• Nach Anschlag am Breitscheidplatz Berlin: Weihnachtsmärkte in Brandenburg bleiben offen - Polizisten mit Maschinenpistolen vor Ort

Nach Anschlag am Breitscheidplatz Berlin : Weihnachtsmärkte in Brandenburg bleiben offen - Polizisten mit Maschinenpistolen vor Ort

Brandenburgs Politiker äußern sich bestürzt über den mutmaßlichen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Potsdams Oberbürgermeister Jakobs spricht den Berlinern sein Mitgefühl aus, Ministerpräsident Woidke mahnt zur Besonnenheit. Die Reaktionen aus Brandenburg im Überblick.

Stefan Engelbrecht
Die Brandenburger Weihnachtsmärkte bleiben geöffnet, doch die Sicherheitsvorkehrungen werden verschärft. In Potsdam sind beispielsweise Polizisten mit schusssicheren Westen und Maschinenpistolen vor Ort.Alle Bilder anzeigen
Foto: A. Klaer
20.12.2016 11:33Die Brandenburger Weihnachtsmärkte bleiben geöffnet, doch die Sicherheitsvorkehrungen werden verschärft. In Potsdam sind...

Potsdam - Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) für Dienstag die bundesweite Trauerbeflaggung der Bundesbehörden angeordnet. "Dies geschieht als Zeichen der Anteilnahme nach der Gewalttat auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin am gestrigen Abend", teilte das Ministerium mit. So wurde am Brandenburger Landtag die Flagge auf halbmast gesetzt. 

OB Jakobs: "Wir fühlen mit unserem Nachbarn"

Erschüttert reagierte Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs. „Die Tat mit den vielen Toten und Verletzten vom Breitscheidplatz hat mich erschüttert. Ich weiß, dass viele Menschen in der Welt ebenso empfinden und ich weiß auch, dass die Potsdamerinnen und Potsdamer genauso erschüttert sind. Wir fühlen mit unserem Nachbarn und sind in solch besonders schweren Stunden nicht nur geografisch an seiner Seite", so Jakobs. "Es besteht kein Zweifel, dass dieser Akt der Gewalt einen dunklen Schatten über die ansonsten so freudige Vorweihnachtszeit legt, die besonders für unsere Kinder voller Zauber und Erwartung ist. Ich möchte aber alle Potsdamerinnen und Potsdamer dazu aufrufen, dennoch jetzt vor allem Ruhe zu bewahren.“ Wie die Stadt Potsdam am Dienstag mitteilte, werden die Sicherheitsvorkehrungen bei den Weihnachtsmärkten - in Abstimmung mit Feuerwehr und der Polizei - noch einmal überprüft. 

Schweigeminute auf Potsdamer Weihnachtsmarkt

Nach Gesprächsrunden mit Stadt und Polizei meldete sich am Dienstagmittag auch der Betreiber des Potsdamer Weihnachtsmarkts „Blauer Lichterglanz“ zu Wort, Eberhard Heieck von der Cottbuser Coex Veranstaltungs GmbH. Er kündigte an, dass es auch in der Brandenburger Straße eine „verstärkte Präsenz der Sicherheitskräfte“ geben werde – sowohl von Polizei, Ordnungsamt als auch Ordnern.

Um den tragischen Ereignissen Rechnung zu tragen, werde es am heutigen Tage keine musikalische Beschallung geben, so Heieck weiter. Auch auf dem Luisenplatz werde auf Musik verzichtet. Das dort auf der Bühne geplante Märchenprogramm ab 17 Uhr werde aber stattfinden – nach einer Schweigeminute. „Aber man kann die Kinder nicht dafür bestrafen, was dort in Berlin passiert ist“, so Heieck.

Brandenburgs Weihnachtsmärkte bleiben geöffnet - aber unter stärkeren Sicherheitsauflagen

Brandenburgs Weihnachtsmärkte werden nun stärker bewacht, betonte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Dienstag in Potsdam. Das betreffe den Wach- und Wechseldienst, Revierpolizisten, auch die Kripo, die ohnehin im Dienst seien. Zusätzlich sei für jede der vier Polizeidirektionen im Land eine Einsatzhundertschaft aktiviert, so dass rund um die Uhr ein Zug im Einsatz sein könne, so der Minister. Brandenburg hat insgesamt vier Einsatzhundertschaften der Bereitschaftspolizei, die bereits Montagabend ohnehin in erhöhter Alarmbereitschaft versetzt wurden. 

