• Mitgliederschwund bei SPD und CDU: Brandenburgs Parteien merken Coronakrise

Mitgliederschwund bei SPD und CDU : Brandenburgs Parteien merken Coronakrise

Nach dem ersten Halbjahr 2020 haben Brandenburger Parteien teils mehr, teils weniger Mitglieder als Anfang des Jahres - dieser Trend ist nicht neu. Mehrere Parteien gehen aber davon aus, dass die Coronakrise Folgen für Beitritte hatte.

Oliver von Riegen
Die SPD ist die mitgliederstärkste Partei in Brandenburg.
Die SPD ist die mitgliederstärkste Partei in Brandenburg.Foto: Patrick Seeger/dpa

Potsdam - Die Coronakrise hat für viele Parteien in Brandenburg nach eigenen Angaben auch Folgen für die Mitgliederentwicklung. Einige Parteien zählten im ersten Halbjahr 2020 weniger Mitglieder, andere gewannen dennoch Anhänger hinzu, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Mehrere Parteien gehen allerdings davon aus, dass die Pandemie die Zahl der Eintritte gebremst hat.

Bei der SPD, weiter mitgliederstärkste Partei, sank die Zahl von 6223 Ende 2019 auf 6131 Ende Juni. Hinzu kamen 94 Beitritte und Ummeldungen, dagegen stehen 186 Austritte, Abmeldungen und Todesfälle. Bei der CDU ging die Mitgliederzahl von 5792 auf 5728 zurück. Die Linke, die das Jahr mit 5527 Mitgliedern startete, verbuchte 67 neue - die Eintritte wiegen aber die Sterbefälle nicht auf. Grüne, AfD und Freie Wähler machten ein Mitgliederplus aus.

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SPD-Generalsekretär Erik Stohn berichtete, die Beitritte seien im Januar und Februar stabil gewesen, im März leicht gesunken, hätten sich im April halbiert und seien im Mai auf 4 gesunken - im Juni sei die Zahl auf 22 gestiegen. „Das lässt deutlich den Schluss zu, dass der Shutdown (das Herunterfahren) wohl auch Menschen davon abgehalten hat, der SPD beizutreten“, sagte Stohn. Dabei komme der weit überwiegende Teil der SPD-Beitritte mittlerweile online zustande.

Erik Stohn, Generalsekretär der SPD Brandenburg.
Erik Stohn, Generalsekretär der SPD Brandenburg.Foto: dpa

CDU registriert weniger Eintritte

Die CDU hat weniger Eintritte registriert, während sich die Zahl der Austritte nach Angaben von Generalsekretär Gordon Hoffmann im Durchschnitt der vergangenen Jahre bewegte. „Da macht sich Corona schon deutlich bemerkbar“, sagte Hoffmann. „Ich vermute, dass es daran liegt, dass auch viele Parteiveranstaltungen und -aktivitäten nicht stattfinden konnten.“

Die Zahl der Beitritte bei der Linken war auf dem Niveau der Vorjahre, wie Landeschefin Anja Mayer berichtete. „Die Coronakrise hatte keinen wesentlichen Einfluss auf die Anzahl der Eintritte, wohl aber auf unsere Parteiarbeit. Wir haben vermehrt auf Online-Formate gesetzt und den telefonischen Kontakt zu den Kreisverbänden intensiviert.“ Ein Online-Stammtisch habe bisher 20 Mal stattgefunden.

Die Grünen berichten von gebremstem Wachstum. Sie legten von 1973 Mitgliedern Ende 2019 auf 2068 Ende Juni zu. „Das Mitgliederwachstum setzt sich fort, wenn auch nicht mehr so rasant wie im Jahr 2019, in dem wir knapp 600 Mitglieder gewonnen hatten“, erklärte Sprecher Michael Mangold. „Wir gehen davon aus, dass die Pandemiesituation in der Tat eine gewisse bremsende Wirkung entfaltet.“ Die Neueintritte überstiegen vereinzelte Austritte aber nach wie vor bei weitem.

AfD verzeichnet Wachstum

Die Mitgliederzahl der AfD wuchs nach Angaben des bisherigen Landeschefs Andreas Kalbitz von 1640 zum Jahreswechsel auf 1652 im Juli. Weitere 25 Aufnahmeanträge seien in der Prüfung. Seit mehreren Wochen schwelt ein Machtkampf in der AfD. Der Bundesvorstand hatte im Mai die Parteimitgliedschaft von Kalbitz per Mehrheitsbeschluss annulliert und gab Kontakte im rechtsextremen Milieu als Grund an. Das Bundesschiedsgericht bestätigte den Beschluss. Kalbitz geht dagegen zunächst mit einem Eilantrag vor dem Landgericht Berlin vor.

Auch BVB/Freie Wähler konnten leicht zulegen. Die Mitgliederzahl sei von 801 Ende 2019 auf 813 im Juli gestiegen, sagte der Landesvorsitzende Péter Vida. „Wir konnten im ersten Halbjahr zwei neue Wählergruppen hinzugewinnen. Durch Corona gibt es natürlich weniger Veranstaltungen, so dass in der Tat etwas weniger Wachstum zu verzeichnen ist.“ Von der FDP lagen zunächst keine Zahlen vor. (dpa)

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