• "Erwachsenenhotel" : Therme darf unter 16-Jährige ablehnen

"Erwachsenenhotel"  : Therme darf unter 16-Jährige ablehnen

Urteil des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe: Wellnesshotel in Bad Saarow durfte Aufenthalt einer Familie mit jungen Kindern ablehnen.

Anja Semmelroch
Blick in das Hallenbad des Hotels Esplanade Resort und Spa in Bad Saarow. Das Unternehmen versteht sich selbst als "Hotel für Erwachsene".
Blick in das Hallenbad des Hotels Esplanade Resort und Spa in Bad Saarow. Das Unternehmen versteht sich selbst als "Hotel für...Foto: Patrick Pleul/dpa

Karlsruhe - Ein Wellness- und Tagungshotel darf sich als "Erwachsenenhotel" ausrichten und Kinder und Jugendliche generell als Gäste ablehnen. Die Betroffenen würden wegen ihres Alters zwar benachteiligt, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Für die unterschiedliche Behandlung gebe es aber einen sachlichen Grund, damit sei sie gerechtfertigt. Das Urteil vom 27. Mai wurde am Donnerstag schriftlich veröffentlicht. (Az. VIII ZR 401/18)

Geklagt hatte eine Familie mit fünf Kindern. Sie berief sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und wollte eine Entschädigung. Die Mutter hatte Ende 2016 im brandenburgischen Thermalort Bad Saarow (Oder-Spree) am Scharmützelsee für vier Nächte Zimmer angefragt. Das gewählte Hotel nimmt nur Gäste ab 16 Jahren auf und lehnte die Familie mit dieser Begründung ab.

Im Rahmen unternehmerischer Handlungsspielräume

Dagegen ist nach Auffassung der obersten Zivilrichter nichts einzuwenden. Bei der Auslegung des Antidiskriminierungsgesetzes sei auch die im Grundgesetz geschützte unternehmerische Freiheit des Hotelbetreibers zu berücksichtigen. Sein Haus sei "gerade auf solche Leistungen ausgerichtet, bei denen Ruhe und Entspannung nicht lediglich eine untergeordnete Rolle spielen". Die Einschätzung, dass sich damit "das an anderen Bedürfnissen orientierte Verhalten von Kindern nicht uneingeschränkt in Einklang bringen lässt", bewege sich im Rahmen seines unternehmerischen Handlungsspielraums.

Die Richter waren auch der Ansicht, dass die Familie auf die schwerpunktmäßig angebotenen Leistungen "nicht in besonderer Art und Weise angewiesen" sei. Die Eltern hätten das Hotel nur ausgewählt, weil sie es von einem Jahre zurückliegenden Besuch kannten und es im Internet gute Kundenbewertungen hatte. In der Region gebe es andere Möglichkeiten, seine Freizeit in vergleichbarer Weise zu verbringen.

Die Familie war mit ihrer Klage schon in den Vorinstanzen gescheitert. Der BGH wies nun auch die Revision zurück.

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(dpa)

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