• Landratswahl im Havelland: Wer kommt nach Burkhard Schröder?

Landratswahl im Havelland : Wer kommt nach Burkhard Schröder?

Seit mehr als 25 Jahren regiert in Brandenburg die SPD und genauso lange stellen die Genossen stets denselben Landrat im Havelland. Der zieht sich nun zurück - und der Kampf um seine Nachfolge ist offener denn je.

Klaus Peters

Rathenow - Seit der Wende hat Burkhard Schröder im Havelland als Landrat regiert - er konnte damit auf dieselbe Kontinuität setzen wie seine Brandenburger SPD im ganzen Land. Mit seinem Rückzug in den Ruhestand könnte es nun im Havelland zu einem politischen Erdbeben kommen. Denn die AfD wittert für die Direktwahl des neuen Landrats am kommenden Wochenende im Havelland Morgenluft, seit die Partei Anfang März bei der Landtagswahl im benachbarten Sachsen-Anhalt fast 25 Prozent holte.

SPD-Nachfolgekandidat Martin Gorholt zeigte auch schon Nerven: "Rechtsruck im Havelland verhindern!", lautete Mitte März der Appell des amtierenden Kulturstaatssekretärs an die Genossen. Denn direkt hinter der westlichen Kreisgrenze war die SPD bei der Landtagswahl mit rund 10 Prozent auf Platz vier der Parteien abgerutscht, während sich die AfD hinter der CDU auf Platz zwei setzen konnte. Und AfD-Landratskandidat Kai Gersch setzt unverhohlen auf einen Mitnahme-Effekt.

Das Havelland gilt als eine Hochburg rechtsextremer Umtriebe

"In diesem Landstrich glaube ich nicht, dass so eine Stimmung an der Grenze Halt macht", sagt Gersch. Er hat sich zum Ziel gesetzt, zumindest in eine Stichwahl zu kommen. "Und nachdem wir im Nachbarland so gut abgeschnitten haben, ist das schon realistischer, als noch vor drei Monaten." In der Flüchtlingsfrage, so glaubt Gersch, herrsche bei vielen Havelländern "eine andere Haltung als die, die von der offiziellen Politik verkauft wird".

Das Havelland gilt als eine Hochburg rechtsextremer Umtriebe. In Nauen wurde im vergangenen Sommer eine geplante Flüchtlingsunterkunft niedergebrannt, als Tatverdächtiger sitzt unter anderem der NPD-Kreistagsabgeordnete Maik Schneider in Haft. Ein rechtsgerichtetes "Bürgerbündnis Havelland" mobilisiert in der Kreisstadt Rathenow nahezu wöchentlich mehrere hundert Menschen zu Kundgebungen. "Da können auch Neonazis mitlaufen, Ordnungsdienste übernehmen und als Redner auftreten", hat Rechtsextremismus-Experte Joschka Fröschner vom Verein Opferperspektive beobachtet.

Immer wieder Übergriffe auf Parteibüros und Flüchtlingshelfer

Rechtsradikale marschieren auch immer wieder in Schönwalde-Glien auf die Straße. Und in Nauen sind neben der NPD die rechtsextremen Freien Kräfte Neuruppin-Osthavelland aktiv. Neun Angriffe auf Parteibüros hat Fröschner im vergangenen Jahr im Havelland gezählt, meist traf es die Linke, aber auch die SPD. Flüchtlingshelfern des Jugendvereins Mikado wurden die Reifen ihrer Busses zerstochen. "Und es gab eine Reihe von rassistisch motivierten Angriffen auf Flüchtlinge oder auf Menschen, die als solche wahrgenommen werden", berichtet Fröschner.

"Ein gutes Abschneiden der AfD würde das Bild im Havelland abrunden", fürchtet der SPD-Unterbezirksvorsitzende Gorholt. "Um das zu verhindern, müssen möglichst viele Bürger wählen gehen." Normalerweise liege die Beteiligung an Landratswahlen bei mageren 30 bis 40 Prozent. Dies könnte der AfD in die Karten spielen, die ihre Anhänger derzeit gut mobilisieren kann.

Tabubruch: Landrat Schröder geriet in die Kritik

Pikant ist für Gorholt aber auch, dass sein Parteifreund Schröder selbst kurz vor seinem vorzeitigen Rückzug durch ein Gespräch bei der AfD-Landtagsfraktion und lobenden Worten zu Aussagen der Partei in der Flüchtlingsfrage heftig in die Kritik geraten war.

Eine Stichwahl wird umso wahrscheinlicher, je mehr Kandidaten antreten. Und im Havelland schicken sieben Parteien, darunter auch die NPD, einen Mann oder eine Frau ins Rennen. Hinzu kommt ein Einzelbewerber. Mögliche Einigungen auf gemeinsame Vorschläge der Parteien scheiterten. Beobachter vermuten, dass sich am wahrscheinlichsten Gorholt in der Stichwahl im direkten Vergleich mit dem AfD-Kandidaten Gersch wiederfinden könnte, falls im ersten Wahlgang keiner eine Mehrheit findet. Oder der seit Schröders Rückzug amtierende Landrat Roger Lewandowski, der für die CDU antritt.

Grünen-Landeschefin Petra Budke sagt, die Sorge vor einem starken Ergebnis der AfD gebe es bereits seit der Landtagswahl im Landkreis Dahme-Spreewald. Dabei konnte sich im vergangenen Herbst der AfD-Kandidat Jens-Birger Lange direkt hinter dem siegreichen Landrat Stephan Loge (SPD) platzieren. "Ich persönlich glaube aber nicht, dass die AfD hier im Havelland ein Ergebnis wie in Sachsen-Anhalt haben wird", meint sie. "Die Leute hören auch darauf, was die Bundes-AfD sagt, wie Schießbefehl an der Grenze und diese ganzen islamfeindlichen Positionen." (dpa)

 

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