Brandenburg : Mord mit Ankündigung?

Heinrich Scholl soll schon früher in einem Buch mit Mordgedanken gespielt haben – Zum Verhängis aber wurde ihm sein Handy

Spurensuche. Auch am Freitag durchkämmten Ermittler das Wohnhaus des Ex-Bürgermeisters von Ludwigsfelde, Heinrich Scholl (SPD). Am Mittwoch wurde der 68-Jährige wegen Mordverdachts festgenommen. Er soll seine Ehefrau Brigitte umgebracht haben. Zu einem möglichen Motiv und weiteren Details schweigt die Staatsanwaltschaft weiterhin.
Spurensuche. Auch am Freitag durchkämmten Ermittler das Wohnhaus des Ex-Bürgermeisters von Ludwigsfelde, Heinrich Scholl (SPD). Am...Foto: dpa

Ludwigsfelde/Potsdam - War es Mord mit Ankündignung? Zumindest hat Heinrich Scholl offenbar als Buchautor mit dem Gedanken gespielt, eine von „alltäglichen Lieblosigkeiten“ und „kleinen Gehässigkeiten“ geprägte Ehe auf diese Weise zu beenden. Der unter Mordverdacht stehende ehemaliger Bürgermeister von Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) soll noch vor dem gewaltsamen Tod seiner Ehefrau Brigitte Scholl bei einem Selbstverlag eine erotische Erzählung haben, in der er sich auch über den Frust in einer langjährigen Ehe auslässt, berichtete die Bild-Zeitung am Freitag. Auf die Frage, ob er denn nie an Scheidung gedacht habe, lässt Scholl seinen Protagonisten Henry Sanders angeblich antworten: „An Scheidung nie, an Mord schon!“ Noch im Herbst soll Scholl Freunden zufolge 100 Exemplare im Bekanntenkreis verteilt haben. „Das Buch liegt vor“, bestätigte gestern auch der Potsdamer Oberstaatsanwalt Helmut Lange knapp. Ob das Schriftstück eine Rolle spielt bei den Ermittlungen, kommentierte er nicht. Offen blieb auch, ob sich Heinrich Scholl bereits zu den Vorwürfen geäußert hat.

Klar ist unterdessen, wie die Polizei dem Hobbyautoren in der Realität auf die Schliche kamen: Aus Ermittlerkreisen heißt es, Scholl habe für die Tatzeit angegeben gehabt, in einem Schwimmbad gewesen zu sein. Tatsächlich aber sei sein Handy in der Nähe des Fundortes der Leiche geortet worden sein. Die Leiche war wie berichtet am 30. Dezember in einem Wald bei Ludwigsfelde gefunden worden. Neben der toten Brigitte Scholl, die laut Polizeiangaben mit Gehölz verdeckt gewesen war, fanden die Beamten außerdem den ebenfalls toten hellbraunen Hund der 67-Jährigen, einen Cocker Spaniel namens Ursus. Die Frage, ob es sich beim Fundort der Leichen auch um den Tatort handelt, beantwortete die Staatsanwalt gestern ebenfalls nicht. Zeugen hatten berichtet, dass Brigitte Scholl des Öfteren in dem Gebiet spazieren ging.

Unterdessen setzten am Freitag Spezialisten der Spurensuche die Durchsuchung des Wohnhauses der Scholls in Ludwigsfelde fort. Dort hatte die Polizei den ehemaligen Rahhauschef der 24 000 Einwohner-Stadt am Mittwochfrüh gegen sechs Uhr festegnommen. Die Staatsanwaltschaft hatte lediglich vom „Mordmerkmal der Heimtücke“ gesprochen, da Brigitte Scholl vermutlich völlig arglos gewesen war, mit dem Angriff nicht hatte rechnen können. Wie sie getötet wurde, haben die Ermittler bislang nicht mitgeteilt.

Erst vor wenigen Tagen war Brigitte Scholl beerdigt worden - da war ihr Mann noch frei. Nachbarn und Bekannte sind fassungslos und suchen nach einer Erklärung für das Unfassbare. Die 67-Jährige galt als sehr beliebt, Betrieb in der Stadt einen Kosmetiksalon und engagierte sich in solzialen Projekten. Das Schweigen der Ermittlungsbehörden über die möglichen Hintergründe für ihren Tod lässt Raum für Spekulationen.

So zitiert Bild etwa die Verlegerin des bislang unveröffentlichten Manuskripts mit dem Titel „Wachgeküsst“. Andere „unschöne Stellen über die Ehefrau“ habe sie aus Scholls Entwurf gestrichen. Ihr habe Heinrich Scholl zudem erzählt, dass seine Frau ihm alles Mögliche verbiete, ihm sogar vorschreibe, auf welches Klo er gehen müsse. Freunde hatten zudem laut Bild von einer zeitweiligen Trennung des Ehepaares berichtet.

Parallel zu den Mord-Ermittlungen läuft in Neuruppin bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Korruption ein weiteres Verfahren gegen Heinrich Scholl, der in der Haftanstalt Brandenburg/Havel sitzt. Der SPD-Politiker gehört zu einem größeren Personenkreis, gegen den die Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Bestechlichkeit überprüft. (mit dpa)

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