• Nach der Absage: Rettungsversuche für das Blütenfest

Nach der Absage : Rettungsversuche für das Blütenfest

Ein Elf-Punkte-Plan für eine Übergangslösung, eine Demo und zahlreiche Diskussionen auf Facebook: Der Druck auf die Stadt Werder steigt. 

Foto: Sebastian Gabsch

Werder (Havel) - Der Druck auf die Werderaner Stadtverwaltung wächst: Obstbauern, Gewerbetreibende und viele Einwohner der Stadt wollen die kurzfristige Absage des Baumblütenfestes nicht hinnehmen. Sie fordern, dass das größte Volksfest Ostdeutschlands nächstes Jahr auf jeden Fall - wenn auch in etwas reduzierter Form - stattfinden soll. „Die Tradition darf nicht mit Füßen getreten werden“, sagte Obstbauer Michael Schultz den PNN am Sonntag.

Schultz gehört in der Stadt zu denjenigen, die den Protest gegen die Absage vorantreiben. Und er bekommt dafür nicht nur im sozialen Netzwerk Facebook viel Zuspruch. Bei einem von ihm für Freitagabend kurzfristig angekündigten Treffen auf seinem Siedlerhof in Elisabethhöhe sollen rund 80 bis 100 Teilnehmer erschienen sein, darunter auch Vertreter der Stadtpolitik.

Elf-Punkte-Plan für eine Übergangslösung

Zweieinhalb Stunden lang wurde diskutiert, viele Einwohner sollen laut Schultz ihrer Wut Luft gemacht haben. Eine der zentralen Fragen des Abends war, warum die Stadtverwaltung in Eigenregie das Fest für zwei Jahre absagen konnte und warum sie sich vorab nicht mit dem Stadtparlament darüber abstimmen musste.

Moderiert wurde die Runde von rbb-Journalist Attila Weidemann, der mit seiner Familie in Werder wohnt. Er wie auch Schultz bestätigten den PNN am Sonntag, dass bei dem Treffen ein Elf-Punkte-Plan erarbeitet worden sei. Zentrale Forderungen darin sind dem Vernehmen nach eine „sanfte Übergangslösung“ für das Fest zu finden. So solle das Baumblütenfest weiterhin stattfinden und parallel dazu die Neuausrichtung des Volksfests in der Stadt zusammen mit den Bürgern vorangetrieben werden. Wie berichtet will die Stadtverwaltung ab November einen umfangreichen Beteiligungsprozess gemeinsam mit den Bürgern der Stadt starten. Auch wollen die Kritiker laut dem Papier erreichen, dass das Thema Baumblütenfest mit Dringlichkeit in der am Donnerstag stattfindenden Stadtverordnetenversammlung behandelt wird.

Demonstration am Donnerstag

Ebenfalls von Schultz organisiert ist eine Demonstration am Donnerstagnachmittag ab 16 Uhr vor dem Schützenhaus, Uferstraße 10. Dort treffen sich ab 18.30 Uhr die Stadtverordneten zu ihrer regulären Sitzung. Die Demonstration sei bereits angemeldet, sagte Schultz. In dem sozialen Netzwerk Facebook haben bis Sonntagnachmittag bereits 115 Nutzer ihr Kommen zugesagt.

Wie vernetzt Werder in seinem Protest ist, zeigt eine weitere Spontanaktion: Auf der Demo am Donnerstag sollen rund 650 schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „Unsere Stadt, Unsere Tradition, Baumblüte 2020“ verteilt werden. Gedruckt werden sie von der Werderaner Werbeagentur Pulver & Blei, die Kosten dafür übernehmen offenbar einige Obstbauern und weitere Gewerbetreibende.

Wird es doch eine Ersatzfestmeile geben?

Mittlerweile überlegen auch viele Werderaner, wie sie das Baumblütenfest selbst organisieren können. Über Facebook werden zahlreiche Ideen dazu ausgetauscht. Es gibt mittlerweile sogar eine eigene Facebook-Gruppe namens „Rettet die Baumblüte" mit rund 850 Mitgliedern. Diskutiert wird im Netz bisher konstruktiv und sachlich, unter anderem werden Umfragen durchgeführt, in denen es darum geht, was sich die Werderaner für ihr Fest wünschen und ob sie bereit wären, dafür Eintritt zu zahlen.

Auch die Stadtverwaltung scheint sich zu bewegen - obwohl die Absage bisher für sie alternativlos ist. So hatte Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) als Reaktion auf die Idee eines kleinen Festumzugs bereits angekündigt, dass sie keine Ersatzfestmeile erlauben werde.

Mittlerweile zeigt sich Saß offener: Am Freitagmorgen soll es ein rund zweistündiges Gespräch mit ihr, den Obstbauern und anderen am Fest Beteiligten im Rathaus gegeben haben. Bei dem Gespräch habe Saß angeboten, dass die Kritiker ihre Wünsche und Ideen zunächst aufschreiben sollen, sagte Schultz, der an dem Treffen teilnahm, den PNN. Das Papier sollte ihr bereits am Wochenende vorliegen, damit sie sich am heutigen Montag mit ihrer Verwaltung dazu absprechen könne. Am morgigen Dienstag soll es ein weiteres Gespräch zwischen Obstbauern und Verwaltung geben. Erst danach dürfte der Forderungskatalog öffentlich bekanntgemacht werden, so Schultz am Sonntag.

Stadt will Gespräche nicht über die Medien führen

Von der Stadt gab es dazu am Sonntag auf Anfrage keine weitere Stellungnahme. Werders 1. Beigeordneter Christian Große (CDU) sagte den PNN, dass man bereits mit den Obstbauern und den Obstweinproduzenten im Gespräch sei. So sei vereinbart worden, dass man das Gespräch nicht über die Medien führen wolle, hieß es von der Stadt.

Dass die Verwaltung jetzt auch Obstbauern und Obstweinproduzenten anhört, die nicht im Obstbauverein der Stadt organisiert sind, liegt unter anderem am Einsatz von Bauer Schultz. Er hat über eine Radiomeldung von der Absage erfahren und ist über die „fehlende Kommunikation“ enttäuscht. Der Obstbauverein, dem Schultz nicht angehört, soll bereits am 23. August über die Absage informiert gewesen sein.