• Flughafen BER: Baufirmen beklagen permanente Unsicherheit

Flughafen BER : Baufirmen beklagen permanente Unsicherheit

Alfons Frese Henrik Mortsiefer

Berlin/Potsdam - Die Flughafengesellschaft und die verantwortlichen Baufirmen am Hauptstadtflughafen BER haben am Montag den Eindruck zu zerstreuen versucht, es habe eine Art Meuterei auf der Großbaustelle gegeben. Bosch erklärte, das Projekt habe „unverändert hohe Priorität“. Ein Sprecher sagte den PNN: „In engem Austausch mit der Flughafengesellschaft arbeiten wir mit Hochdruck daran, beauftragte Leistungen fertigzustellen.“ Er trat Berichten vom Wochenende entgegen, Bosch zweifle generell an der Fertigstellung des BER. „Das Unternehmen wird weiterhin seinen Beitrag leisten, um das Projekt erfolgreich zum Abschluss zu bringen“, sagte der Sprecher. Gleichwohl handele es sich um ein komplexes Projekt „mit vielen Besonderheiten“.

Wie berichtet hatte Bosch in einem Brief, aus dem die „Bild am Sonntag“ zitierte, an die Flughafengesellschaft geschrieben: „Derzeit sieht Bosch keine Grundlage für eine Finalisierung der Inbetriebsetzung der Brandmeldeanlagen.“ Der Konzern nannte „1097 Behinderungssachverhalte“. Inzwischen ist „alles wieder gut“, wie es nun heißt. Bosch nimmt an allen Planungssitzungen teil. Von einem Rückzug ist keine Rede mehr.

Für Steuerungen und Kabel am BER ist Siemens zuständig. Am Montag hieß es in der Münchener Zentrale, man habe über die Zuspitzung aus den Medien erfahren. Für den BER wäre ein Rückzug von Bosch „der ultimative Todessturz“. Ohne Bosch könne die Brandschutzanlage nie in Betrieb gehen. Ebenso wie Bosch belaste auch Siemens, dass „pausenlos Änderungsaufträge“ eingingen und von den Unternehmen abgearbeitet werden müssten. „Die Baustelle verändert sich permanent, es gibt keine finalen Planungsunterlagen“, hieß es. „Wir kennen das abschließende Bausoll nicht.“ Deshalb sei es unmöglich, eine Prognose über den Zeitpunkt der Fertigstellung abzugeben. Als Beispiel nannte der Sprecher Veränderungen bei der Sprinkleranlage, wodurch größere Rohre erforderlich würden. Diese passten nicht zu bereits verlegten Kabeln von Siemens. „Wir wissen nicht verlässlich, was wir noch vor der Brust haben.“

Die Unternehmen beklagen auch hohe Kosten, die durch immer neue Gutachten entstünden. Auch gebe es Fälle von mutwilliger Zerstörung, die vor dem Weiterbau beseitigt werden müssten. Dass mit dem Bauträger Briefe gewechselt würden, sei „völlig normal“, um sich juristisch abzusichern. Trotz der langen Bauzeit am BER gebe es immer noch Abschnitte, die sich im Rohbau befänden.

Die Grünen im Brandenburger Landtag wollen einen Vertreter von Bosch zur nächsten Sitzung des Flughafen-Sonderausschusses am 10. Juli einladen. Man wolle „aus erster Hand erfahren, welche Probleme es bei der Fertigstellung der Brandmeldeanlagen gibt, ob sie lösbar sind und was erforderlich ist, um sie zu lösen“, sagte Grünen-Fraktionschef Axel Vogel. Zudem erhoffe er sich von der Einladung der Firma grundsätzliche Informationen über ihren Auftrag sowie den Grad der Abarbeitung.

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