• "Göttlicher Dampf": Pücklers Interesse für industriellen Fortschritt

"Göttlicher Dampf" : Pücklers Interesse für industriellen Fortschritt

Fürst Pückler war Romantiker und galt als fortschrittlich für seine Zeit. Er war Gartenkünstler und Schriftsteller. Und ihn begeisterte der industrielle Fortschritt.

Silke Nauschütz
Simone Neuhäuser, Kuratorin der Sonderausstellung, neben einer Pückler-Figur.
Simone Neuhäuser, Kuratorin der Sonderausstellung, neben einer Pückler-Figur.Foto: ZB

Cottbus - Er war fasziniert von England als Mutterland der Industrialisierung, begeisterte sich unter anderem für Dampfmaschinen und Tunnelkonstruktionen und förderte die Fotografie: Der Gartenkünstler und Weltenbummler Fürst Pückler (1785-1871) brachte als Zeuge dieser Entwicklung im 19. Jahrhundert von seinen Reisen etwa zu den Weltausstellungen nach London (1851) und Paris (1855) Ideen und Inspiration mit in die Lausitz. Eine neue Ausstellung im Marstall im Branitzer Park in Cottbus berichtet von dieser wenig bekannten Seite des Fürsten, der die Industrie-Trends dieser Zeit aufmerksam verfolgte.

„England hat uns in der Zivilisation vorgeleuchtet und ist dadurch größer und mächtiger als alle geworden“, schrieb der Fürst 1830 in seinem Buch „Briefe eines Verstorbenen“.

Schau läuft bis Ende Oktober

Die Sonderausstellung spürt nach Angaben der Stiftung Fürst-Pückler-Museum nach, was davon bis heute in der Branitzer Parklandschaft ablesbar ist. Bis 31. Oktober 2021 ist die Schau im Marstall sowie an fünf Stationen unter freiem Himmel für Besucher zugänglich - derzeit mit Maskenpflicht und gebuchtem Termin.

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So träumte Pückler bereits vor 175 Jahren von Fontänen in seinem Park. Er wollte dazu eine Dampfmaschine nutzen, was jedoch der Stiftung zufolge an den Finanzen scheiterte. Im Marstallhof ist nun bis Ende Juni eine Dampfmaschine ausgestellt, wie sie in seiner Zeit gebaut und gebraucht wurde. Die historische Lokomobile wurde von einem Förderverein aus Hannover ausgeliehen. Zum Jubiläumsjahr soll in diesem Sommer eine zehn Meter hohe Wasserfontäne im Schlosssee sprudeln - so wie es sich Pückler einst wünschte, allerdings elektrisch betrieben.

Christian Katschnanowski, kuratorischer Mitarbeiter, vor einer historischen Lokomobile des Fördervereins "Mobile Welten" aus Hannover. 
Christian Katschnanowski, kuratorischer Mitarbeiter, vor einer historischen Lokomobile des Fördervereins "Mobile Welten" aus...Foto: ZB

Viele Produkte der zeitgenössischen Industrie, die sich der Fürst über Kataloge bestellte, dienten Pückler zur Ausschmückung des Parks: Skulpturen, Reliefs, Kunst und Möbel aus Eisen- und Zinkguss oder Terrakotta. Er schuf auf mehr als 600 Hektar ein Gartendenkmal, das er nach Aufzeichnungen als sein „Meisterstück“ bezeichnete. Mit dem Schlossensemble im Zentrum, dem Innenpark und dem landwirtschaftlich genutzten und gartenkünstlerisch gestalteten Außenpark ist das Areal fast vollständig erhalten und soll daher Unesco-Welterbe werden.

Schon zu Pücklers Zeiten rauchten die Schornsteine

Schon zu Pücklers Zeiten hätten vom Park sichtbar die Schornsteine der aufstrebenden Industriestadt Cottbus geraucht, berichtete Stiftungsvorstand Stefan Körner. „Und der Grüne Fürst liebte diesen göttlichen Dampf, denn er stand für Bewegung, Fortschritt und Zukunft“. Allerdings sah er der Stiftung zufolge auch damals schon die negativen Folgen der Industrialisierung für die Natur durch den angestiegenen Energieverbrauch. Den Park Branitz wollte Pückler auch deshalb als grüne Oase erhalten. Einer geplanten Bahnstrecke durch den Park stimmte er nicht zu, so Kuratorin Simone Neuhäuser.

Die Kuratorin betrachtet ein Rundrelief mit einer allegorischen Darstellung des Frühlings. 
Die Kuratorin betrachtet ein Rundrelief mit einer allegorischen Darstellung des Frühlings. Foto: ZB

2021 steht in Brandenburg die Industriekultur im Fokus. Im Themenjahr „Zukunft der Vergangenheit - Industriekultur in Bewegung“ soll es sowohl um einen geschichtlichen Rückblick als auch um eine industrielle Zukunftsperspektive gehen. 40 Partnerprojekte stellen vielfältige Industriekultur im Land vor. Den Bezug zu Pücklers Begeisterung für industrielle Trends und zur heutigen Zeit sieht Stiftungsvorstand Körner ganz klar. Am Ende des industriellen Zeitalters erfinde sich die Lausitz neu und finde neue Wege für Wirtschaft und Gesellschaft, meinte er.

Schloss Branitz war der Alterssitz von Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Der Park war sein Alterswerk. Im Jahr 1845 bezog Pückler das Schloss seiner Vorfahren in Branitz. Er legte dort ab 1846 einen der bedeutendsten europäischen Landschaftsgärten mit seinen berühmten Pyramiden an. Pückler fand im Park auch seine letzte Ruhestätte - in einer Erdpyramide in einem See. Am 4. Februar jährte sich sein Todestag zum 150. Mal. (dpa)

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