• Die Corona-Lage in Brandenburg: Notbremse gilt für 14 Kreise und Städte im Land

Die Corona-Lage in Brandenburg : Notbremse gilt für 14 Kreise und Städte im Land

Dritte Welle nimmt Fahrt auf: Die Inzidenz stieg am Sonntag auf 137. Luca-App soll landesweit eingesetzt werden. Gastronomen hoffen auf Modellprojekte.

Christian Bark Silke Nauschütz Oliver von Riegen
Am Wochenende wurden in Brandenburg 1072 Neuinfektionen registriert - 140 mehr als am vergangenen Wochenende (932).
Am Wochenende wurden in Brandenburg 1072 Neuinfektionen registriert - 140 mehr als am vergangenen Wochenende (932).Foto: Ottmar Winter

Potsdam – Die Zahl der Corona-Infektionen in Brandenburg nimmt weiter zu. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums lag die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche, am Sonntag landesweit bei rund 137. Am Samstag hatte der Wert rund 135 betragen, am Freitag lag er bei knapp 130. Ein Überblick über die Pandemie-Lage im Land.

In welchen Kreisen und kreisfreien Städten im Land greift die Notbremse?

Zwölf Kreise, darunter Potsdam-Mittelmark sowie die Städte Cottbus und Frankfurt (Oder), lagen den Daten zufolge am Sonntag mindestens drei Tage hintereinander bei einem Wert von über 100. Damit greift hier die Notbremse aus der Verordnung des Landes. So dürfen sich nach den aktuellen Regeln nur noch ein Haushalt und eine weitere Person treffen, Geschäfte und Museen dürfen nicht mehr für Termin-Einkäufe öffnen. Supermärkte und andere Läden für den täglichen Bedarf sind davon ausgenommen. In Mittelmark wurden am Wochenende 57 neue Corona-Infektionen ans Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) gemeldet. die Inzidenz stieg am Samstag zunächst auf 109,9 und erhöhte sich am Sonntag weiter auf 117,7.

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Wo sind die Corona-Schwerpunkte?

Der Kreis Elbe-Elster mit einem Inzidenz-Wert von rund 267 ist weiterhin der Hotspot in Brandenburg, gefolgt vom Nachbar-Kreis Oberspreewald-Lausitz mit rund 182. In der Landeshauptstadt Potsdam und in Brandenburg/Havel stieg am Sonntag der Wert über die Marke von 100. Nur die Kreise Dahme-Spreewald und Uckermark liegen noch darunter. 

Die Zahl der neu gemeldeten Corona-Ansteckungen im Land sank am Sonntag auf 480 Fälle, nach 592 bestätigten Infektionen am Samstag. Am vergangenen Wochenende waren es noch 433 und 499. Die Gesundheitsämter melden die Zahlen am Wochenende häufig verzögert. Erkrankt sind aktuell 6538 Menschen. Landesweit kamen drei neue Covid-Todesfälle.

Wie reagiert die Politik auf die stetig steigenden Zahlen?

Das Kabinett verständigte sich bereits am Freitag auf strengere Beschränkungen. Außerdem wurde auch über das Wochenende weiter beraten. Voraussichtlich am Dienstag will das Kabinett mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die neuen Regeln beschließen. In der Osterzeit – vom 1. bis 6. April – sollen Ausgangsbeschränkungen regional gelten, wenn die Inzidenz drei Tage hintereinander über 100 liegt. Das soll die Notbremse ergänzen, mit der bereits jetzt die jüngsten Lockerungen fallen. Auch Einkaufen mit Termin ist dann tabu. Die Kreise sollen weitergehende Schritte umsetzen, wenn die Inzidenz dauerhaft erheblich über 100 liegt. 

