• Erschossener stand unter Mordverdacht: Schüsse auf dem Berliner Ring: Identität geklärt
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Erschossener stand unter Mordverdacht : Schüsse auf dem Berliner Ring: Identität geklärt

Am Mittwochnachmittag wurde ein Pole von der Brandenburger Polizei erschossen. Nun wurde bekannt, dass es sich wohl um einen gesuchten Mörder handelte.

Beamte sicherten bis nach Einbruch der Dunkelheit Spuren. 
Beamte sicherten bis nach Einbruch der Dunkelheit Spuren. Foto: Christopher Harms/dpa

Potsdam - Nach den tödlichen Schüssen auf dem Berliner Ring ist nun mit großer Wahrscheinlichkeit die Identität des Opfers geklärt. Bei dem von den Beamten getöteten Mann handele sich mit "98-prozentiger Sicherheit" um den 25-jährigen Pawel R. Es stünde lediglich noch eine Bestätigung durch die polnische Polizei aus. Pawel R. soll zuvor im polnischen Gorzów einige Kilometer hinter der deutsch-polnischen Grenze eine Frau ermordet haben. 

Zwei Polizeibeamte hatten den Mann am Mittwochnachmittag gegen 15.30 Uhr in einem Mazda mit polnischem Kennzeichen gestoppt - das Auto war nach dem Tötungsdelikt in Gorzów zur Fahndung ausgeschrieben gewesen.

Der Pole kam auf der B1 aus Richtung Osten und wollte auf die Autobahn Richtung Norden fahren. Noch auf der Beschleunigungsspur konnten die Beamten den Wagen stoppen. Als sie selbst ausgestiegen waren, um den Mann zu kontrollieren, soll der Fahrer nach ersten Erkenntnissen eine Waffe auf die Polizisten gerichtet haben. Die Einsatzkräfte sollen den Mann mehrfach dazu aufgefordert haben, die Waffe wegzulegen, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Dem soll der Pole nicht nachgekommen sein. Daraufhin fielen die tödlichen Schüsse. 

Er soll eine 26-jährige Urkainerin erschossen haben

Gegen 13 Uhr soll Pawel R. laut polnischer Polizei mit einer Waffe eine Wäscherei in Gorzów betreten, eine 26 Jahre alte Ukrainerin erschossen haben und geflüchtet sein. Die polnische Polizei löste nach der Tat eine Fahndung aus und informierte auch das "Gemeinsame Zentrum der Deutsch-Polnischen Polizei- und Zollzusammenarbeit" in Swiecko an der A2, wenige Kilometer südlich von Frankfurt (Oder). Das Zentrum hat dann über die Brandenburger Polizei eine Funkfahndung ausgelöst. Zufällig war ein Streifenwagen der Brandenburger Polizei ebenso wie der gesuchte Pole auf der B1 unterwegs. Die beiden Beamten erfuhren über Funk von der Fahndung und entdeckten den gesuchten Wagen.

Die Kriminaltechniker und Ballistik-Experten des Landeskriminalamtes waren bis weit nach Mitternacht am Tatort am Berliner Ring um alle Spuren akribisch zu sichern. Der Fall soll noch am Donnerstag an die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) abgegeben werden.Die muss dann über die weiteren Ermittlungen entscheiden und ob sie die Schüsse der Polizisten als Notwehr einstuft. Der Sprecher des Polizeipräsidiums in Potsdam sagte am Morgen: „Wir gehen von der Rechtsmäßigkeit des Einsatzes aus.“ Sollte die Staatsanwaltschaft dem Folgen, würde das Verfahren gegen die Beamten eingestellt werden.Die Polizisten werden psychologisch betreutDie beiden Polizeibeamten wurden vorerst aus dem Dienst genommen, ein sogenanntes Einsatznachsorge-Team rückte bereits am Mittwoch nach den Schüssen am Tatort an und kümmert sich seither um die psychologische Betreuung der beiden Beamten.Im vergangenen Jahr erschossen Polizisten in Deutschland elf Menschen, wie aus Zahlen der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster hervorgeht. Für das Jahr 2017 hatte die Hochschule noch 14 Fälle von tödlichem Schusswaffengebrauch gezählt.