 Die Polizisten, die auf Weihnachtsmärkten zusätzlich patroullieren sollen, werden „erkennbar“ sein, so der Innenminister. Sie seien mit Maschinenpistolen und Schutzwesten der Schutzklasse Vier ausgerüstet, die auch einem Beschuss mit Kalaschnikows standhalten würden. Das ist die neue Ausrüstung, die Brandenburg in den letzten Monaten für seine Polizei wegen der wachsenden Terrorgefahr extra angeschafft hatte. Allerdings seien noch nicht alle Polizisten für solche Szenarien ausgebildet. 

Außerdem werde geprüft, ob Absperrelemente aus Beton eingesetzt werden könnten. "Wir sind dabei zu klären, wann und in welcher Anzahl sie verfügbar wären oder welche anderen Möglichkeiten es gibt, die Einfahrtswege zu versperren, so dass sie auch LKWs standhalten“, sagte Schröter.

Man habe außerdem Berlin Unterstützung mit Spezialeinsatzkräften angeboten, zur Stunde sehe Berlin aber keinen Bedarf. Schröter bestätigte auch, dass die Sicherheitskräfte des Landes islamistische Gefährder - nach Behördenangaben sollen es 100 in Brandenburg sein - verstärkt im Blick haben. Schröter hatte am Morgen an der Telefonschaltkonferenz der Innenminister der Länder teilgenommen. Einig waren sie sich, dass die Weihnachtsmärkte in Deutschland geöffnet bleiben sollen. Ausnahme sei Berlin, wo heute die Märkte aus Pietätsgründen geschlossen bleiben. "Es gibt in Brandenburg keinen Hinweis auf eine konkrete Bedrohung und ich glaube, es wäre hier auch das falsche Signal“, betonte Schröter.

Polizei beobachtet verstärkt Autoverkehr von und nach Berlin

Die Polizei in Potsdam beobachtet nach PNN-Informationen intensiv den Autoverkehr. Bei Bedarf würden auch einzelne Fahrzeuge kontrolliert, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums den PNN. Am Vormittag standen beispielsweise zwei Polizeifahrzeuge auf der Bundesstraße B2 nahe der Glienicker Brücke und beobachteten den Autoverkehr von und nach Berlin. Unterstützt würden die Beamten durch die Bereitschaftspolizei. Im ganzen Land Brandenburg sei die Präsenz deutlich erhöht worden.

 

Woidke will an Trauerfeier in Gedächtniskirche teilnehmen

Woidke mahnte zur Besonnenheit. "Es gibt interessierte Kreise", sagte er mit Blick auf die AfD, "die versuchen, selbst aus dieser Tragödie politisches Kapital zu schlagen." Der ganz überwiegende Teil der Menschen, die nach Deutschland geflüchtet seien, suchten Zuflucht vor Krieg. Auf der anderen Seite, "müssen wir natürlich wissen, wer sich bei uns aufhält. Das erwarten die Menschen von uns zurecht. Der Staat muss handlungsfähig bleiben."

Für den Abend hatte Woidke eigentlich ein Treffen mit den Oberbürgermeistern der kreisfreien Städte angesetzt, die bei der umstrittenen Kreisreform in Großkreisen aufgehen sollen. Er habe den Termin aber abgesagt, weil er an der Trauerfeier in der Gedächtniskirche am Dienstagabend teilnehmen möchte.

Am Montagabend schrieb Woidke auf Facebook: "Fassungslos schaue ich auf die schrecklichen Ereignisse in Berlin. Meine tiefe Anteilnahme gilt den Angehörigen der Opfer und meine Hoffnung den vielen Verletzten." 

 

Friedensgebet in der Nagelkreuzkapelle 

 

Die evangelische Kirche in Potsdam lädt zum Friedensgebet in der Nagelkreuzkapelle in der Breiten Straße 7, am Mittwoch (21. Dezember) um 18 Uhr ein, teilte Joachim Zehner, Superintendent des Kirchenkreises Potsdam und Pfarrer in der evangelischen Friedenskirchengemeinde den PNN. Auch die Friedenskirche und die Nikolaikirche seien offen zum stillen Gedenken und Anzünden von Kerzen. "In allen Weihnachtsgottesdiensten wird der Opfer gedacht und für sie gebetet", sagte Zehner.

Auch der Probst der katholischen Kirche Peter und Paul am Bassinplatz, Klaus-Günter Müller, reagierte erschüttert auf die Nachrichten über den Anschlag in Berlin. „Unser Leben ist nicht nur Sonnenschein, sondern auch die Nacht“, sagte Müller den PNN und zitierte aus der Bibel: "Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. Ein Kind sei geboren, ein Sohn und Geschenk." Es gehe auch darum, in schwierigen Zeiten nach vorne zu schauen und Hoffnung zu haben. „Das ist die Botschaft zu Weihnachten.“ Die Katholiken würden Weihnachten auch gerade deshalb im Dunkeln, am späten Abend feiern. 

