• Judenfeindlichkeit in Brandenburg: 137 antisemitische Vorfälle in der Mark

Judenfeindlichkeit in Brandenburg : 137 antisemitische Vorfälle in der Mark

Mehr als die Hälfte aller Taten weist Bezüge zum Nationalsozialismus auf, nicht selten ist der politische Hintergrund aber nicht ganz klar.

Ein Davidsstern steht auf dem dem Grundstück gegenüber dem Potsdamer Filmmuseum. Hier soll die Neue Synagoge entstehen.
Ein Davidsstern steht auf dem dem Grundstück gegenüber dem Potsdamer Filmmuseum. Hier soll die Neue Synagoge entstehen.Foto: Carsten Koall/dpa

Potsdam - In Brandenburg sind Juden weiter nicht vor Anfeindungen sicher. Für das Jahr 2019 erfasste die Recherche und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Brandenburg 137 antisemitische Vorfälle. Die meisten Vorfälle (23) ereigneten sich in der Landeshauptstadt Potsdam, die wenigsten Fälle wurden in Potsdam-Mittelmark und Oder-Spree mit jeweils zwei Straftaten gezählt.

„Antisemitismus ist und bleibt in Brandenburg ein alltagsprägendes Problem, das belegen die Zahlen des Berichts“, sagte der Leiter der Fachstelle Antisemitismus, Peter Schüler, am Montag. 

Von den 137 von RIAS erfassten Vorfällen wurden 103 durch das Landeskriminalamt Brandenburg übermittelt. 49 Vorfälle kamen durch das RIAS-Monitoring hinzu. 15 Vorfälle als Schnittmenge zwischen RIAS-Monitoring und angezeigten Straftaten werden in der Gesamtrechnung nicht doppelt gezählt, sodass am Ende 137 Straftaten in die Statistik eingingen.

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Zwölf Vorfällen an Bildungseinrichtungen.

Ein Drittel der Vorfälle im Jahr 2019 sei durch RIAS Brandenburg dokumentiert, betont Dorina Feldmann, Mitarbeiterin der Fachstelle Antisemitismus in Trägerschaft des Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien der Universität Potsdam. „Nach einem Jahr konnte das Hellfeld in Brandenburg erheblich ergänzt werden. Viele antisemitische Vorfälle bleiben jedoch weiterhin im Dunkeln“, sagt Feldmann, die für das RIAS-Monitoring zuständig ist.

Elf Vorfälle richteten sich laut der Erhebung gegen Gedenkorte und Gedenkstätten, sechs gegen Synagogen oder Räumlichkeiten der jüdischen Gemeinden, eine Attacke galt einem jüdischen Friedhof. Hinzu kommen zwölf Vorfälle an Bildungseinrichtungen. Auch das Internet spielt eine Rolle: 16 judenfeindliche Taten fanden online statt. 

Jüdisches Leben zu fördern und zu schützen sei Pflicht

Registriert wurden 60 Fälle mit einem Einzeltäter, 18 Fälle wurden mehreren Tätern zugeordnet, in 59 Fällen wurden keine Angaben zu den Tätern gemacht. Mehr als die Hälfte der antisemitischen Vorfälle (54,7 Prozent) werden dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet. In 50 Fällen konnte der politische Hintergrund nicht eindeutig bestimmt werden. 
„Feststellungen, wie in der jüngsten Umfrage der Zeit, wonach die Hälfte der Deutschen einen ,Schlussstrich’ der Geschichte wünscht, machen deutlich, wie wichtig es ist, allen Formen von Antisemitismus entgegenzutreten“, sagt der Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums, Julius H. Schoeps.

Vergangene Woche hatte sich auch das Brandenburger Kabinett mit Antisemitismus befasst. Jüdisches Leben zu fördern und zu schützen, sei angesichts der deutschen Geschichte eine „Verpflichtung von historischem Ausmaß“, hatte Innenminister Michael Stübgen (CDU) betont. In Nachtragshaushalt stehen für den Schutz jüdischer Einrichtungen in diesem Jahr 520.000 Euro bereit. 


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