• Jetzt erst Maskenpflicht: Verspätete Corona-Abwehr in Regierungskantine in Brandenburg

Jetzt erst Maskenpflicht : Verspätete Corona-Abwehr in Regierungskantine in Brandenburg

In der Potsdamer Regierungskantine im Standort in der Tresckow-Straße gilt ab sofort die Maskenpflicht. Aber warum erst jetzt? 

Auf dem Regierungsareal in der Potsdamer Henning-von-Tresckow-Straße sitzen vier Ministerien. In der dortigen Kantine wird erst ab Donnerstag, dem 15. Oktober auf die Maskenpflicht geachtet.
Auf dem Regierungsareal in der Potsdamer Henning-von-Tresckow-Straße sitzen vier Ministerien. In der dortigen Kantine wird erst ab...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Potsdam - Ziemlich spät: Wie in Restaurants und Gaststätten der Landeshauptstadt Potsdam üblich gilt jetzt auch in der Kantine auf dem Regierungsstandort in der Henning-von-Tresckow-Straße eine Maskenpflicht. Und zwar ab Donnerstag, wie Ingo Decker, Sprecher des Finanzministeriums, am Mittwochabend mitteilte - auf eine Anfrage dieser Zeitung vom Dienstag.

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Warum erst jetzt? Auslöser der Anfrage waren Hinweise eines Lesers und Augenzeugen, der den PNN-Newsletter "Potsdam HEUTE" darauf aufmerksam gemacht hat, dass bislang ausgerechnet in der Regierungskantine auf dem Tresckow-Areal die sonst nach den Umgangsverordnungen des Landes geltenden Corona-Vorkehrungen nicht adäquat durchgesetzt werden - weder Maskenpflicht, noch Mindestabstände in Warteschlangen.

Kantine für Landesministerien, so für Gesundheit und Inneres

Das ist um so peinlicher, als genau diese Kantine von den Belegschaften von vier Ministerien genutzt wird, nämlich des Gesundheitministeriums, des Innenministeriums, des Infrastrukturministeriums und des Umwelt- und Verbraucherschutzministeriums, die alle auf dem Areal ihren Standort haben. Das  Gesundheitsministerium (Ministerin Ursula Nonnemacher, Grüne) und das Innenministerium (Minister Michael Stübgen, CDU) sind die mit dem Corona-Krisenmanagement in Brandenburg am meisten befassten Häuser. Auf dem Areal ist auch der Corona-Krisenstab des Landes angesiedelt. 

Die Anfrage dieser Zeitung, gestellt Dienstagnachmittag, verfehlte offenbar ihre Wirkung nicht. Es folgte Betriebsamkeit, um die Missstände zu beseitigen. 

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 "Das Finanzministerium hat den Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) unverzüglich gebeten, sich der Angelegenheit anzunehmen", erklärte Decker. "Dazu hat am heutigen Mittwoch ein Termin vor Ort stattgefunden, morgen wird dazu eine weitere Besprechung auf Arbeitsebene mit dem Pächter der Kantine stattfinden. Ab Donnerstag wird zudem in der Kantine eine Maskenpflicht gelten."  Nach  Darstellung des BLB und persönlicher Inaugenscheinnahme seien aber "nicht mehr Tische in der Kantine aufgestellt" worden, so Decker. "Zu Beginn der Pandemie wurden vielmehr Tische und Stühle in der Kantine reduziert, um die nötigen Abstände einzuhalten." Die meisten Gäste würden ihr Essen offenbar mit ins Büro nehmen. "Die Abstandflächen für die Warteschlange sind markiert, Desinfektionsspender stehen im Eingangsbereich", betonte Decker. 

Decker: "Essensgäste erwachsene und vernünftige Menschen"

Zu Schilderungen, dass man zu dicht stehe, erklärte der Ministeriumssprecher Folgendes: Unmittelbar wirksame Abhilfe bestehe darin, "dies fortan schlicht zu unterlassen." Decker, der vor seinem Wechsel ins Finanzministerium Sprecher im Innenministerium war, und die Gegebenheiten vor Ort kennt, schloss die Antwort mit einer persönlichen Bemerkung: "Ich kann auch aus eigener langjähriger Erfahrung durchaus noch bestätigen, dass die Essensgäste dort allesamt erwachsene und vernünftige Menschen sind, die sehr wohl in der Lage sein sollten, wochen- und monatelange gepredigte grundlegendste Vorkehrungen der Pandemieprävention zu beherzigen – so wie das im Übrigen in der Kantine der Staatskanzlei auch täglich geschieht, ohne dass es dazu irgendwelcher besonderer Maßnahmen und Vorkehrungen bedarf." Und: "Man darf auch in den Zeiten der Pandemie nicht unterschätzen, dass die zweckmäßige Anwendung des gesunden Menschenverstandes grundsätzlich eine recht gute und durchaus wirksame Vorkehrung gegen mancherlei Unbill und Gefahren in allen Lebenslagen darstellt – das gilt auch örtlich im Bereich des Potsdamer Verwaltungsstandortes Henning-von-Tresckow-Straße." Gleichwohl versicherte Decker: "Der BLB wird alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um die einschlägigen Bestimmungen der Corona-Umgangsverordnung des Landes auch in Kantinen der Regierungsstandorte durchzusetzen." Nach der für Donnerstag angesetzten weiteren Besprechung mit dem Pächter der Kantine werde er jedenfalls gegebenenfalls "noch einmal den Sachstand zur wirksamen Abwehr der Pandemiegefahr in den Kantinen der Landesverwaltung Brandenburg ergänzen."

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