Empörung wegen Gedenk-Banner : Cottbus-Fans gedenken Chemnitzer Neonazi

Auch in Cottbus hat eine Gedenk-Aktion für den verstorbenen Neonazi-Hooligan Thomas Haller stattgefunden. Das zeigt, wer in der Kurve die Macht hat.

Das "Stadion der Freundschaft" des FC Energie Cottbus. 
Das "Stadion der Freundschaft" des FC Energie Cottbus. Foto: Patrick Pleul/dpa

Cottbus - Diese Aktion zeigt symbolisch, wie groß der Einfluss der Neonazis in der Cottbuser Fankurve mittlerweile wirklich ist: Energie-Fans haben am Samstag beim Spiel gegen Preußen Münster ein riesiges Gedenk-Banner an die verstorbene Hooligan-Größe Thomas Haller gezeigt. Brisant ist: Haller galt als Rädelsführer der Chemnitzer Neonazi-Szene, gründete Anfang der 90er-Jahre die Gruppe „HooNaRa“ („Hooligans Nazis Rassisten“).

Verein genehmigte das Nazi-Banner

Und damit nicht genug: Verantwortliche von Energie Cottbus haben das Transparent sogar genehmigt. Nach Aussage von Energie-Pressesprecher Stefan Scharfenberg-Hecht sei das Banner in Cottbus kurzfristig vor dem Spiel angemeldet und zugelassen worden. "Den Verantwortlichen war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, um welche Person es sich hierbei handelte", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Mit den dann bekannt gewordenen Informationen hätten die Verantwortlichen der Präsentation des Banners aber keinesfalls zugestimmt, erklärte der Sprecher. "Wir werden gemeinsam mit unseren Netzwerkpartnern den Vorgang auswerten und daraus Lehren ziehen."

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) sagte: „Ich hätte von den Vereinsgremien mehr Sensibilität und auch an dieser Stelle eine klare Haltung erwartet. Eine solche Aktion ist zu verurteilen. Sie ist Wasser auf die Mühlen der rechtsextremen Szene, aber auch derer, die unsere Stadt pauschal in die rechte Ecke stellen.“

Der Fanforscher Robert Claus sagte auf PNN-Anfrage: „Die Aktion zeigt, wer in der Szene das Macht- und Gewaltmonopol hat.“ So ein Transparent zu Ehren einer der regionalen Neonazi-Größen sei ein „deutlicher Ausdruck der Machtverhältnisse“, sagte er. Die Aktion verwundert ihn aber nicht: Die Cottbuser und die Chemnitzer Fanszene seien eng miteinander verbunden. „Man fährt gemeinsam zu Kampfsportevents oder politischen Demonstrationen“, sagte der Fanforscher.

Neonazis haben die Cottbuser Kurve übernommen

Die neue braune Aktion im Cottbuser Stadion ist auch eine Bestätigung für kürzlich veröffentlichte Recherchen des rbb. Der Sender hatte Ende Januar berichtet, dass die Nazi-Hools von Inferno Cottbus den eigenen Fanblock mit Gewalt auf ihre Linie gebracht und die Kurve übernommen haben. Die nach außen sichtbarste Veränderung: Laut dem rbb hängt im Fanblock seit Oktober 2018 nur noch ein einziges Fanbanner. Darauf zu lesen: „Betriebssportgemeinschaft Energie Cottbus seit 1966“. Im Block gilt jetzt das Wort der Neonazis, Abweichler werden nicht toleriert. „Während das rechtsextreme Gedenk-Banner ungestört gezeigt werden kann, wurde die Fahne der ,Energie-Fans gegen Nazis’ schon zweimal vom Zaun gerissen“, sagt Fanforscher Claus. 

Die Hool-Truppe „Inferno Cottbus“ hatte wie berichtet im Mai 2017 vorgeblich seine Auflösung bekannt gegeben. Auslöser waren gemeinsame Recherchen von PNN und rbb, die gezeigt hatten: Die Gruppe verbreitete schon damals ein Klima der Angst in der Fanszene. Mit der Auflösung wollten die Rechtsextremisten offenbar einem Verbot durch die Sicherheitsbehörden zuvorkommen. Aber auch der Verfassungsschutz stellte bezüglich der vorgeblichen Auflösung fest: „Es darf davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei nur um ein Lippenbekenntnis handelt.“ (mit dpa)