• Flughafen ohne Langstrecke: Breite Allianz für BER als Interkontinental-Airport

Flughafen ohne Langstrecke : Breite Allianz für BER als Interkontinental-Airport

Vor der Luftfahrtkonferenz mit Angela Merkel (CDU) wächst der Druck auf den Bund, am BER mehr Langstreckenflüge zu erlauben.

Terminal 1 vom Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg «Willy Brandt» (BER).
Terminal 1 vom Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg «Willy Brandt» (BER).Foto: Patrick Pleul/dpa

Berlin/Schönefeld - Deutschlands Hauptstadtregion fordert von der Bundesregierung, mehr interkontinentale Flüge über den neuen BER-Airport abwickeln zu dürfen. „Zwei große internationale Flughäfen im Westen der Republik sind zu wenig“, sagte BER-Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup in einem PNN-Interview aus Anlass der nationalen Luftfahrtkonferenz, die am heutigen Freitag in Schönefeld unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stattfindet. Brandenburg ist Gastgeberland. An der Konferenz nehmen Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) und Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) teil.

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Lütke Daldrup erinnert im Interview an die Aussage von Bundesminister Andreas Scheuer (CSU), „dass der BER ein internationales Drehkreuz werden sollte.“

Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg.
Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg.Foto: Annette Riedl/dpa

Zugleich drängen die Industrie- und Handelskammern Berlins und Brandenburg und Wirtschaftsverbände gemeinsam mit Lufthansa-Konkurrent Emirates auf eine Aufhebung von Benachteiligungen des BER-Flughafens. Auch Unternehmerverbände und Gewerkschaften forderten am Donnerstag zusammen mit der arabischen Airline und deren Heimatregierung von der Bundesregierung mehr Flugrechte. Die Metropolregion dürfe angesichts der sich abzeichnenden Erholung des Luftverkehrs nicht noch weiter hinter die internationale Standortkonkurrenz zurückfallen. Mit gerade sieben Langstreckenverbindungen habe Berlin im internationalen Vergleich vor der Corona-Pandemie nur auf dem 22. Platz gelegen, zwischen Budapest und Kiew, hieß es. Das sei um so dringender, als die Region mit der Ansiedlung der Autofabrik von Tesla aus den USA und anderen an wirtschaftlichem Gewicht gewinne und auch ein beliebtes Urlaubsziel sei.

Auf Netz von Langstreckenflügen zurückgreifen

Unterstützt wird die Forderung auch vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga und den Wirtschaftsförderern Berlins und Brandenburgs. Der Ausbau der Langstreckenflüge nach Berlin müsse mit der Erholung des Luftverkehrs von der Coronakrise endlich ermöglicht werden, erklärte Berlins IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. „Berlin ist die Hauptstadt der größten und wichtigsten Volkswirtschaft Europas und auch ihr wissenschaftlicher Hotspot.“ Die Region müsse so wie Paris oder London auf ein Netz von Langstreckenflügen zurückgreifen können.

Emirates darf nur vier Airports anfliegen

Das Bundesverkehrsministerium ist für die Flugrechte zuständig. Die Airline Emirates hat bisher nur begrenzte Möglichkeiten, der Lufthansa und anderen Europa-Airlines in Deutschland Konkurrenz zu machen. Ein Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) erlaubt dem größten Golf-Carrier nur Flüge von vier deutschen Airports. Seit 2004 versucht Emirates vergeblich, zwei weitere Routenrechte zu bekommen, um neben Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg auch Berlin und Stuttgart bedienen zu können. Die Lufthansa stecke hinter den Bemühungen, den Status Quo nicht zu ändern, heißt es auf der Website von Emirates. Es sei verständlich, dass die Bundesregierung „mit Blick aus der Kranichperspektive“ in der Vergangenheit auf Frankfurt und München als Knotenpunkte gesetzt habe, erklärte auch Stefan Franzke von Berlin Partner. 

Doch vor der Pandemie seien 70 Prozent der außereuropäischen Passagiere, die nach Frankfurt kamen, nach Berlin weitergereist. „Dieser häufig unnötige Umweg ist fragwürdig, erst recht im Hinblick auf die Umwelt, aber auch bei Ansiedlungsgesprächen mit internationalen Unternehmen.“ (mit Reuters)

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