Brandenburg : Größere CCS-Speicher

Umweltverband wirft Rot-Rot Verschleierung vor

A. Fröhlich

Potsdam/Cottbus - Gegner der umstrittenen CCS-Technologie zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid (CO2) aus der Braunkohle-Verstromung werfen Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralph Christoffers (Linke) eine Verschleierungstaktik vor – denn der Energiekonzern Vattenfall denkt bereits öffentlich über weitere unterirdische Endlager in Brandenburg nach.

Vergangene Woche hatte Christoffers gesagt, Rot-Rot halte an den Plänen fest, es gäbe außer den Speicherplänen Vattenfall in Ostbrandenburg aber „keinerlei Anlass darüber zu spekulieren, ob CO2 in Regionen wie dem Havelland, dem Barnim oder in der Ostprignitz unterirdisch gespeichert werden könnte“. René Schuster, der für die Grüne Liga im Braunkohleausschuss sitzt, sagte den PNN am Montag hingegen: „Die Landesregierung treibt das Braunkohlenplanverfahren Jänschwalde-Nord voran, wodurch CO2-Endlager weit über Beeskow und Neutrebbin hinaus notwendig würden. Das weiß der Minister sehr genau.“ Vattenfall möchte mit dem neuen Tagebau, für den drei Dörfer umgesiedelt werden müssten, ab 2025 über 40 Jahre 250 Millionen Tonnen Braunkohle abbauen. Zudem will es in Jänschwalde bis 2015 ein CCS-Demonstrationskraftwerk errichten, wo CO2 abgeschieden und dann bei Beeskow (Oder-Spree) und Neutrebbin (Märkisch-Oderland) gespeichert wird.

Doch Vattenfalls Pläne gehen weit darüber hinaus. Der Leiter für Bergbauplanung, Detlev Dähnert, sagte im Braunkohleausschuss Mitte November: „Beeskow ist maximal dafür geeignet, um das Volumen vom Demokraftwerk aufzunehmen. Nach den derzeitigen Vorerkundungsergebnissen brauchen wir für den neuen Kraftwerkspark in Jänschwalde weitaus größere Speicherkapazitäten in Brandenburg, in anderen Bundesländern, auch auf See oder unterhalb des Meeresbodens.“

Schuster warf Christoffers vor, „Mindeststandarts an Transparenz und Ehrlichkeit“ zu verletzen. Bereits im Mai steht der nächste Schritt im Planverfahren an, das 2015 abgeschlossen sein soll. Offen ist laut Schuster aber, ob die Landesplanungsbehörde den Verbleib des Kohlendioxids dabei überhaupt thematisieren will.

Indes legte die Stadt Beeskow am Montag Widerspruch gegen die von Christoffers erteilte Zulassung des Hauptbetriebsplanes zur Erkundung der Region beim Landesbergbauamt ein. An einer Kundgebung gegen die geplante Verpressung von CO2 hatten am Sonntagabend rund 2500 Menschen in Beeskow teilgenommen.

 Die Grüne Liga beklagt bereits die ersten CCS-Opfer. Vattenfall habe Mitte Janauer beim Freimachen des Baufeldes für das Demo-Kraftwerk Jänschwalde ein Winterquartier mit 134 geschützten Fledermäusen zerstört. Noch im Oktober 2010 hatten Naturschützer gefordert, abzureißende Gebäude auf Fledermäuse zu untersuchen. Die in der Winterruhe gestörten Tiere wurden umgesetzt. Es gebe weder ein CCS-Gesetz noch einen Bauantrag. Schuster: „Die Gefährdung der Tiere könnte nicht unnötiger sein.“ A. Fröhlich

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