• Massensterben bei den Bienen in Brandenburg: Fast die Hälfte der Bienenvölker überlebten Winter nicht

Massensterben bei den Bienen in Brandenburg : Fast die Hälfte der Bienenvölker überlebten Winter nicht

So ein großes Bienensterben gab es in Brandenburg seit zehn Jahren nicht mehr: Mehr als 40 Prozent der Bienenvölker hiesiger Imker sind gestorben. Und das hat Folgen.

Rochus Görgen
Brandenburger Bauern wollen die Imker unterstützen und sähen auf ihren Feldern Blühstreifen.
Brandenburger Bauern wollen die Imker unterstützen und sähen auf ihren Feldern Blühstreifen.Foto: P. Pleul/dpa

Teltow - Mehr als 40 Prozent der Bienenvölker Brandenburgs haben nach Angaben des Imkerverbands den Winter nicht überlebt. Die Hauptursachen seien die Varroamilbe, die Ausbreitung von Mäusen und der Klimawandel, sagte Verbandssprecher Holger Ackermann am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. "So ein großes Sterben hat es in Brandenburg seit mindestens zehn Jahren nicht mehr gegeben." Normal sei ein Verlust von etwa 10 bis 15 Prozent der Völker im Winter.

Brandenburger Imker hatten vor dem Winter noch 22.000 Bienenvölker 

Im Landesverband Brandenburgische Imker mit Sitz in Teltow sind rund 100 Vereine mit zusammen etwa 2000 Imkern organisiert, die die Imkerei überwiegend als Hobby oder Nebenerwerb betreiben. Sie hatten vor dem Winter zusammen rund 22 000 Bienenvölker. Im Mai oder Juni teilen sich viele Völker, so dass der Bestand auch bei Ausfällen aufrechterhalten bleibt. Bei mehr als 40 Prozent Verlust sei das aber in Gefahr, sagte Ackermann.

Viele Imker vernachlässigten die empfohlene Bekämpfung der Varroamilben mit Ameisensäure. Die Milben können Viren und Bakterien übertragen. Seit Bauern ihre Felder nicht mehr umgraben, sondern chemisch behandeln, habe auch das Problem mit Mäusen zugenommen, die in den Bienenstock eindringen. Zudem kämen die Bienen, die seit 125 Millionen Jahren praktisch unverändert auf der Welt verbreitet seien, nicht gut mit steigenden Temperaturen zurecht.

Bienen seien die wichtigsten Nutztiere

Der Imkerverband fordert von der Politik eine finanzielle Unterstützung beispielsweise für Bauern, die Grünstreifen für Insekten anlegten und dafür Flächen brach liegen ließen. Schließlich seien die Insekten die wichtigsten Nutztiere des Menschen. Ohne die Bestäubungsleistung der Bienen würden viele Obstsorten nicht wachsen.

Das Interesse an der Imkerei, das nach der Wende jahrelang sank, steige seit 2012 wieder, berichtete Ackermann. "Der Imkerverband verjüngt sich", sagte er. Problematisch sei aber, dass junge Imker meist nur mit zwei bis drei Völkern anfingen, während ältere mehr als 20 Völker abgäben, wenn sie ihr Hobby aufgäben. (dpa)