere Gegenaktionen sind geplant, bei denen auch Einhörner eine Rolle spielen sollen.

Hardy Krüger

Nauen - Mit einem Toleranzfest wollen sich verschiedene Akteure der regionalen Zivilgesellschaft am Mittwoch in Nauen gegen eine neonazistische Kundgebung positionieren. Gegen die rechte Veranstaltung wollen außerdem auch linke Aktivisten in Hör- und Sichtweite protestieren. Die Neonazis mobilisieren für ihre Versammlung seit dem 13. April offen im Internet und hoffen ihrerseits auf Unterstützung von Gleichgesinnten aus den benachbarten Landkreisen und aus der Prignitz.

Über die Verbindungen zu NPD-Politiker Maik Schneider

Die hauptsächlich von den „Freien Kräften Neuruppin / Osthavelland“ getragene Veranstaltung soll vorgeblich an die Bombardierung der Stadt Nauen am 20. April 1945 erinnern. Das Datum des Aufzuges hat aber für die rechte Szene darüber hinaus Symbolkraft – es ist nämlich der Geburtstag von Adolf Hitler. Da eine offene Verherrlichung des Diktators jedoch Strafgesetze tangiert, bestreiten die „Freien Kräfte“ immer wieder eine etwaige Verbindung zu ihrer seit 2010 jährlich stattfindenden Versammlung. Ebenso bestreiten sie eine Beteiligung an dem verheerenden Brandanschlag auf die als Notunterkunft für Flüchtlinge gedachte Sporthalle in Nauen. In diesem Fall hat die Polizei jedoch im März 2016 eine Gruppe Tatverdächtiger, zu der auch der Nauener NPD Stadtverordnete Maik Schneider gehört, ermittelt. Schneider hatte nachweislich sehr enge Kontakte zu den „Freien Kräfte Neuruppin /Osthavelland“.

In den Jahren 2010 bis 2013 nahm er regelmäßig an deren Versammlungen zum 20. April teil, hielt im ersten Jahr auch das Banner dieser Organisation. Und es gibt noch weitere Schnittstellen: Regelmäßig trat Schneider mit den oder im Anhang der „Freien Kräfte Neuruppin /Osthavelland“ bei Anti-Asyl-Demos in Nauen auf. Gemeinschaftlich störten sie auch die Nauener Stadtverordnetenversammlung im Februar 2015, in der über den Verkauf eines Grundstückes für den Bau einer Flüchtlingsunterkunft an den Landkreis Havelland entschieden werden sollte.

Lokale Akteure wollen die Deutungshoheit des Tages für sich gewinnen

Trotz des neonazistischen Charakters der Kundgebung der „Freien Kräften Neuruppin / Osthavelland“ und dem Brandanschlag auf die geplante Asylunterkunft in Nauen, sieht die Versammlungsbehörde offenbar keine Möglichkeit, die Veranstaltung am 20. April zu untersagen. Die Nauener Zivilgesellschaft ist deshalb schon seit Jahren bemüht, durch eigene Versammlungen wenigstens die Deutungshoheit des Tages für sich zu gewinnen.

Ein Beispiel dafür ist das seit 2012 vom Mikado e.V. und vom Humanistischen Freidenkerbund Havelland e.V. organisierte Toleranzfest. Es richtet sich vor allem an Familien, in einen interkulturellen Dialog zu treten. Geboten werden unter anderem dutzende Stände mit internationaler Küche und musikalischer Bühnenunterhaltung - sowohl mit afrikanischen und vorderasiatischen Künstlern als auch regionalen Bands oder Tanzgruppen. Durch das Toleranzfest gelang es den Veranstaltern in der Vergangenheit, die Neonazis vom zentralen Lindenplatz an einen abgelegenen Ort am Nauener Friedhof zu drängen. Die Anti-Asyl-Demos und den Brandanschlag auf die Sporthalle verhinderten die zivilgesellschaftlichen Veranstaltungen jedoch nicht.

Einhörner gegen Neonazis

Ein Ärgernis, welches vor allem linke Jugendliche in der Stadt stört. Kritisch sehen sie vor allem, dass das Übel nicht beim Namen genannt wird. Ein schlagkräftiges Gegenkonzept können sie allerdings auch nicht bieten. Stattdessen soll gegen die Versammlung der „Freien Kräfte“ humoristisch zu Felde gezogen werden. Im Internet wirbt eine Initiative „Einhörner gegen Nazis“ beispielsweise für eine Veranstaltung unter dem Motto: „Party statt Patriotismus“. Der ehemalige Linksjugend-Aktivist Chriss Kühnl hat die Versammlung für 18.00 Uhr angemeldet. Er plant mit seiner Demonstration eine Art Spaßguerilla-Aktion. „Nauen hat ein massives Problem mit braunen Trollen, aber keine Angst, die Kavallerie kommt. Die Einhornkavallerie! Wenn wir fertig sind, werden die Trolle nur noch in unserem Glitzerstaub liegen“, so Kühnl. Er kündigte deshalb eine entsprechende Kostümierung als Einhorn beziehungsweise einen pinken Dresscode für seine Versammlung an.

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