Flughafen BER : Am BER kann der Rauch abziehen

An der berühmt-berüchtigten Entrauchungsanlage des geplanten Hauptstadtflughafens in Schönefeld gibt es Fortschritte - sie funktioniert.

Schönefeld – Jetzt fehlen „nur“ noch Sechs, um das Entrauchungs-Monster im Terminal zu zähmen: Im dramatischen Ringen am unvollendeten Berliner Hauptstadtflughafen in Schönefeld, um den BER doch 2017 eröffnen zu können, ist zumindest die nächste Hürde genommen. Ein „übergeordneter Meilenstein“ für die Inbetriebnahme der nicht funktionierenden Entrauchungsanlage sei erreicht, teilte die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) am Montag mit. Es geht dabei um die so genannte „Matrix“, die im Brandfall vollautomatisch den Qualmabzug und die Frischluftzufuhr im Terminal dosiert, die so genannte „übergeordnete sicherheitsgerichtete speicherprogrammierbare Steuerung“ (ÜSSPS)“. Bei der gescheiterten BER-Eröffnung vor drei Jahren hatte genau die nicht funktioniert, so dass zwischenzeitlich sogar eine „Mensch-Maschine-Lösung“ geplant war, mit sechshundert Studenten, die im Notfall dieBrandschutztüren öffnen sollten. 

Der erste von sieben getrennten Regelkreisen ist fertig

Inzwischen wurde diese Matrix, noch eine Entscheidung aus der Amtszeit von Hartmut Mehdorn, vereinfacht, nämlich in sieben getrennte Regelkreise aufgeteilt. Und davon der erste Abschnitt ist laut FBB nun fertig, und zwar der für den Mainpier Nord im Fluggastterminal - allerdings nach Tagesspiegel-Informationen mit mehrmonatiger Verspätung. Am Gesamtrückstand „von drei bis vier Monaten“ am BER zum beschlossenen Fahrplan, durch den der Eröffnung bis Ende 2017 auf der Kippe steht, ändert sich nach Tagesspiegel-Informationen dem Vernehmen nichts. 

Das Mainpier Nord ist der Abschnitt im Terminal, wo die Arbeiten am weitesten vorangeschritten sind. Dort laufen nun bereits die ersten Inbetriebnahmetests der Systeme, was Technikchef Jörg Marks bereits vor einigen Wochen mitgeteilt hatte. Im Mainpier Nord seien sowohl die Arbeiten an der Hardware, das heißt die Verlegung neuer Steuerungskabel zu den Brandschutzklappen und der Bau von Schaltschränken abgeschlossen, als auch an der Software, also die Programmierung, heißt es. Und dem Vernehmen nach ergaben erste Tests, dass im Mainpier Nord die Entrauchung jetzt wirklich automatisch funktioniert, „also Signal kommt, Brandschutzklappe öffnet sich“, wie es am Montag hieß. 

Der BER soll ab 2017 pro Jahr 22 Millionen Passagiere abfertigen

Der neue BER-Terminal soll nach seinem 2017 geplanten Start pro Jahr 22 Millionen Passagiere abfertigen. Wenn es dort brennen sollte, müssen insgesamt mehr als 120 einzelne Entrauchungsanlagen dafür sorgen, dass es 15 Minuten lang – überall - eine rauchfreie Schicht von 2,50 Metern gibt. Eine Viertel Stunde, um Leben zu retten, in der die Menschen im Umkreis des Brandortes sicher das Gebäude verlassen können. 

Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft, geführt vom Berliner Regierenden Michael Müller, wird unmittelbar vor Weihnachten am 18.Dezember noch einmal tagen. Diesmal nicht in Motzen, sondern in Tegel. 

Ein neuer Inbetriebnahmefahrplan steht entgegen ursprünglichen Intentionen nicht auf der Tagessordnung. Denn erst im April 2016 werden die Baugenehmigungen für noch nötige Umbauarbeiten an der Entrauchungsanlage erwartet. Vorher könne niemand seriös sagen, was im Terminal noch getan werden müsse, heißt es am Flughafen und im Aufsichtsrat, und ob 2017 tatsächlich gehalten werden kann.