• Land reagiert auf Stiko-Empfehlung: Brandenburg stellt Impfzentren auf Kreuzimpfung um

Land reagiert auf Stiko-Empfehlung : Brandenburg stellt Impfzentren auf Kreuzimpfung um

Auf Astrazeneca soll ein mRNA-Vakzin gegeben werden. Immunisierte sind vom Lockdown künftig ausgenommen

Sabine Beikler Georg Ismar
Impfdosen der Hersteller  Biontech, Astrazeneca und Moderna (v.l.).
Impfdosen der Hersteller  Biontech, Astrazeneca und Moderna (v.l.).Foto: Marcus Brandt/dpa

Berlin / Potsdam - Bund und Länder wollen ab sofort die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) umsetzen, nach einer Erstimpfung mit Astrazeneca als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff (Biontech oder Moderna) zu verabreichen. Eine solche Kreuzimpfung schütze „noch besser vor Corona als die zweifache Impfung mit Astrazeneca“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach einer Konferenz mit den Gesundheitsminister:innen der Länder am Freitag in Berlin. Spahn forderte die Stiko auf, künftig besser mit dem Bundesgesundheitsministerium zu kommunizieren. So eine Empfehlung wie am Donnerstagnachmittag könne viele, die sich gerade impfen lassen wollen, verunsichern, sagte Spahn. Er selbst habe davon vorher nichts gewusst.

Nonnemacher kritisiert überraschenden Stiko-Rat

Auch Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) kritisierte, die Stiko-Empfehlung sei überraschend gekommen. Das Brandenburger Gesundheitsministerium kündigte an, das Buchungssystem in den Impfzentren schnellstmöglich umzustellen. Wer eine Erstimpfung mit Astrazeneca in einem Impfzentrum erhalten habe, solle seinen Zweitimpfungstermin behalten und werde vor Ort einen mRNA-Impfstoff für die Kreuzimpfung angeboten bekommen. Wer bei einem Hausarzt zweitgeimpft werde, solle die Verfügbarkeit vorher telefonisch abklären. Das Land sei „in der komfortablen Situation, dass wir genügend Impfstoffe von Biontech oder Moderna haben“, so Nonnemacher.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemachern (Grüne).
Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemachern (Grüne).Foto: Andreas Klaer

Wer bisher zweimal mit Astrazeneca geimpft wurde, soll wohl eine Auffrischimpfung erhalten. Spahn erwartet „hoffentlich bald“ eine entsprechende Empfehlung der Stiko, welche Gruppen eine dritte Impfung benötigten, oder ob es generell eine dritte Auffrischimpfung geben müsse. In den nächsten Tagen werden laut Spahn 2,4 Millionen Impfdosen von Astrazeneca an die Länder geliefert, insgesamt fünf Millionen Dosen werden zeitnah erwartet. Die zweite Impfung kann laut Stiko schon nach vier Wochen mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen. Somit könne eine „sehr, sehr gute Wirkung“ erzielt werden. Die Kombination von Astrazeneca und Biontech schütze „mindestens so gut wie Biontech/Biontech als Kombination“, betonte Spahn.

Lauterbach: Doppelt Geimpfte von Quarantäne ausnehmen

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte, dass die Impfstoffe auch gegen die grassierende Delta-Variante zu 95 Prozent schützten. „Daher sollten doppelt Geimpfte von der 14-Tage-Quarantäne ausgenommen werden“, betonte er mit Blick auf Rückkehrer aus Virusvariantengebieten wie Großbritannien, Portugal oder Russland. Diese Quarantäne kann bisher nicht verkürzt werden. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) betonte, sollte es noch mal einen Lockdown geben müssen, gelte der nicht für komplett Geimpfte - wissend, dass dies auch rechtlich kaum durchsetzbar wäre.

„Solange unsere Impfung sehr gut wirkt, kommt ja ein Lockdown zulasten derer, die vollständig geimpft sind, auch nicht infrage“, sagte er „MDR Aktuell“. In Deutschland wurden bereits 55,1 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft; 37,3 Prozent sind nach einer Zweitimpfung voll geschützt.

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