• Interne Mail offenbart Flügelstreit in der AfD: Gauland warnt: Die AfD „vermerkelt“

Interne Mail offenbart Flügelstreit in der AfD : Gauland warnt: Die AfD „vermerkelt“

Brandenburgs AfD-Landeschef geht nach dem Bremer Bundesparteitag in Opposition zu Co-Parteichef Lucke. In einer vertraulichen E-Mail fordert Gauland, den "rechten Flügel" zu stärken - und greift dabei zu Weltkriegsrhetorik

Alexander Fröhlich
Bernd Lucke, Parteichef der AfD, und Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der Partei im brandenburgischen Landtag.
Bernd Lucke, Parteichef der AfD, und Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der Partei im brandenburgischen Landtag.

Potsdam - Nach dem Bremer Parteitag der AfD am vergangenen Wochenende, bei dem sich Co-Parteichef Bernd Lucke mit seinen Reformplänen zur Verschlankung der Führungsspitze durchgesetzt hatte, hat Brandenburgs AfD-Chef Alexander Gauland einen „Kampf um die Seele der Partei“ und für einen stärkeren Rechtskurs angekündigt.

Gauland warnt enttäuschte AfD-Mitglieder vor Austritt

In einer internen E-Mail an enttäuschte AfD-Mitglieder in Brandenburg warnt Gauland, der auch Vize-Sprecher der Bundespartei ist, vor Austritten. In der Mail, die den PNN vorliegt, spricht sich Gauland zugleich indirekt gegen den Kurs von Lucke aus und vergleicht seinen Parteichef mit Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. „Der Kampf um die Seele der Partei ist nicht entschieden“, schreibt Gauland in der am Donnerstag verfassten Mail. „Wer austritt, kann nicht mehr verhindern, dass die Partei ,vermerkelt‘.“

"Macht den rechten Flügel stark"

Dabei greift Gauland auch auf Kriegsrhetorik aus dem Deutschen Kaiserreich zurück. Wörtlich schreibt er: „Deshalb beherzigt das alte Schlieffen-Motto und macht den rechten Flügel stark.“ Gauland bezieht sich dabei auf den Schlieffen-Plan, benannt nach Alfred Graf von Schlieffen, zum Angriff Frankreichs. Dabei sollten die meisten Truppen des Kaiserreichs über den „rechten Flügel“ den Festungsgürtel der französischen Truppen umgehen und in die Zange nehmen.

Brandenburgs AfD-Chef steht für den national-konservativen Flügel der AfD

Wie berichtet hatte Lucke am Wochenende beim Parteitag erfolgreich die Machtfrage gestellt. Der Parteitag billigte seinen Vorschlag, dass die AfD bis Herbst von zwei und danach von einem Bundesvorsitzenden geführt wird. Bisher hat die AfD neben Lucke zwei weitere gleichberechtigte Sprecher, die sächsische Landtagsabgeordnete Frauke Petry und den Publizisten Konrad Adam. Lucke, Mitbegründer der AfD, die bei den Europawahlen mit ihrer Euro-Kritik punktete, mahnte mit Blick auf den rechtskonservativen Ruf der AfD: „Unser Erfolg ist damit verbunden, welches Ansehen wir in der Mitte der Gesellschaft genießen und nicht an den Rändern.“

Gauland dagegen gilt als Wortführer des erstarkenden national-konservativen AfD-Flügels und steht in seiner Partei für den umstrittenen Schulterschluss mit der Anti-Islam-Bewegung Pegida. Jüngst hatte er einen Einwanderungsstopp für Menschen aus arabischen Länder gefordert. In Brandenburgs Landtag hatte sich die Tonlage zwischen AfD und den übrigen Fraktion deutlich verschärft. SPD-Fraktionschef Klaus Ness sagte etwa über Gauland: „Mir reicht es langsam, wie unter dem Deckmantel des Bildungsbürgers im Tweed-Jackett rassistische Propaganda mobilisiert wird, akzeptiert wird und höhere Weihen gegeben werden." Gauland wurde zudem Aufwiegelung gegen Muslime und Volksverhetzung vorgeworfen. Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Ursula Nonnemacher, hatte bereits im Dezember bei einem Eklat im Landtagsplenum gesagt: „Herr Gauland, sie sind der Brandstifter. Sie sind derjenige, der das Klima in unserem Land vergiftet."


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