• Innovation aus Brandenburg: Bio-Windeln, die sich selbst auflösen

Innovation aus Brandenburg : Bio-Windeln, die sich selbst auflösen

Dominic Franck aus Brandenburg will die erste komplett kompostierbare Bio-Windel auf den Markt bringen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Ergebnis stundenlanger Recherche. Existenzgründer Dominic Franck mit seiner modifizierten Kartoffelstärke. Spätestens Anfang kommenden Jahres will der Schweizer Chemiker aus Mühlenbeck im Kreis Oberhavel seine erste fertige „Fairwindel“ präsentieren.Alle Bilder anzeigen
Foto: Matthias Matern
10.08.2015 22:40Ergebnis stundenlanger Recherche. Existenzgründer Dominic Franck mit seiner modifizierten Kartoffelstärke. Spätestens Anfang...

Mühlenbeck - Andere Firmengründer programmieren raffinierte Softwarelösungen für die Gesundheitswirtschaft oder entwickeln ausgeklügelte Konzepte für die Prozessoptimierung in großen Unternehmen, Dominic Francks Idee ist so alltagsbezogen wie überfällig: Der 36-jährige Schweizer aus Mühlenbeck im Landkreis Oberhavel will die erste zu hundert Prozent abbaubare Bio-Windel auf den Markt bringen – erdölfrei, unparfümiert und entzündungshemmend. „Ausschlaggebend war eigentlich der ökologische Gedanke. Immer wieder stand ich zu Hause vor dem vollgestopften Mülleimer und dachte: Das muss doch auch anders gehen“, sagt Franck, Vater zweier Töchter, die eine vier Jahre und die andere 13 Monate alt. Gerade erst hat der promovierte Chemiker seine „Fairwindel“ beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) präsentiert und dabei den dritten Platz belegt.

Alternativen zur Einwegwindel haben nicht überzeugt

Natürlich hat Franck beim Trockenlegen seiner Kinder alle bislang gängigen Alternativen zur herkömmlichen Einwegwindel durchaus in Betracht gezogen. Doch egal ob Stoffwindel oder bereits auf dem Markt angepriesene Bio-Windel – zufriedengestellt haben sie ihn alle nicht. „Wir haben im Freundeskreis ein Paar, das Stoffwindeln nutzt. Uns war der Aufwand einfach zu groß. Außerdem wird auch durch das viele Waschen die Umwelt belastet“, sagt der Existenzgründer. Die bislang angebotenen Bio-Einwegwindeln dagegen würden sich bei genauerer Betrachtung als Mogelpackung erweisen, meint Franck. Bei denen sei zwar in der Regel die Windelhose aus Maisstärke und damit komplett abbaubar, aber der der Saugkern bestehe weiterhin aus Erdölerzeugnissen. Dabei würden wie für die herkömmlichen Einwegwindeln aus Erdöl Moleküle hergestellt, sogenannte Polyacryl-Polymere, die die Flüssigkeit in sich aufnehmen, erläutert Franck. Immerhin bis zu 200 Milliliter Rohöl steckten in einer solchen Windel. „Mein Ziel ist es aber, eine komplett kompostierbare Windel herzustellen. Da sind Polyacrylate einfach ein Stein im Weg.“

Neben seiner eigentlichen Arbeit als Entwicklungsleiter eines Medizintechnikherstellers hat Franck nach Feierabend Stunden bei der Recherche nach Alternativen zum Saugkern auf Erdölbasis verbracht. Die Lösung, auf die er dabei gekommen ist, ist so einfach, dass man sich fragt, warum noch kein anderer darauf gekommen ist. „Modifizierte Kartoffelstärke“, sagt der Erfinder und schüttet ein wenig von dem weißen Pulver aus einer kleinen Plastiktüte auf eine Untertasse. Danach kippt er einen Schluck Wasser hinzu. Innerhalb kürzester Zeit hat das Pulver das Wasser gebunden. Zurück bleibt ein breiiger Klumpen. „Der Saugkern auf Erdölbasis bindet im Schnitt 40 Gramm Wasser pro ein Gramm Absorbermaterial. Ich bin jetzt bei 30 bis 35 Gramm. Da geht noch was“, sagt Dominic Franck optimistisch.

Fairwindel kommt gut an

Dass seine „Fairwindel“ beim Businessplan-Wettbewerb so gut ankommt, hätte der Firmengründer nicht gedacht. „Ich war total überrascht.“ Das Feedback der Juroren sei absolut motivierend gewesen, die Tipps, was man noch besser machen könnte, absolut hilfreich, findet Franck. Weniger begeistert von seiner Idee war dagegen sein derzeitiger Arbeitgeber. „Gleich am Montag nach der Preisverleihung habe ich meinem Arbeitgeber meine Absichten offenbart.“ Die Folge war, dass Franck kündigte. Für ihn aber offenbar kein allzu großer Verlust, auch seine Frau habe ihn bei seiner Entscheidung unterstützt. „Unter dem Strich bin ich zufriedener als vorher. Ich habe einfach gemerkt, dass ich nicht so der klassische Angestellte bin.“ Schon seit mehreren Jahren ist der Wahlbrandenburger Mitglied in einem Gründernetzwerk, betreibt ein entsprechendes Portal.

Entsprechend will Franck seine Windel nicht nur selbst fertig entwickeln, sondern später auch in Eigenregie vermarkten und verkaufen. Bislang existiert sie nur als Idee und als weißes Pulver in einer Plastiktüte. Anfang 2016 will er die erste fertige „Fairwindel“ präsentieren. Dabei helfen soll der Windelhersteller RAD Medical GmbH aus Niederwerbig (Potsdam-Mittelmark), vormals Riboth. Schon im vergangenen Jahr hatte Franck dem Unternehmen seine Idee vorgelegt. „Die Firma war sehr interessiert und hat zugesagt, mich bei der Entwicklung des Prototypen unterstützen zu wollen.“