Brandenburg : Menschlichkeit zeigen

Elisabeth Rosenfeld ist Flüchtlingspfarrerin

Jeanette Bederke
Zuhören. Flüchtlingspfarrerin Elisabeth Rosenfeld bei der Arbeit. Zuhören, Sorgen ernst nehmen und Seelsorge – das sind die Aufgaben, die Flüchtlingspfarrerin Elisabeth Rosenfeld in ihrer Arbeit vor allem sieht.
Zuhören. Flüchtlingspfarrerin Elisabeth Rosenfeld bei der Arbeit. Zuhören, Sorgen ernst nehmen und Seelsorge – das sind die...Foto: Patrick Pleul/dpa

Ziltendorf - Zuhören, Sorgen ernst nehmen und Seelsorge – das sind die Aufgaben, die Flüchtlingspfarrerin Elisabeth Rosenfeld in ihrer Arbeit vor allem sieht. „Im Moment polarisiert sich die Gesellschaft in der Flüchtlingsfrage. Wenn wir uns nicht kümmern und gegensteuern, entsteht auf der einen Seite eine Radikalisierung, die wir nicht gebrauchen können“, warnt die promovierte Theologin. Die wirkliche Integration von Flüchtlingen fange jetzt erst an. „In den Monaten zuvor ging es doch vordergründig um Aufnahme und Unterbringung.“

Mehr als 28 000 Asylsuchende hat Brandenburg im vergangenen Jahr nach Angaben des Innenministeriums aufgenommen. Allein im Januar dieses Jahres waren es 2757. Als Flüchtlingspfarrerin der evangelischen Kirche für den Sprengel Görlitz kümmert sich Rosenfeld seit Anfang des Jahres um viele von ihnen.

Ihre Zuständigkeit reicht von Oderberg im Nordosten Brandenburgs bis ins sächsische Görlitz im Süden mit insgesamt sechs Kirchenkreisen. Die Arbeit der gebürtigen Hamburgerin ist zweigeteilt: Die Seelsorge in der Abschiebehaft der Brandenburger Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt bringt sie in direkten Kontakt mit Flüchtlingen. Die Kirchengemeinden in ihrem Sprengel berät Rosenfeld – zunächst befristet auf drei Jahre – in der Flüchtlingsarbeit.

Information, die Begleitung ehrenamtlicher Helfer und die Schaffung von Begegnungsmöglichkeiten zwischen Asylsuchenden und Einheimischen zählt die Theologin zu ihren wichtigsten Aufgaben. Sie halte diese Form der Begegnung mit anderen Religionen – die überwiegende Zahl der Asylsuchenden sind Muslime – für wichtig, sagt die Pfarrerin. Auch, um über den eigenen Glauben nachzudenken.

Die Frankfurter Pfarrerin Katharina Falkenhagen ist froh, dass sich nun jemand intensiv um das Thema kümmert. „Bei der Flüchtlingsarbeit gibt es noch viele Defizite, auch rechtliche Unsicherheiten. Daran kommt allerdings keiner mehr vorbei“, sagt die Theologin. Neben ihren sieben Kindern betreut Falkenhagen derzeit einen afrikanischen Flüchtling, dem ihre Kirchengemeinde Kirchenasyl gewährt, um ihn vor der Abschiebung zu bewahren. Die Pfarrerin erlebt das bereits zum sechsten Mal. Durch die nun wieder verschärfte Asylgesetzgebung werde diese Gewährung von Schutz unter dem Dach der Kirche zunehmen, ist sie sich mit Kollegin Rosenfeld einig. „Deutschland wird bemüht sein, möglichst viele Flüchtlinge wieder loszuwerden. Die letzte Chance ist das Kirchenasyl“, erklärt die Flüchtlingspfarrerin.

„In meinem Sprengel habe ich schon sehr aktive und engagierte Kirchengemeinden wie Frankfurt (Oder) oder Guben, wo ich zuvor als Pfarrerin gearbeitet habe“, schildert Rosenfeld. Es gebe aber auch kleinere Orte in strukturschwachen Gegenden wie das Oderbruch, wo noch keine Flüchtlinge lebten. „Da haben die Leute ganz andere Probleme und fühlen sich von der Politik vergessen“, skizziert die Seelsorgerin die Bandbreite ihrer Arbeit. Sie meint allerdings: Man müsse die Flüchtlingspolitik nicht unbedingt gutheißen – und könne in seinem Umfeld trotzdem freundlich sein. „Wir haben einfach die Verantwortung, Menschlichkeit zu zeigen und uns auch um unsere Nachbarn zu kümmern.“ Wichtig sei die Vernetzung der Helfer, um von den Erfahrungen der anderen zu profitieren.

„Wer neu ist in der Flüchtlingsarbeit, muss ja nicht die Fehler anderer wiederholen“, erklärt Rosenfeld. So werde häufig Unterstützung organisiert – ohne die Neuankömmlinge vorab zu fragen, wo sie denn Hilfe bräuchten.

Für große Enttäuschung in den Kirchengemeinden sorge oftmals, dass die meisten Asylsuchenden trotz großer Fürsorge nicht in der märkischen Provinz bleiben wollen. „Sie haben dort nun einmal keinerlei Bindungen. Es zieht sie dorthin, wo Landsleute schon länger leben und das sind meist die Großstädte“, schildert die Pfarrerin. In solchen Situationen müsse sie immer wieder Trost spenden – und um Verständnis bitten. Jeanette Bederke