Flughafen BER : Technisch im Takt

Die Leitstelle des BER steuert schon den Flugbetrieb – auch dort, wo noch gar nichts fliegt.

Sven Goldmann
Die Technik im Griff. Knut Deimer ist Leiter der Informations- und Kommunikationstechnik der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH. In der neuen Leitstelle werden nun zentral alle technischen Prozesse für die Berliner Flughäfen gesteuert.
Die Technik im Griff. Knut Deimer ist Leiter der Informations- und Kommunikationstechnik der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH. In...Foto: Britta Pedersen/dpa

Schönefeld - Hat kaum einer gemerkt, dass der BER schon ein Weilchen ganz prima funktioniert. Zwar sind die Parkhäuser verwaist und die böse Entrauchungsanlage harrt weiterhin ihrer Fertigstellung, genauso wie das Fluggastterminal, wo 1500 intelligente Türen immer noch nicht so schlau sind, wie es zur Abwicklung von geschätzt 40 Millionen Fluggäste jährlich von Vorteil wäre.

Ansonsten aber läuft alles bestens, sagt Knut Deimer. Tag für Tag starten und landen unter der Patenschaft von Willy Brandt Flugzeuge in den Weiten des Schönefelder Irgendwo, angeleitet von den Experten in der neuen Technik-Leitstelle. Männer und Frauen sitzen vor riesigen Bildschirmen und starren auf rot und grün und gelb leuchtende Punkte. „Was uns betrifft, ist der BER schon in Betrieb“, sagt also Knut Deimer, der beim neuen Berliner Großflughafen die Informationstechnik verantwortet. Dass die Schönefelder Fluggäste vor dem Start und nach der Landung auf dem alten DDR-Regierungsflughafen abgefertigt werden, ist ein zu vernachlässigendes Detail, jedenfalls für Herrn Deimer und seine IT. „Die Start- und Landebahnen sind dieselben“, später werde nur die Taktung etwas dichter ausfallen.

Die Schönefelder IT logiert zwischen einer Batterie von exakt aufgereihten, aber doch etwas nutzlos in der Landschaft stehenden Schneeräumfahrzeugen und einem Hangar, an dem immer noch ein riesiges Air-Berlin-Logo leuchtet. Vor dem Eingang befindet sich ein Volleyballplatz, der mutmaßlich besser frequentiert war, bevor hier Anfang März die Technik-Leitstelle die Arbeit aufgenommen hat. Im dritten Stock der Feuerwache West, eine billige Einladung zu Wortspielchen in Sachen Entrauchung, aber die soll auch bald gewährleistet sein. „Die bauliche Fertigstellung der Anlage ist für Ende dieses Jahres vorgesehen“, verspricht der BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup. „Im ersten Quartal 2019 machen wir uns dann an die Prüfung“, und es wäre doch schön, wenn dabei alles so gut laufen werden wie bei der frisch eingeweihten Technik-Leitstelle.

Am Mittwoch um kurz nach zehn macht Lütke Daldrup seinen Antrittsbesuch im dritten Stock der Feuerwache West. Er schüttelt allen Kollegen die Hand, freut sich über die schönen großen Bildschirme. Ein Stündchen Zeit hat er mitgebracht, er nutzt sie zum Antichambrieren beim ebenfalls vorstelligen Betriebsrat und für Exkurse in die Welt von Strom, Wärme, Belüftung oder Löschwasserversorgung. Lütke Daldrup hat gerade sein erstes Jahr im Amt vollendet. Selbstverständlich sei die Eröffnung des Flughafens weiterhin für den Oktober 2020 geplant. Auf dem Weg dorthin sei die Fertigstellung der technischen Leitstelle ein ganz entscheidender Schritt. Lütke Daldrup spricht vom „technologischen Herz des Flughafens“, was sehr ambitioniert klingt, aber noch untertrieben ist. Die 29 Experten in der Feuerwache West betreuen ja nicht nur eine, sondern gleich drei mittelgroße Städte. Auf den Bildschirmen erahnt man die Umrisse von Schönefeld-Alt und -Neu, im Falle von Tegel erleichtert das berühmte Sechseck von Terminal A die Orientierung. „Das lässt sich alles bequem von einer Stelle aus koordinieren“, sagt IT-Chef Deimer. Um kurz nach elf schaut Lütke Daldrup auf die Uhr. Zeit zum Aufbruch zurück ins Alltagsgeschäft, weg vom Schwärmen über die Zukunft am Berliner Himmel.

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