• Handel in Brandenburg: Unternehmen erwarten Umsatzeinbußen und Insolvenzen

Handel in Brandenburg : Unternehmen erwarten Umsatzeinbußen und Insolvenzen

Durch die Corona-Krise sind die Brandenburger kaum in Einkaufslaune. Die Unternehmer spüren das deutlich - auch eine neue Lockerung ab Wochenende wird wohl wenig bringen.

Christina Spitzmüller
Einkaufen auf der Brandenburger Straße in Potsdam.
Einkaufen auf der Brandenburger Straße in Potsdam.Foto: Soeren Stache/dpa

Potsdam - Geschäftstreibende im Westen Brandenburgs erwarten wegen der Corona-Krise heftige Umsatzeinbußen. Jedes fünfte Unternehmen rechnet für 2020 mit weniger als der Hälfte des normalen Umsatzes. Das teilte die Industrie- und Handelskammer Potsdam am Freitag nach einer Umfrage unter 260 Unternehmern mit. Insgesamt erwarten demnach drei von vier Unternehmen Umsatzrückgänge für das Gesamtjahr. Vor allem im Reise- und Gastgewerbe sei die Lage prekär: 40 Prozent der Betriebe fürchten demnach eine Insolvenz.

Etwa jedes dritte Geschäft hat demnach nur noch halb so viele Kunden wie üblich, jeder zehnte Laden sogar fast gar keine Kundschaft. Laut der Umfrage ändert aber jeder vierte Betrieb sein Geschäftskonzept, um in der Krise andere Kundengruppen und Absatzmärkte zu erreichen.

Am Freitag nutzten nach Angaben des Handelsverbands Berlin-Brandenburg einige Berliner den Feiertag, um in Brandenburger Geschäften einzukaufen. In Potsdam und anderen Städten direkt um Berlin sei das ab mittags etwas stärker zu spüren gewesen. „Die Kundenfrequenz war etwas weniger schlecht als sonst“, sagte Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen.

Der Verband rechnet nicht mit einem großen Ansturm, wenn in Brandenburg ab Samstag auch Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern Fläche wieder öffnen dürfen. „Wir machen uns da keine falschen Hoffnungen. Das Interesse, die Bereitschaft, die Motivation in der Bevölkerung, Geld auszugeben, ist gerade sehr gering“, sagte Busch-Petersen. Auch der übrige Einzelhandel sei bislang mit einer „sehr geringen Frequenz“ in den Verkauf gestartet. Zusätzlich mache sich bemerkbar, dass es derzeit keinen Tourismus gebe.

Dennoch sei es wichtig, dass die „willkürliche Grenzziehung“ von 800 Quadratmetern nun aufgehoben sei, sagte Busch-Petersen. Die Regel habe viele mittelständische Unternehmen wie Möbel- oder Warenhäuser sowie große Elektronik-Fachmärkte in Brandenburg betroffen. Geschäfte mit einer Fläche von bis zu 800 Quadratmetern durften bereits vor gut zwei Wochen wieder öffnen.

Auch die IHKs im Land hatten das Kippen der Regelung zuvor begrüßt. Sie forderten aber zusätzlich eine „flexible Handhabe bei den Sonntags- und Feiertagsöffnungen“. Das gebe den Händlern die Möglichkeit, einen Teil der entfallenen Einnahmen wieder reinzuholen.

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(dpa)

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