Brandenburg : Hollywood in Woltersdorf

Auf dem Kranichsberg Filmgeschichte erleben

Beim Aussichtsturm am Gipfel des Kranichsberges ist auch der Weg das Ziel: In den Ecken und Nischen des hölzernen Bauwerks liegt allerlei exotisch anmutender Zierrat von alten Gebäuden. Die Fresken und Ornamente sind Überbleibsel der Woltersdorfer Karriere als „Hollywood der Stummfilmzeit“. Vor gut 100 Jahren entstanden am damals unbebauten Westufer des Kalksees riesige Kulissen für Filme in scheinbar exotischem Ambiente. Nachdem das Gelände wegen seiner Wüstenähnlichkeit ab 1912 für „Herrin der Welt“ genutzt wurde, entstanden bald darauf fantasievolle Bauten etwa für den „Tiger von Eschnapur“. Der Zirkus Sarrasani lieferte die Tiere; die Krokodile beispielsweise schwammen in dem heute verlandeten Teich in Woltersdorf. Zu den Exponaten der Ausstellung im Turm gehört auch eine Postkarte, die die mehr als 20 Meter hohen Prunkbauten für „Das Indische Grabmal“ (192) in der Landschaft zeigt.

Ende der 1920er Jahre begann der Niedergang der Filmstadt – und der Aufstieg von Babelsberg mit seinen modernen Studios. Einige Kulissen holte sich Arthur Fischer, der Hofmaler des letzten Kaisers, in sein ebenfalls exotisches Anwesen auf der anderen Seeseite. Die Herrschaft der Nazis trieb Fischer aus dem Land; seine Villa verfiel und wurde in den 1960ern abgerissen. Geblieben sind ein paar auch von außen sichtbare Kulissenreste auf dem Gelände am Seebad Rüdersdorf: ein Pavillon, Säulen und Kolonnaden. obs