Brandenburg : Lenin im Garten

Soll der Sowjetführer wieder aufgestellt werden? Strausberg diskutiert über eine Statue

Lothar Heinke

Strausberg - In Berlin haben sie damals den Lenin demontiert, durch die Stadt gefahren und in einem Waldstück zerlegt und endgelagert. Im Kino hing der Genossen Wladimir Iljitsch Uljanow am Seil und flog durch die Luft, Good bye! – und in Strausberg schließlich fand der einstige sowjetische Revolutionsführer seine ewige Ruh“ auf einem Sandhaufen im Hof des Heimatmuseums. Da hatten sie ihn nach der Wende hingelegt, als der Leninplatz wieder zum Marktplatz geworden und der frühere Namenspatron in Ungnade und den tiefen Born der Historie gefallen war.

Nun aber regt sich Widerstand. Rüdiger Kramer, der Vorsitzende der Strausberger Grundorganisation der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), fordert in einem offenen Brief mit freundlichen Grüßen an den sehr geehrten Herrn Bürgermeister, das Denkmal im Stadtgebiet wieder aufzustellen, denn „die gegenwärtige Lagerung und der Zustand des Denkmals sind eine der Stadt unwürdige Verfahrensweise“. Außerdem sei das Standbild ein Geschenk der Garnison der Roten Armee gewesen (was die Stadt bestreitet), und schon dies verbiete es, den steinernen Sowjetführer „der Öffentlichkeit vorzuenthalten“.

Nun scheint, trotz PDS-Übermacht im Stadtparlament, die Strausberger Öffentlichkeit nicht so scharf auf einen Dauer-Lenin im Städtchen zu sein. Der (parteilose) Bürgermeister Hans Peter Thierfeld meint, man müsse sich der Sache „mit einem gesunden Wertebewusstsein“ nähern und „Dinge ehren, die auch einen aktuellen Bezug zur Stadt und zur fortgeschrittenen Zeit“ haben. Vielleicht freute sich irgendein historisches Museum oder ein Skulpturenpark, Strausberg jedenfalls habe nicht die Absicht, einen alten Lenin zu errichten. Und sich womöglich lächerlich zu machen, auch wenn der DKP-Genosse den 90. Jahrestag der Oktoberrevolution im kommenden November als guten Grund für Wladimirs Neo-Inthronisation in Stellung bringt. Den Einwand, dass doch gerade Lenins Periode lange vorüber sei, beantwortet der Genosse Kramer damit, dass ja schließlich „Bismarck auch noch überall herumsteht“ – er sehe einfach nicht ein, dass „Personen, an denen Millionen Menschen hängen und die viel für die Geschichte getan haben“, in Deutschland so schnöde behandelt werden sollen wie Lenin in Strausberg. Das Corpus delicti, ein zwei Meter hohes Standbild des 1984 verstorbenen Berliner Bildhauers Hans Kies, liegt also im Garten des Heimatmuseums und erinnert damit ein wenig an den einbalsamierten Lenin im Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau. Museumschefin Christa Wunderlich findet die stabile Rückenlage aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss: „Es sollte eine Einlagerung erfolgen, mit genauer Beschriftung. Aber keine Präsentation“. Das sieht der DKP-Mann ganz anders: „Ich würde das Denkmal sogar kaufen und dann aufstellen, vielleicht in meinem Vorgarten“. Das wäre ja noch schöner, sagen sie im Rathaus: Liegend immer, stehend nimmer!

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