Brandenburg : „Eröffnung Oktober 2020 noch sicherer“

Eine Garantie, dass der BER wie derzeit geplant starten kann, will Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup noch nicht geben. Doch er sieht einen Meilenstein dorthin geschafft.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Engelbert Lütke Daldrup.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Engelbert Lütke Daldrup.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Herr Lütke Daldrup, die Wirk-Prinzip-Prüfung, kurz WPP, am BER kann nun doch noch im Juli beginnen. Können Sie jetzt uneingeschränkt garantieren, dass der BER im Oktober 2020 eröffnet?
 

Zunächst einmal bestätigt der Beginn der übergeordneten Wirk-Prinzip-Prüfungen noch im Juli unseren Terminplan bis zur Eröffnung des BER im Oktober 2020. Hinter uns liegt eine intensive und stressige Phase der Mängelbeseitigung und Prüfung. Alle haben sich voll und ganz auf das Thema fokussiert und ihre Aufgaben konsequent abgearbeitet. Dafür möchte ich mich bei dem ganzen Team und all unseren Partnern bedanken! Mit dem Start der WPP im Juli ist die Eröffnung im Oktober 2020 noch sicherer geworden.

Zur Person

Engelbert Lütke Daldrup (62) ist seit März 2017 Chef Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg. Zuvor war er Staatssekretär bei Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Kann es bei diesen umfassenden Systemtests noch böse Überraschungen geben?

Ich bin da sehr entspannt. Das Fluggastterminal haben wir im Griff. Als Vorbereitung für die Wirk-Prinzip-Prüfungen haben wir jede Anlagengruppe erfolgreich einzeln getestet. Auch das Zusammenspiel haben wir bereits systematisch in vielen sogenannten Interaktionstests nachgeprüft. Jetzt überprüft der TÜV Rheinland als übergeordneter Sachverständiger noch einmal in sehr vielen Szenarien, ob wirklich alle erforderlichen Brandschutzmaßnahmen ineinandergreifen.

Wie weit sind Sie mit der Abarbeitung tausender anderer Mängel gekommen, also etwa an Kabeln und Tragsystemen, die einer Abnahme der Behörden entgegenstehen?

Nach den Vorgaben des TÜV wurden die Kabel-Mängel – Sicherheitsstrom und Sicherheitsbeleuchtung – sehr aufwendig gruppiert und auch priorisiert. Die sogenannten Priorität-1-Mängel haben wir komplett abgearbeitet. Damit sind auch die Kabelanlagen bereit für die Wirk-Prinzip-Prüfung. Die verbleibenden, nachgeordneten Mängel haben wir zu über 70 Prozent bereits abgearbeitet. In den nächsten Monaten erledigen wir den Rest. Ganz wichtig war die Brandmeldeanlage: Sie ist am letzten Dienstag erfolgreich final geprüft worden!

Bleibt es bei Ihrer Aussage, dass die Baufertigstellungsanzeige im Oktober 2019 bei den Baubehörden eingereicht wird?

Für die Wirk-Prinzip-Prüfung benötigt der TÜV zwei Monate. Dabei werden fast 300 verschiedene Szenarien vom Stromausfall bis hin zu Heißgas- und Rauchtests geprüft. Es werden alle denkbaren Brandfälle getestet. Danach folgt ein Zeitraum von einem Monat für die entsprechende Dokumentation. Wenn alles klappt, sind wir dann im Herbst – wie ich immer gesagt habe – in der Lage, dem Bauordnungsamt die notwendigen Dokumente zuzuleiten. Bei der restlichen – mittlerweile sehr überschaubaren – Mängelbeseitigung arbeiten wir jeweils in den Bereichen, wo die Prüfungen der WPP gerade nicht stattfinden.

Wie weit sind Sie mit dem Dübelproblem?

Es handelt sich um ein überschaubares Thema. Aufgrund von einer Änderung in der europäischen Normung müssen wir neuerdings für einige Metalldübel sogenannte vorhabenbezogene Bauartengenehmigungen einholen. Damit wird nachgewiesen, dass die verbauten Dübel auch sicher sind. Ähnliche Nachweise für andere Themen haben wir in etwa 100 Fällen bereits erfolgreich erbracht. Wir bereiten den Genehmigungsprozess sorgfältig vor und reichen die Unterlagen demnächst beim zuständigen Landesamt für Verkehr in Cottbus ein, sobald diese vollständig sind.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit dem TÜV und den Baubehörden?

Wir arbeiten mit TÜV und Bauaufsicht gut und professionell zusammen. Der TÜV Rheinland hat alle zwölf relevanten Anlagengruppen geprüft und für die WPP freigegeben. Außerdem hat er als übergeordneter Sachverständiger das Prüfkonzept für die Wirk-Prinzip-Prüfungen erarbeitet. Dabei stimmt er sich selbstverständlich mit den zuständigen Baubehörden des Landes Brandenburg ab.

Wann informieren Sie Airlines, Mieter und die Deutsche Flugsicherung, dass der BER 2020 startet?

Unsere Partner sind gut informiert. Wir liegen mit unseren Arbeiten im Zeitplan. Das wissen natürlich auch unsere Partner, denn wir sind ja täglich in Gesprächen, planen beispielsweise mit den Bodenverkehrsdienstleistern den Umzug von Tegel zum BER oder mit unseren Mietern den Einzug. Auch mit den Airlines sind wir schon in der Detailplanung. Mit dem Beginn der WPP haben wir einen weiteren Meilenstein in Richtung Eröffnung im Oktober 2020 genommen. Das genaue Datum im Oktober 2020 legen wir aber erst etwa ein Jahr vor der Inbetriebnahme fest. Da müssen Sie sich noch etwas gedulden.