• Interview | KVBB-Chef Peter Noack: "Wir bräuchten Hunderttausende Masken"

Interview | KVBB-Chef Peter Noack : "Wir bräuchten Hunderttausende Masken"

Peter Noack ist der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. Die PNN sprachen mit ihm über die Ausstattung der Ärzte während der Coronakrise.

Benjamin Lassiwe
Peter Noack ist der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg.
Peter Noack ist der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg.Foto: KVBB

Herr Noack, wie ist die Situation in Brandenburgs Arztpraxen zur Zeit?
Höchst angespannt. Wir bekommen fortlaufend Meldungen, dass die Kollegen am Netz sind, aber es fehlt an Materialien. 

Was fehlt genau? Was wird besonders benötigt? 

Das Schutzmaterial ist allgemein nicht mehr vorhanden. Es geht um Schutzbrillen, Masken und Kittel. Diese drei Sachen sind für uns am Dringendsten. Sie werden alle benötigt. Außerdem mangelt es an Desinfektionsmittel und der allgemeine Praxisbedarf ist nur schwer lieferbar. 

Am Samstag gab es eine Lieferung über 50.000 Masken. Wie viele brauchen Sie denn?  

Wir haben von den 50.000 Masken die Abstrichstellen und Abstrichzelte beliefert. Zusätzlich wollen wir die Praxen der Allgemeinmediziner, der HNO-Ärzte, der Kinderärzte und der Pulmulogen, also der Lungenfachärzte beliefern. Aber bei 50.000 Masken kriegt jeder nur zehn bis 15 Stück. Das reicht nicht. Wir bräuchten Hunderttausende.  

Foto: dpa
An Schutzmasken herrscht weiter ein großer Bedarf.Foto: dpa

Welche Rolle spielen die Hausärzte in der Krise? 

Die Hausärzte leisten derzeit einen unglaublich wichtigen Dienst. Wir können dafür nur dankbar sein. Dort gehen unzählige Anrufe von Patienten, die Klärungsbedarf haben, ein. Die Anruferzahl nimmt exponential zu. Die Leute wollen am Telefon beraten werden. Und die Haus- und Kinderärzte müssen irgendwie die Notwendigkeit einer Testung feststellen, das läuft im Großen und Ganzen auch. Dazu müssen die Praxen aber auch noch die Regelversorgung machen. Die Bereitschaft, zusätzlich in Abklärungsstellen mitzuarbeiten, ist groß. 

Man hört viel über Wartezeiten an der 11611. Wie ist dort im Moment die Lage? 

Es gibt eine unwahrscheinliche Dynamik im Anruferaufkommen. Von 4000 Anrufen pro Woche haben wir uns auf 6800 gesteigert. Wir sind bislang aber immer noch in der Lage die meisten Anrufe zu bedienen. 

Haben Sie Pläne, die Hotline zu verstärken?  

Wir bauen die Hotlines weiter aus: Wir werden Versammlungsräume hier bei uns in der Zentrale zu Telefonräumen erweitern. Studenten der Medizinischen Hochschule Brandenburg haben sich bereit erklärt, an den Hotlines mitzuarbeiten, dazu kommen pensionierte Kollegen. Dafür sind wir sehr dankbar! 

Wie stark werden die Abstrichstellen im Moment genutzt? 

Das ist regional sehr unterschiedlich. Echte Kenntnisse darüber haben wir nicht. 

Wann sind die Tests denn medizinisch nötig? 

Es ist so, wie es das Robert Koch-Institut derzeit vorgibt: Wenn man Symptome zeigt, Kontakt zu einem Risikopatienten hatte oder aus einem Risikogebiet zurückgekehrt ist. Wir machen weiter keine Wunschtestungen – denn das ist von der Kapazität her nicht zu schaffen. Die Labore laufen langsam zu.  

Man hört immer wieder Forderungen, dass eigentlich viel mehr getestet werden müsste. Wie stehen Sie dazu?  

Wenn die erforderlichen Kapazitäten und Materialien da wären, wäre das eine gute Sache. Das ist aber leider nicht so. 

Können alle Corona-Patienten im Land adäquat behandelt werden? 

Ich kann nur etwas für den ambulanten Bereich sagen: Da sind wir dran. Wer ambulant behandelbar ist, wird gut versorgt. Zum stationären Bereich kann ich nichts sagen.  

Wie bewerten Sie die Politik der Landesregierung? 

Wir arbeiten gut zusammen, aber die Erfolge sind mäßig. Wir haben ja eine erste Lieferung hinbekommen – die Landesregierung hat die Masken bestellt, die Logistik und Kosten haben wir übernommen. Wir können als KVBB aber nicht ewig die Kosten übernehmen. Die KVBB hat für so etwas eigentlich kein Geld, wir machen das nur aus Solidarität mit den Kollegen.  

Wie sieht es denn mit den Ärzten selber aus? Sind Mediziner schon Corona-Patienten geworden? 

Es gibt vereinzelt Praxisschließungen wegen Quarantäne. Wir haben da aber noch keine Übersicht. 

Wie schützen Sie sich denn persönlich? 

Wir haben die Praxis umgebaut. Die Stühle sind entzerrt, wie es vorgeschrieben ist. Wir haben in den Sprechzimmern den Kontakt zwischen Arzt und Patient reduziert. Ich schütze mich selber per Mundschutz – das ist aber keine Garantie, dass man sich nicht trotzdem infiziert. Aber weil ich keine FFP2-Atemschutzmasken habe, trage ich als Chirurg eben eine OP-Maske. Und draußen an der Anmeldung habe ich zum Schutz der Mitarbeiterinnen, die dort arbeiten, am Wochenende selbst einen Schutz aus Plexiglas aufgebaut.  

Haben Sie Angst vor dem Corona-Virus? 

Ja. Ich habe Angst auch um meine Familie.

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