• Grüne fordern schärfere Kontrollen Überwachung der Ämter „absolut unzureichend“

Brandenburg : Grüne fordern schärfere Kontrollen Überwachung der Ämter „absolut unzureichend“

Potsdam – Nach dem Nachweis von antibiotikaresistenten Keimen in Wurstwaren auch aus dem Potsdamer Einzelhandel fordern Brandenburgs Grüne deutlich schärfere Kontrollen. Zwar werde über die Novelle des Arzneimittelgesetzes erstmals versucht, den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung zu senken, doch würden bei Tierhaltern, Ärzten und Veterinärämtern in Brandenburg bislang immer noch konkrete Vorgaben zur Umsetzung des Bundesgesetzes fehlen, kritisierte die Gesundheitsexpertin der Grünen-Fraktion im Landtag, Ursula Nonnemacher, am Mittwoch in Potsdam. Zudem seien die arzneimittelrechtlichen Kontrollen der Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter in Brandenburg absolut unzureichend. ,,Bei der jährlichen Überwachung werden 80 bis 90 Prozent der Risikobetriebe – die also besonders viele Tiere halten – gar nicht kontrolliert.“

Gefunden wurden die Keime in Potsdam im Zuge einer Studie, die die grüne Bundestagsfaktion in Auftrag gegeben hatte. Insgesamt wurden Wurstwaren in 13 deutschen Städten untersucht, darunter auch in Berlin, Düsseldorf, Hannover und Leipzig. In zehn von 63 Proben – also in etwa zehn Prozent – wurden sogenannte ESBL–Keime entdeckt. ESBL steht für Extended Spectrum ß-Lactamasen. Dabei handelt es sich um ein Enzym, das Bakterien resistent gegen eine Vielzahl von Antibiotika macht. Vor allem für immungeschwächte Menschen können solche Keime lebensbedrohlich werden.

Die Entstehung und Verbreitung der Keime ist den Grünen zufolge vor allem auf den „missbräuchlichen Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung“ zurückzuführen. Wie berichtet hat besonders in Brandenburg die Zahl der Anlagen in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Entstanden sind vor allem große Legehennen- und Hähnchenmastbetriebe mit Platz für bis zu 500 000 Tiere. Mit 8,5 Millionen Hühner landesweit wurde nach Angaben des Landesamtes für Statistik im vergangenen Jahr der höchste Besatz seit der Wende gezählt, rund 21 Prozent mehr als noch bei der letzten Erfassung vor drei Jahren.

Mit den Antibiotika soll dem Ausbruch von Krankheiten vorgebeugt werden, die aufgrund der Enge vieler Ställe schnell auf gesunde Tiere übergreifen könnten. So erhielten laut Nonnemacher mehr als 90 Prozent aller Masthähnchen in ihrem kurzen Leben von nur einem Monat mehrmals Antibiotika verabreicht. ,,Natürlich haben auch kranke Tiere ein Anrecht auf Behandlung. Eine Einzelbehandlung kranker Tiere ist bei der Größe der Bestände und der qualvollen Enge in der Massentierhaltung jedoch kaum mehr möglich.“ Notwendig sei deshalb ein Umsteuern hin zu einer artgerechten Tierhaltung, die „in unseren Ställen derzeit eher die Ausnahme als die Regel ist“, so Nonnemacher. Matthias Matern

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