Fußball : Brandenburg wirbt weiter um Hertha BSC

Brandenburgs Politik verfolgt das Berliner Stadiondrama um den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC aufmerksam – und wirbt und wirbt.

Müssen Hertha-Fans zu Heimspielen ihres Vereins bald nach Brandenburg reisen?
Müssen Hertha-Fans zu Heimspielen ihres Vereins bald nach Brandenburg reisen?Foto: Manfred Thomas

Potsdam - Brandenburgs Landesregierung hat ihr Angebot an den Berliner Bundesligisten Hertha BSC bekräftigt, sein neues Stadion nun in der Mark zu bauen, nachdem Standort-Pläne für eine neue Fußballarena nahe dem Olympiastadion geplatzt sind. Der gemeinsame Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg stehe dem nicht im Wege, betonte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) am Mittwoch in der Fragestunde des Potsdamer Landtags. „Geeignete Flächen wären vorhanden, wo auch immer.“ Schneider erinnerte daran, dass Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) einmal in der engeren Wahl war, ein Gewerbegebiet dort. Da wäre es ohne Weiteres möglich gewesen, ein Stadion zu bauen. Inzwischen sei der Standort aber obsolet. Die Flächen stehen – die Stadt im Speckgürtel südlich erlebt einen Ansiedlungsboom – nicht mehr zur Verfügung.

Hintergrund der Anfrage der Landtagsabgeordneten und früheren SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz sind Aussagen von Brandenburgs CDU-Oppositionsführer Ingo Senftleben, dass der gemeinsame Landesentwicklungsplan mit Berlin auch ein neues Hertha-Stadion in Brandenburg blockieren würde. Dabei würde Bundesliga-Fußball Brandenburg gut tun, so der CDU-Chef, der Hertha damit in seine aktuelle Kampagne gegen den Landesentwicklungsplan mit Berlin einbaute. Den will Senftleben, wie berichtet, nach einem CDU-Wahlsieg bei der Landtagswahl am 1.September in seiner ersten Woche als Ministerpräsident kündigen. Geywitz wollte in diesem Zusammenhang wissen, ob bei einer solchen Kündigung Großprojekte im Umland schwieriger würden, „weil man wie in den 90er Jahren dann mit Klagen der Berliner Seite zu rechnen hätte.“ Die Bedingungen wären dann sehr viel schwieriger als jetzt, bestätigte die Infrastrukturministerin.

In Brandenburg, wo es auch viele Hertha-Fans und 21 Partnergemeinden des Vereins wie etwa Neuruppin, Oranienburg, Nauen oder Bad Belzig gibt, verfolgt man die Berliner Entwicklungen um die schon mehrfach in der Hauptstadt geplatzten Stadionpläne von Hertha jedenfalls sehr aufmerksam. Schon als 2016 Brandenburg ins Spiel kam, hatte SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke erst hinter den Kulissen und dann auch öffentlich Hertha umworben, das Stadion in Brandenburg zu bauen. Diese Botschaft, dass dem Verein hier keine Steine in den Weg gelegt würden, sondern der rote Teppich ausgerollt, hat Woidke jüngst bekräftigt. „Hertha BSC ist in Brandenburg herzlich willkommen.“ Er vergaß den Hinweis nicht, dass auch international Großstadien inzwischen nicht mehr direkt in Metropolen gebaut würden.

Werder (Havel) nicht abgeneigt

Zu den Orten, die Hertha gern locken würden, gehört wie berichtet die wegen des Baumblütenfestes auch bei vielen Berlinern bekannte und beliebte Stadt Werder (Havel) westlich von Potsdam. Nach Angaben des Rathauses ist das frühere Angebot, Hertha Platz für ein neues Stadion im Industriegebiet Magna-Park anzubieten, nach wie vor aktuell. Das hatte die Stadt bereits 2016 als Idee eingebracht, als Hertha sich im Umland umschaute.

„Werder hat traditionell eine starke Bindung zu Berlin und mit den Erfolgen von Hertha BSC ist eine lebendige Fankultur bei uns gewachsen“, sagt Werders 1. Beigeordneter Christian Große. Der Magna-Park liege unmittelbar am westlichen Berliner Ring und biete sich für ein solches Bauprojekt hervorragend an. Es würden rund 500.000 Quadratmeter zur Nutzung bereitstehen.

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Allerdings gibt es auch Orte im Umland, die partout kein Stadion wollen. So erklärt die Gemeinde Kleinmachnow, weil jetzt wieder über den Europark Dreilinden als Standort spekuliert wurde, strikt: „Es gibt weder den Wunsch noch die Möglichkeiten, auf Kleinmachnower Gebiet ein solches Stadion zu bauen.“

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