Kartoffeln : „Außen schön glatt und innen gelb“

Auf 8500 Hektar werden im Land Brandenburg in diesem Jahr noch Kartoffeln angebaut. Seit 1991 schrumpfte die Anbaufläche damit um drei Viertel.

Luise Poschmann

Mittenwalde - Flinke Hände in gelben Gummihandschuhen greifen unermüdlich nach den dicken Lehmklumpen. Es hat geregnet in den vergangenen Tagen, deshalb ist der Boden schlammig, und es sind fast so viel Erdbrocken wie Feldfrüchte auf dem Rüttelgitter des Kartoffelroders. Der Traktor auf dem Acker in Mittenwalde (Dahme-Spreewald) muss oft stoppen, damit die drei Frauen auf der Erntemaschine mit dem Aussortieren hinterherkommen.

Um kurz nach sechs Uhr morgens schauen die Helferinnen noch etwas müde drein. Erst vor wenigen Tagen hat die Ernte der frühen Kartoffelsorten in Brandenburg begonnen. Wenn im November die letzten Kartoffeln aus dem Acker geholt werden, haben sie sich sicherlich an die anstrengenden Arbeitszeiten gewöhnt.

„Es ist schwierig, Leute zu finden, die auf den Maschinen arbeiten“, sagt Agrarwirt Julius Gall, der bei der Märkischen Agrargenossenschaft Mittenwalde für die Kartoffelproduktion zuständig ist. „Solange wir noch Deutsche kriegen, beschäftigen wir sie“, sagt Gall. Doch über kurz oder lang werde der Betrieb nicht umhinkommen, auch Erntehelfer aus Osteuropa zu beschäftigen. „Die Leute, die tatsächlich kommen, sind meist zuverlässig“, sagt Gall. Doch besonders bei jenen, die das Jobcenter schicke, sei die Motivation oft gering.

Mit 330 Hektar Anbaufläche für Kartoffeln ist die Agrargenossenschaft einer der größten Produzenten in Brandenburg. Seit Jahren ist der Anbau der Feldfrüchte in der Mark rückläufig. Nach Angaben des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg sind 2012 auf insgesamt rund 8500 Hektar Kartoffeln angebaut worden. Das entspricht nur einem Viertel der Fläche, die noch in den frühen 1990er Jahren zur Kartoffelproduktion genutzt wurde.

„Kartoffeln sind in der Produktion relativ teuer“, erklärt der Experte für Ackerbau beim Landesbauernverband, Werner Franke. Jeder Schritt, von Ernte über Transport bis Lagerung, sei mit einem großen Aufwand verbunden. Zudem hätten sich die Ernährungsgewohnheiten der Menschen geändert, sagt Franke. Kaum einer würde noch Kartoffeln einlagern, sondern frische Ware kaufen. Und die müsse dann möglichst makellos sein. Dazu meint Gall trocken: „Außen schön glatt, innen gelb, und wie sie schmecken, ist den Leuten egal.“ Was das für den Produktionsprozess bedeutet, zeigt die Verarbeitung in der Lagerhalle der Agrargenossenschaft. Dort werden die Kartoffeln sortiert, gewaschen und poliert. Exemplare mit dunklen Flecken werden zu Viehfutter, selbst wenn nur die Schale verfärbt ist. Heute zählt nicht mehr, welcher Bauer die dicksten Kartoffeln produziert. Auch „Übergrößen“ wandern in den Futternapf.

Der Kartoffelanbau hat allerdings eine lange Tradition in Brandenburg. Gern wird in der Mark die Geschichte erzählt, wie Friedrich II. angeblich die Kartoffel nach Preußen holte und ihre Kultivierung durch die sogenannten „Kartoffelbefehle“ förderte. Bis heute legen Besucher am Potsdamer Schloss Sanssouci Kartoffeln auf dem Grab des Preußenkönigs ab. „Im Legendenschatz über Friedrich spielt die Kartoffel eine große Rolle“, erklärte kürzlich der Direktor des Hauses für Brandenburgisch-Preußische Geschichte, Kurt Winkler, anlässlich einer Ausstellung zu Friedrich und der Kartoffel in Potsdam.

Damals stärkte der Kartoffelanbau die kleinen Bauern und half, Hungersnöte zu vermeiden. Heute, im 300. Geburtsjahr des Preußenkönigs, ist die Feldfrucht im Vergleich zum Getreide ein relativ teures Nahrungsmittel, das nur mit großem Aufwand produziert werden kann. Zudem sind die Landwirte extrem vom Markt und den Verbrauchern abhängig. „Die Händler bestellen für jeden Tag einzeln“, erzählt Agrarwirt Gall. Bei gutem Wetter könnte schon einiges im Lager liegen bleiben. „In der Urlaubszeit werden hier in der Region einfach nicht so viele Kartoffeln gegessen.“ Luise Poschmann

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