Brandenburg : Grüner wird’s nicht: Freude geht

Kein offizieller Abschied für Naturschutzinstanz

Ausgebotet. Matthias Freude war die Stimme des Naturschutzes.
Ausgebotet. Matthias Freude war die Stimme des Naturschutzes.Foto: P. Pleul/dpa

Potsdam - Er gilt als Institution für den Naturschutz in Brandenburg. Und es war schon länger um ihn auffällig still geworden. Nun geht Matthias Freude, 65, der langjährige Präsident des Landesumweltamtes, bekannt geworden als Krisenmanager auf den Deichen bei den Jahrhunderthochwassern an Oder und Elbe, in den Ruhestand. Er hat das Alter erreicht. Die Umstände seines Ausscheidens sind dennoch ungewöhnlich. Denn eine offizielle Verabschiedung durch die Landesregierung oder Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) ist nicht vorgesehen, bisher. Deshalb übernehmen das die Naturschutzverbände des Landes und die Heinz-Sielmann-Stiftung an diesem Freitag im Potsdamer „Haus der Natur“ selbst.

„Es ist schon bemerkenswert, dass wir das ausrichten“, sagte Friedhelm Schmitz-Jersch, der Präsident des Naturschutzbundes in Brandenburg (Nabu), dazu am Donnerstag dieser Zeitung. Aber eigentlich wundert es Schmitz-Jersch auch nicht mehr. Denn insbesondere unter Minister Vogelsänger ist seit 2014 der Naturschutz in Brandenburg systematisch geschwächt worden. Es werde im Naturschutz „nur noch das Pflichtprogramm gemacht“, sagt Schmitz-Jersch.

Es hatte auch nichts genützt, dass er als „Hochwasserheld“ galt: Freude war einer der ersten, den es erwischte, nachdem er 20 Jahre Präsident des Landesumweltamtes war. Danach folgten Personalien der zweiten Reihe. Selbst erst einige Monate im Amt, versetzte Vogelsänger Anfang 2015 Freude an die Spitze des Landesamtes für ländliche Entwicklung, mit Rückendeckung von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der selbst mal Agrar- und Umweltminister war. „Damit hat man die Stimme des Naturschutzes in Brandenburg stummgemacht“, sagt Schmitz-Jersch. Und Umweltverbände sind sich schon lange einig, dass es im Ministerium eine „unverhältnismäßige Dominanz von Agrarinteressen“ gibt. Zu Freudes Zeiten war noch einer da, der dagegenhielt.

Am Freitag werden alle da sein, Freunde, Weggefährten, natürlich auch Alt-Ministerpräsident Matthias Platzeck, der ihn als damaliger Umweltminister 1995 zum Präsidenten des Landesumweltamtes gemacht hatte. Vorher hatte Freude seit 1992 die Landesanstalt für Großschutzgebiete aufgebaut und geleitet und damit maßgeblichen Anteil daran, dass 14 Prozent der Landesfläche als Natur- oder Landschaftsschutzgebiete gesichert sind. In den Abschied Freudes aus dem öffentlichen Dienst zum Ende des Monats fallen prompt die nächsten Hiobsbotschaften für den Naturschutz im Land. Die Abteilung für Großschutzgebiete im Landesumweltamt soll aufgelöst werden, mit der Naturschutzabteilung fusionieren, die Zeichen stehen auf weiteren Personalabbau. Thorsten Metzner