Zwar wollten die Menschen im Advent auch Freude erleben. In solch einer Situation wie jetzt funktioniere der Weihnachtsmann aber natürlich nicht. Er kündigte an, dass den Opfern des Anschlages in den kommenden Tagen in allen Gottesdiensten und auch zur Christmette gedacht werde. Ein spezieller Ort der Trauer sei noch nicht in der Kirche eingerichtet worden. Die Kirche sei aber offen und auch ein Friedenslicht wurde aufgestellt. 

Imam der Islamischen Gemeinde in Potsdam: "Wir beten für Deutschland und Berlin“ 

Auch der Imam der Islamischen Gemeinde in Potsdam, Kamal Abdallah, drückte seine Erschütterung über den „mörderischen Anschlag“ aus. „Wir als Verein der Muslime in Potsdam verurteilen diese vorsätzlich ausgeführte Tat auf das Schärfste.“ Das Beleid der Gemeinde gelte allen, die ihre Liebsten bei dieser Schreckenstat verloren hätten. „Wir stehen in dieser schweren Zeit fest und solidarisch an der Seite unseres Land. Wir beten für Deutschland und Berlin.“ Bei den Gottesdiensten der Gemeinde würden die Opfer, Verletzte und Angehörige in die Gebete mit aufgenommen. „Unser Dank gilt der Polizei und allen Rettungskräften für ihren Einsatz.“

Brandenburger Politiker äußern sich erschüttert

Auch andere Brandenburger Politiker äußerten ihr Mitgefühl. Christian Görke, Vorsitzender der Brandenburger Linken und Finanzminister, schrieb: "Wir sind fassungslos und all unsere Gedanken sind bei den Verletzten und den Angehörigen. Wir bitten alle, abzuwarten, was passiert ist, keine vorschnellen Urteile zu fällen und vor allem: niemals den Hass siegen zu lassen. Wir sind stolz auf unsere freie, offene und tolerante Gesellschaft. Wir lassen uns nicht einschüchtern! Wir haben großen Respekt vor der guten Arbeit der Berliner Polizei, der Rettungskräfte und dem medizinischen Personal in den Krankenhäusern. Ihnen gehört unser Dank."

Landtagspräsidentin Britta Stark trug sich am Dienstagvormittag in das Kondolenzbuch in der Lobby des Landtages ein. "Vor dem Landtag wehen die Fahnen auf halbmast. Nach den schrecklichen Ereignissen der letzten Nacht in Berlin sind unsere Gedanken heute bei den Opfern und ihren Angehörigen, bei allen Menschen, die um ihre Familienangehörigen und Freunde fürchten", schrieb sie.

„Die Ereignisse vom Breitscheidplatz sind einfach nur schrecklich. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Auch wenn es schwerfällt, müssen wir alles dafür tun, dass Trauer und Schock nun nicht in Hass umschlagen. Wer Hass mit Hass begegnet, erfüllt die Ziele von Terroristen: Die Spaltung unserer Gesellschaft“, teilte Annalena Baerbock, grüne Bundestagsabgeordnete aus Brandenburg, mit.

"Eine feige und menschenverachtende Tat. Die Opfer und ihre Angehörigen haben unser Mitgefühl. Ich bin sicher, dass die für Potsdam zuständigen Stellen, alles für unsere Sicherheit tun. Wir lassen uns nicht aufzwingen, wie wir zu leben und unsere Feste zu feiern haben", schrieb Matthias Finken, Fraktionsvorsitzender der CDU Potsdam. 

"Ich trauere um die zahlreichen Toten des Anschlags in Berlin am gestrigen Abend und wünsche den Angehörigen die nötige Kraft. Hass ist die Ursache für Terror. Wer solche Taten begeht, will nicht nur Angst, Unsicherheit und Hass erzeugen, sondern die demokratische Gesellschaft dazu zwingen, ihre Freiheit einzuschränken. Das werden wir nicht zulassen. Wir müssen den Angreifern unserer offenen Gesellschaft gegenübertreten: Das gilt auch heute, egal wer der Täter war und woher er kam", sagte Sascha Krämer, Kreisvorsitzender der Linken Potsdam.

"Wir trauern um die Opfer und sind in Gedanken bei den Angehörigen. Wir vertrauen in dieser schweren Stunde auf die Sicherheitsbehörden. Alle Versuche von Populisten, jetzt Kapital aus dieser Tat zu ziehen, sind charakterlos", teilte Axel Graf Bülow, Landesvorsitzender der Freien Demokraten, mit. (mit dpa)

 

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