Der Landrat des Kreises Oberspreewald-Lausitz, Siegurd Heinze (parteilos), hält die geplanten schärferen Corona-Regeln in Brandenburg für notwendig und wirbt für landesweite Schritte. „Bei den Infektionszahlen, wie sie sich jetzt darstellen und die nach oben gehen, muss gehandelt werden“, sagte Heinze, dessen Kreis zu den Corona-Hotspots zählt. Allerdings war es auch Heinze, der trotz hoher Inzidenz noch vor knapp zwei Wochen erklärt hatte, „nach all den Wochen des scharfen Lockdowns und wenigen Tagen erster Lockerungen aktuell noch nicht schärfere Corona-Regeln“ für seinen Kreis zu erlassen.

Welche Ideen gibt es – neben strengeren Beschränkungen – gegen die Ausbreitung des Coronavirus im Land?

Brandenburg will wie auch andere Bundesländer die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung nutzen. Dazu hat das Land einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen, wie das Gesundheitsministerium am Wochenende mitteilte. Mit dem Landesvertrag könnten noch vor Ostern bis zu sechs und bis etwa Ende April alle Landkreise und kreisfreien Städte die Luca- App anwenden. Die Nutzung der App, die auf allen gängigen Smartphones läuft, ist kostenfrei. 

Voraussetzung ist den Angaben zufolge, dass Gesundheitsämter die Software Sormas nutzen. Diese erlaubt eine Verknüpfung mit der App. In Brandenburg haben alle Kreise und kreisfreien Städte diese Software. Die App ermöglicht eine digitale Nachverfolgung von Kontaktpersonen bestätigter Corona- Fälle per Smartphone im direkten Austausch mit den Behörden. Ziel ist es, Kontakte lückenlos zu dokumentieren. „Nur so können Infektionsketten unterbrochen werden“, sagte die märkische Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne).

Wie ist die Situation an den Kliniken?

Brandenburgs Krankenhäuser sind aufgrund der Pandemie finanziell stark belastet. Im Vergleich zum Januar 2020 nahmen die Kliniken in den ersten vier Wochen dieses Jahres rund 62 Millionen Euro weniger ein, wie die Landeskrankenhausgesellschaft mitteilte. Am Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann, ergebe sich für das vergangene Jahr definitiv ein Defizit, erklärte Kliniksprecherin Theresa Decker. Darüber hinaus kommt es der Sprecherin zufolge zu Erlösausfällen von knapp einer Million Euro pro Woche, weil wegen der Pandemie weniger Patienten pro Zimmer untergebracht werden dürfen. 

Auch am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus ist die wirtschaftliche Situation angespannt, wie Kliniksprecherin Anja Kabisch sagte. Im Kreiskrankenhaus Prignitz in Perleberg hatte die Einrichtung von Isolierstationen geringere Einnahmen zur Folge. Die finanziellen Hilfen sind aus Sicht vieler Kliniken nicht ausreichend. Jacqueline Braun vom Perleberger Kreiskrankenhaus verwies dabei auch auf einen hohen Krankenstand und viele Quarantänefälle. Anders ist die Lage in der Landeshauptstadt: Weil schon viele Mitarbeiter geimpft wurden, ist der Krankenstand am Potsdamer Bergmann-Klinikum sehr gering, so die Sprecherin.

Welche Erwartungen hat die seit November geschlossene Gastronomie an die Politik? 

Die Gaststättenbranche im Land setzt trotz des Lockdowns Hoffnung in Modellprojekte für Lockerungen in Kreisen oder Städten. „Für uns ist es ein Weg, um auszutesten, wie es unter Pandemiebedingungen geht“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Brandenburg, Olaf Lücke. Die Voraussetzung dafür sei ein vertretbarer Wert neuer Infektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche. 

Seit dem 2. November sind Gaststätten und Cafés in Brandenburg wegen der Coronakrise geschlossen – bis auf Liefer- oder Abholdienste. Bund und Länder vereinbarten, dass zeitlich befristete Modellprojekte mit Schutzmaßnahmen und Testkonzept möglich sein sollen. Das Brandenburger Kabinett will solche Lockerungen über Modellprojekte ermöglichen.


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