Brandenburg : Geheimsache BER-Eröffnungstermin

Der BER sollte 2012 starten, 2013, 2014, 2017. Am nächsten Freitag nun will Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup den Termin der Termine verkünden. Eine Analyse

Durchwachsene Aussichten. Dass es bis zur Inbetriebnahme des Flughafens noch dauert, ist unstrittig. Wann es so weit ist, soll am 15. Dezember verkündet werden.
Durchwachsene Aussichten. Dass es bis zur Inbetriebnahme des Flughafens noch dauert, ist unstrittig. Wann es so weit ist, soll am...Foto: P. Pleul/dpa

Schönefeld - Alles ist topsecret. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup macht es spannend. Am kommenden Freitag will er auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrates den Eröffnungstermin für den BER bekannt geben. Den letzten. Oder den ersten, der nicht abgesagt wird, je nach Perspektive. Doch eine Woche vorher tappen selbst der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) und ihre Eigentümer im Dunkeln, welches Jahr das sein wird. Selbst im mittleren FBB-Management wird gerätselt. Für kommenden Dienstag ist ein Krisentreffen von Berlins Regierendem Michael Müller, Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (beide SPD) mit Lütke Daldrup und dem Aufsichtsratschef und Potsdamer BER-Staatssekretär Rainer Bretschneider angesetzt. Denn auch das Geld wird wieder knapp. Welchen Termin könnte der BER-Chef verkünden, erst recht angesichts der neuen Rückschläge?

Erst vor elf Monaten war der BER-Start 2017 abgesagt worden. Inzwischen hat sich die Lage weiter zugespitzt, von 2018 und 2019 redet niemand mehr. Wie berichtet hat der Tüv Rheinland in einem aktuellen Prüfbericht ausgerechnet im angeblich fertigen Mainpier Nord zentrale Systeme (Brandmeldeanlage, Entrauchung, Sicherheitsbeleuchtung etc.) wegen „wesentlicher Mängel“ als nicht abnahmefähig eingestuft. Es sind laut Tüv „systemische Mängel“, die im gesamten Fluggastterminal zu erwarten sind. Zudem müssen in der Sprinkleranlage noch 2,5 Kilometer Rohre getauscht werden, im verwinkelten Terminal mit 4300 Räumen und überfüllten Trassen. Dafür liegen noch nicht einmal alle Pläne vor.

Dabei hatte Lütke Daldrup ab 1. September 2017 einen neuen Baufertigstellungszeitplan in Kraft gesetzt, mit dem alle Bauarbeiten bis 31. August 2018 beendet werden sollten. Keine drei Monate später ist auch dieser BER-Terminplan schon wieder Makulatur. Nach PNN-Informationen werden sich die Arbeiten bis 2019 hinziehen. Das führt – neben den Finanzen – zum nächsten Problem: Erst danach können die „Wirk- und Prinzipprüfungen“ beginnen, bei denen nachgewiesen werden muss, dass alle Systeme wie Brandmeldung, Entrauchung, Sicherheitsstrom auch im Verbund funktionieren. Sonst darf der BER nicht ans Netz. Allein diese Tests dauern mindestens ein halbes Jahr. Und niemand kann ausschließen, dass erst dort weitere Mängel auffliegen, noch einmal Nacharbeiten nötig werden. Und im Anschluss folgen noch Behördenabnahmen, Orat-Probebetrieb mit Komparsen (Minimum sechs Monate) und der Mieterausbau ...

Noch im Januar 2017 hatte der damalige BER-Oberbauleiter Jörg Marks, inzwischen FFB-Technikchef ohne Zuständigkeit für das Terminal, in einem internen Schreiben Voraussetzungen für einen verbindlichen Eröffnungstermin definiert. Aufgeführt war dort zum Beispiel den Abschluss aller „relevanten Bautätigkeiten im gesamten Fluggastterminal“, was nun frühestens 2019 der Fall wäre. Und: „Abschluss der Wirk- und Prinzipprüfungen im Main Pier Nord“, um in einem Gebäudeteil die gefürchteten Verbundtests bewältigt zu haben. Just hier haben nun schon die ersten Einzelprüfungen zur Tüv-Mängelliste geführt. Unwägbarkeiten über Unwägbarkeiten.

Lütke Daldrup hat selbst Maßstäbe für den Eröffnungstermin formuliert: Es werde ein „unternehmerisch verantwortbarer“ sein, „kein politischer“, einer, auf den sich alle verlassen können müssen. Bleibt er dabei, wäre eine Eröffnung im Herbst 2020 vielleicht noch möglich, aber wie die Eröffnungstermine der Vergangenheit von vornherein wieder mit Risiken verbunden. Ein möglicher Ausweg? Einigermaßen realistisch wäre, dass der BER im Frühjahr 2021 eröffnet werden könnte, im Jahr der nächsten Abgeordnetenhauswahl, vorher aber zumindest ab 2019/2020 mit einer schrittweisen Teilinbetriebnahme – zunächst ohne Hauptterminal – begonnen wird. So könnten das lange abgenommene Nordpier oder auch das Südpier in Betrieb gehen, die beiden Seitenflügel. Im Frühjahr 2020 käme das für 100 Millionen Euro geplante neue Billigterminal (T1E) für 6 Millionen Passagiere hinzu. Tegel bliebe so lange in Betrieb, bis das BER-Hauptterminal fertig ist, notfalls auch nach 2021. Lütke Daldrup hat es zumindest geschafft, dass alle Firmen – außer Caverion – jetzt bereit sind, die Restarbeiten im Terminal für eine Pauschalsumme zu erledigen. Statt der exorbitanten Stundenabrechnungen. Damit haben die Firmen erstmals seit 2012 wieder ein Interesse, zügig fertig zu werden. In dem Moment, wo das der Fall ist, könnte der BER eröffnen.

Aber spätestens 2025. Im Hauptausschuss hat Lütke Daldrup jüngst angedeutet, dass bis 2025 um Tegel nur Schallschutzkosten „im niedrigen zweistelligen Millionenbereich“ anfallen, erst danach hohe Summen. Und auf die Frage, ob der BER überhaupt eröffnet, sagte Lütke Daldrup: „Der Flughafen ist in weiten Teilen schon funktionsfähig.“ Es seien über 39 von 40 Gebäuden fertig, Feuerwachen, IT-Gebäude, die Start- und Landebahnen.

Dieser Mann sagt nichts unüberlegt.

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