• Mahnende Worte des ukrainischen Botschafters: Landtag gedenkt der Opfer des Zweiten Weltkriegs

Mahnende Worte des ukrainischen Botschafters : Landtag gedenkt der Opfer des Zweiten Weltkriegs

Die NS-Verbrechen in der Ukraine sollten im Geschichtsunterricht stärker thematisiert werden, so Andrij Melnyk im Parlament. Er setzte sich auch für ein Mahnmal für ukrainische NS-Opfer ein.    

Yvonne Jennerjahn
Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland, sprach am Sonntag im Brandenburger Landtag.
Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland, sprach am Sonntag im Brandenburger Landtag.Foto: dpa

Potsdam - Der brandenburgische Landtag hat mit einer Gedenkstunde an die Befreiung vom Nationalsozialismus und das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 erinnert. Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk rief bei der Feier am 77. Jahrestag der deutschen Kapitulation die Bundespolitik dazu auf, in Berlin ein Mahnmal für die rund acht Millionen NS-Opfer aus der Ukraine, darunter mehr als 1,6 Millionen Juden, zu errichten. Dies wäre ein „wichtiges Zeichen der historischen Verantwortung“ und könnte ein Beitrag zur Versöhnung sein, sagte Melnyk am Sonntag im Parlament in Potsdam.

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.

Auch im deutschen Geschichtsunterricht müssten die NS-Verbrechen in der Ukraine stärker thematisiert werden, betonte Melnyk. Bis heute werde oft ausgeblendet, dass die Ukraine Hauptziel des NS-Eroberungs- und Vernichtungskriegs gewesen sei. Stattdessen hätten deutsche Politik und Gesellschaft lange die einstige Sowjetunion mit Russland gleichgesetzt. 

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk und seine Frau Svitlana zu Beginn der Gedenkveranstaltung im Brandenburger Landtag.
Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk und seine Frau Svitlana zu Beginn der Gedenkveranstaltung im Brandenburger Landtag.Foto: dpa

Es sei ein Teil der „gescheiterten Russland-Politik der vergangenen Jahrzehnte“ in Deutschland, dass das durch die NS-Verbrechen verursachte Leid in anderen Teilen der früheren Sowjetunion ebenso übersehen werde wie deren Anteil an der Befreiung Europas.

Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke und Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) betonten, der Ende Februar begonnene russische Ukraine-Krieg müsse beendet werden. Er richte sich auch gegen die Werte des Völkerrechts, Europas und der Demokratie, sagte Liedtke. Erneut seien Millionen Ukrainer Leidtragende eines verbrecherischen Angriffskriegs, sagte Woidke. Es müsse gemeinsam und entschlossen gehandelt werden.

Am 8. Mai 1945 wurde mit der bedingungslosen Kapitulation der NS-Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa offiziell beendet. Am 30. April 2015 fasste der brandenburgische Landtag den Beschluss, den 8. Mai als „Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa“ und Gedenktag in das Feiertagsgesetz des Bundeslandes aufzunehmen. Aus diesem Anlass lädt das Parlament jedes Jahr zu einer Feierstunde ein. Der offizielle Gedenktag wurde erstmals 2016 begangen. (epd)

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.