Haasenburg-Skandal : Teure Problemkids

Die Erfolgsquote der umstrittenen Haasenburg-Heime liegt bei 50 Prozent, doch die Kosten sind hoch.

Alexander Fröhlich

Potsdam - Tagessätze von 300 bis 500 Euro, eine Erfolgsquote von 50 Prozent: Die Bilanz für die drei Kinder- und Jugendheime der Haasenburg GmbH in Brandenburg, die wegen Misshandlungsvorwürfen in der Kritik stehen, fällt zwiespältig aus. Nachdem Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch (SPD) den Belegungsstopp nach Misshandlungsverwürfen teilweis gelockert hat, gab sie am gestrigen Freitag im Bildungsausschuss des Landtags neue Erkenntnisse über den Heimbetreiber bekannt.

So sind die Jugendämter aus dem gesamten Bundesgebiet, die schwierige Jugendliche in die geschlossene Unterbringung bei der Haasenburg einweisen, nach Angaben von Münch grundsätzlich zufrieden mit der Haasenburg. Das ist das Ergebnis eines Fachgesprächs vor zwei Wochen. „Es wurde ein nüchternes, aber positives Fazit gezogen“, sagte die Ministerin. Es sei bei der Unterbringung der Jugendlichen korrekt und vorbildlich verfahren worden. „Kein Jugendamt hat von bedenklichen Mängeln berichtet. Die Arbeit der Haasenburg wird als korrekt und vorbildlich beschrieben“, sagt Münch. Allerdings sei das „enge Setting in der Eingangsphase an wechselnden Zuständigkeiten und der breiten Zielgruppe“ kritisiert worden.

Die Feststellung ist bemerkenswert, denn die meisten Misshandlungsvorwürfe beziehen sich genau auf die mehrwöchige Eingangsphase, wenn die Jugendlichen in die Haasenburg eingewiesen werden. Es geht um die von Gerichten angeordnete geschlossene Unterbringung von schwierigen Jugendlichen. In der Haasenburg sollen Kinder drangsaliert, übermäßig hart behandelt und stundenlang fixiert worden sein. Der Betreiber bestreitet das. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Eine unabhängige Untersuchungskommission prüft im Auftrag des Bildungsministeriums die Vorwürfe und will bis Jahresende Ergebnisse vorlegen.

Münch räumte nach den Gesprächen mit den anderen Jugendämtern ein, dass für diese die Haasenburg oft die letzte Option ist, wenn anderen Einrichtungen die Aufnahme abgelehnt haben. Die Haasenburg aber lehne kaum einen Jugendlichen ab. Dort seien die hoffnungslosen Fälle untergebracht, deshalb würden auch die hohen Kostensätze von den Jugendämtern akzeptiert. „Ob die Haasenburg die geeignete Einrichtung für alle Fälle ist, ist fraglich“, sagte Münch.

Wie berichtet bleibt der Belegungsstopp für die drei privaten Kinder- und Jugendheime der Haasenburg GmbH in Brandenburg nur teilweise erhalten, für ein Heim wurde er unter verschärften Auflagen aufgehoben. Das hat Jugendministerin Martina Münch (SPD) kurz vor Ablauf des Anfang Juli verhängten Belegungsstopps entschieden. Hinweise auf eine akute Kindeswohlgefährdung lägen weiter nicht vor, sagte Münch.

Ein Vertreter der Haasenburg kündigte an, gegen die Einscheidung vorzugehen. Bereits gegen den Anfang Juli erteilten Belegungsstopp hatte die Haasenburg vor dem Verwaltungsgericht Cottbus geklagt. Das Verfahren wurde aber auf Eis gelegt, um die nun erfolgte Entscheidung des Ministeriums abzuwarten.

Die Fraktionen von FDP und Grünen dagegen fordern von Münch ein härteres Vorgehen. Ihr Antrag für einen kompletten Belegungsstopp, bis die Misshandlungsvorwürfe ausgeräumt sind, fiel im Jugendausschuss aber durch. Münch erklärte, dass sie das Ansinnen verstehen könne, ihr jedoch rechtlich die Hände gebunden seien.

Auch die Linksfraktion fordert eigentlich eine Aussetzung der Betriebserlaubnis, bis die Misshandlungsvorwürfe geklärt sind. Zwei von drei Abgeordneten enthielten sich jedoch bei der Abstimmung. Lediglich die Bildungspolitikerin Gerrit Große stimmte mit FDP und Grünen, sie lehnt das Konzept der Haasenburg ab. „Ich habe ein tiefes Misstrauen in die Philosophie der Einrichtung. Persönlichkeiten zu brechen ist verhaltenstherapeutisch nicht auf dem neuesten Stand“, so Große. „50 Prozent Erfolgsquote, das ist ein hoher Prozentsatz angesichts dessen, was der Träger an Finanzierung bekommt für etwas, das stattzufinden hat, wovon wir ausgehen, dass es nicht stattfindet.“ Gemeint ist eine intensivpädagogische Betreung. Selbst in Brandenburg würden einige Jugendämter wegen mangelnder Transparenz die Zusammenarbeit mit der Haasenburg ablehhen. Münch dagegen bezeichnet die Quote als bemerkenswert, „wenn man bedenkt, welche Stationen die Jugendlichen durchlaufen haben und die Haasenburg die letzte Station ist.“

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