• Mehr Männer arbeiten als Kita-Erzieher Zahl hat sich in zehn Jahren fast verachtfacht

Brandenburg : Mehr Männer arbeiten als Kita-Erzieher Zahl hat sich in zehn Jahren fast verachtfacht

Bianca Hinz (dpa)
Jungssachen. Männliche Bezugspersonen sind wichtig für Kinder.
Jungssachen. Männliche Bezugspersonen sind wichtig für Kinder.Foto: Jens Büttner/ dpa

Potsdam - Die Zahl der männlichen Erzieher in Brandenburgs Kindergärten und Horten hat sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre fast verachtfacht. 2007 waren erst 139 Männer als Erzieher tätig, im vergangenen Jahr dagegen 1091, wie das Amt für Statistik auf dpa-Anfrage mitteilte. Der Anteil der Männer liegt damit inzwischen bei 6,3 Prozent, vor zehn Jahren waren es erst 1,2 Prozent. Bundesweit war die Männerquote mit zuletzt 4,6 Prozent noch geringer als in Brandenburg, wie das Bundesamt für Statistik ergänzte.

Nach Einschätzung des Professors für Bildung und Entwicklung im Kindesalter an der evangelischen Hochschule in Dresden, Tim Rohrmann, gibt es eine „erhebliche Steigerung in Brandenburg und durchweg in allen Landkreisen“. Allerdings arbeiteten mehr Männer im Hort als in der Kita. „Je älter die Kinder, desto mehr Männer.“ Zudem sind die Männer nach Auffassung des Experten flexibler in ihrer Berufswahl. Nicht jeder Mann lerne klassisch den Beruf des Erziehers, wie es noch bei den Frauen weit verbreitet sei. Viele Männer nutzten stattdessen den Quereinstieg als Sozialpädagogen, Sozialassistenten oder über das Freiwillige Soziale Jahr. Bei den Freiwilligen wünschten sich die Kindergärten oftmals, dass diese blieben, sagte Rohrmann.

Nach Angaben des Potsdamer Bildungsministeriums profitieren die Kinder von Männern als Erzieher. Kinder „brauchen weibliche und männliche Erwachsene als Vorbilder“, so Ministeriumssprecherin Antje Grabley. „Eine kontinuierliche Steigerung des Männeranteils ist sinnvoll und wünschenswert.“

Seit dem Jahr 2005 soll dem Mangel an Kitapersonal unter anderem mit dem Programm „Profis für die Praxis“ entgegengewirkt werden. Es bietet einen Seiteneinstieg in den Erzieherberuf als zweite Chance für die Jobwahl. „Es entscheiden sich eher berufs- und lebenserfahrenere Männer für diesen Beruf, wenn sie zum Beispiel Erfahrungen mit eigenen Kindern gemacht haben“, erläuterte die Sprecherin. Mit dem Programm der Landesregierung werde auch Männern mit untypischen Lebens- und Berufsbiografien der Zugang ermöglicht. So trügen unter anderem der Koch, Schreiner oder Vermessungstechniker mit ihren Kompetenzen zur Umsetzung pädagogischer Schwerpunkte bei.

Trotzdem müssen Männer nach Einschätzung von Experten noch mit wesentlichen Vorurteilen im Erzieherberuf kämpfen. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft für Kinder und Jugendhilfe werden männliche Fachkräfte immer noch „zumindest gedanklich häufig pauschal mit sexuellem Missbrauch in Zusammenhang gebracht“. Diesen Ängsten gelte es entgegenzuwirken, um Erzieher vor Verdächtigungen zu schützen. Hinzu komme, dass der Beruf der Erzieherin als typischer Frauenberuf gelte und die Entlohnung als zu gering eingeschätzt werde. Bianca Hinz (dpa)