Brandenburg : IM machte Werbung für Vattenfall

Der Journalist Gerhard Fugmann, der zu DDR-Zeiten als IM "Erich Fuchs" seine Kollegen bespitzelt haben soll, schrieb für das Vattenfall-Gratismagazin "Struga".

Alexander Fröhlich
Nicht wegen des Braunkohlekraftwerkes in Jänschwalde steht Vattenfall gerade in der Kritik.
Nicht wegen des Braunkohlekraftwerkes in Jänschwalde steht Vattenfall gerade in der Kritik.Foto: Patrick Pleul/dpa

Potsdam – Der Energiekonzern Vattenfall gerät mit seiner Kampagne für neue Braunkohletagebaue in der Lausitz selbst ins Zwielicht. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, nutzte Vattenfall für seine Öffentlichkeitsarbeit die Dienste eines früheren inoffiziellen Mitarbeiters des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Konkret geht es um das von Vattenfall vertriebene Gratismagazin „Struga“, in dem über den geplanten neuen Tagebau Nochten II berichtet wird. Verantwortet wird das Magazin von dem Journalisten Gerhard Fugmann, der laut „Spiegel“ einst Redakteur der „Lausitzer Rundschau“ war und zu DDR-Zeiten als Stasi-IM mit dem Decknamen „Erich Fuchs“ seine Kollegen bespitzelt haben soll. Fugmann habe sich nicht zu seiner früheren Stasi-Tätigkeit äußern wollen, berichtet der Spiegel. Vattenfall will dem Bericht zufolge nichts von der Stasi-Mitarbeit des Autors gewusst haben. Fugmann habe aber angeboten, die Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern zu beenden.

Wie der „Spiegel“ weiter berichtet, sei für Vattenfall für die Zusammenarbeit bisher Fugmanns „nachgewiesene journalistische Qualität“ ausschlaggebend gewesen. Daran lassen einige vom Spiegel zitierte Passagen aus Fugmanns Beiträgen zur Klimapolitik der Bundesregierung zumindest Zweifel aufkommen. Der Klimawandel vollziehe sich zwar, schreibt Fugmann demnach, „doch nach Regeln der Natur“. Weiter zitiert das Nachrichtenmagazin Fugmann mit den Worten: Es erscheine ihm „etwas kurz gegriffen“, durch eine Energiewende in Deutschland „abgeholzte Urwälder in Südamerika“ oder „Klimaexperimente im Weltall“ ausgleichen zu wollen.

Die Braunkohleverstromung ist umstritten, weil dabei besonders viel Klimagas Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen wird. Vattenfall plant derzeit fünf neue Tagebaue in der Lausitz. Für die Tagebaue Welzow-Süd II und Nochten II sind die Braunkohleverfahren weit fortgeschritten, für Jänschwalde-Nord noch im Anfangsstadium. Mehrere Dörfer müssten dafür abgebaggert werden, mehrere Tausend Menschen sind betroffen. Bei den Plänen für Welzow-Süd II geriet Vattenfall zuletzt in Erklärungsnot. Beim Beteiligungsverfahren im Sommer gab es mehr als 120 000 Unterschriften gegen den neuen Tagebau. Die von Lausitzer Wirtschaftsverbänden und der Bergbau-Gewerkschaft IG BCE initiierte Kampagne für den Tagebau bekam nur die Hälfte der Unterschriften. axf

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