• Im Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow rumort es: Impfvordrängler in christlicher Klinik

Im Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow rumort es : Impfvordrängler in christlicher Klinik

Während Senioren tagelang für Impftermine telefonierten, kürzten Privilegierte im christlichen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow den Weg zur Spritze ab.

Zum verstärkten Impfen kam es laut Kliniksprecher, da aus einer Ampulle sechs statt fünf Impfungen gewonnen werden konnten.
Zum verstärkten Impfen kam es laut Kliniksprecher, da aus einer Ampulle sechs statt fünf Impfungen gewonnen werden konnten.Foto: dpa

Teltow/Ludwigsfelde - Während sich Anfang des Jahres zehntausende Senioren in Brandenburg die Finger wund wählten, um einen Corona-Impftermin zu ergattern, gab es im christlichen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow offenbar einige Privilegierte, die den Weg zur Spritze abkürzten. Entsprechende Mitarbeiterhinweise räumte der Betreiber ein, die Stiftung Evangelische Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin. 

Unter anderem soll demnach ein Notfall-Chefarzt auch seine Frau und seine jugendliche Tochter außer der Reihe zum Impftermin mitgebracht haben. Dazu teilte Stiftungssprecher Alexander Schultz auf Anfrage mit: "Die Impfung von Familienangehörigen war weder vorgesehen noch wird sie gebilligt." Es handele sich um einen Einzelfall, "den wir bedauern". Kenntnisse von weiteren Fällen dieser Art habe man nicht. 

Angebliche Vorbildfunktion des Chefs

Mitarbeiter hatten sich jüngst an die PNN gewendet: Es habe mehrere Abweichungen in dem Krankenhaus von der Impfreihenfolge gegeben. Unter anderem habe sich auch der Chef des Hauses, Karsten Bittigau, als einer der Ersten impfen lassen - aus Sicht der Mitarbeiter mit der vorgeschobenen Begründung einer "angeblichen Vorbildfunktion". 

Auch weitere Mitglieder aus der Klinikverwaltung seien bevorzugt worden. Das aus ihrer Sicht egoistische und asoziale Verhalten habe viele Kollegen, die täglich das Leid der Coronapatienten erleben müssten, fassungslos gemacht, hieß es von den Mitarbeitern - auch mit Verweis auf den kirchlichen Hintergrund des Hauses. 

"Einzelne Fehler nicht ausgeschlossen"

Betreibersprecher Schultz erklärte: "Dass in der Anfangsphase vereinzelte Fehler unterlaufen sind, kann nicht ausgeschlossen werden." Erhebliche Abweichungen bei der Impfreihenfolge habe es aber nicht gegeben. So erinnerte der Sprecher an die ersten beiden Prioritätsstufen: Zunächst sollten anfangs eben Mitarbeitende geimpft werden, die unmittelbar an der Patientenversorgung beteiligt sind - und dann jene, die in und für die Krankenhausinfrastruktur tätig sind - also der Verwaltung. 

Letztere Gruppe sei mit Resten, die sonst verfallen wären, geimpft worden. So hätte Anfang Januar teils 20 Prozent mehr Impfstoff zur Verfügung gestanden, weil man aus einer Ampulle des Impfstoffs von Biontech sechs statt fünf Dosen entnehmen konnte. "Es wurde im Haus an den Impftagen sogar dafür geworben, sich noch spontan zu melden", so Schultz. 

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Ferner habe damals auch noch eine verbreitete Skepsis gegen die neuartigen Impfstoffe geherrscht, auch bei medizinischem Personal. Daher habe damals der Vorstand des Unternehmensverbundes, zu dem das Ludwigsfelder Krankenhaus gehört, einen Aufruf gestartet, sich impfen zu lassen. 

Zu einzelnen Impflingen, die auch Patienten seien, könne man keine Angaben machen - wer also aus der Spitze des Krankenhauses alles profitierte, ist offen. Auch Details zu Zahlen geimpfter Mitarbeiter aus der Verwaltung wurden nicht genannt. "Alle, die ihre Bereitschaft erklärt hatten, sind auch geimpft worden", sagte der Sprecher. 

Eine bundesweite Debatte

Bundesweit werden seit Wochen immer wieder Berichte über Impfvordrängler bekannt. So hatten vorgezogene Impfungen für Kommunalpolitiker, den Augsburger Bischof oder Angehörige von Pflegeheimpersonal für Verärgerung und Fragen gesorgt. Unter anderem gegen den Oberbürgermeister der Saale-Stadt Halle wird auch von der Staatsanwaltschaft ermittelt, gegen den Rathauschef von Cottbus, Holger Kelch (CDU), wurde Strafanzeige gestellt.  

In Ludwigsfelde gibt es keine Konsequenzen. "Einen Straftatbestand, der hier erfüllt wäre, können wir nicht erkennen. Auch eine Bußgeldbewährung gibt es nicht", sagte der Betreibersprecher. Die Diskussion, ob in die Impfordnung des Bundes ein Ordnungswidrigkeitenkatalog aufgenommen werde, sei bisher nicht abgeschlossen. 

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.