Brandenburg : Der Luchs ist zurück

Eine Raubkatze tappte Ende des letzten Jahres bei Altengrabow in die Fotofalle. Experten zufolge lebt sie wohl schon drei Jahre in der Region

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23.04.2014 22:20

Altengarbow/Potsdam - Er ist jung, männlich und war nicht zum ersten Mal in Brandenburg: Der Luchs, der im vergangenen Dezember auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg von einer Fotofalle abgelichtet wurde, lebt Experten zufolge schon seit rund drei Jahren in der Region oder kehrt zumindest immer wieder dorthin zurück. „Am 18. Februar 2011 ist in Altengrabow schon mal ein Luchs in eine Fotofalle getappt. Wir meinen, es ist immer der gleiche. Er wird dort sein Revier haben“, berichtet Professor Matthias Freude, Präsident des brandenburgischen Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (Lugv).

Die kürzlich bekannt gewordenen Aufnahmen aus Altengrabow sind zumindest für Brandenburg eine kleine Sensation. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts galt der Luchs in Westeuropa als weitgehend ausgerottet. In Deutschland wurde das letzte Exemplar des sogenannten Eurasischen Luchses, dem größten aller vier Luchsarten, um 1850 in den bayerischen Alpen getötet. Um 1950 dann wanderten die ersten Exemplare aus Tschechien kommend wieder in den Bayerischen Wald ein. Zudem wurde der Luchs mit einigem Erfolg auch wieder im Harz angesiedelt. Insgesamt 24 Tiere wurden dort zwischen 2000 und 2006 ausgewildert. In Brandenburg gab es dagegen bisher nur vage Spuren. „Im Winter zum Beispiel ist das nicht immer ganz so leicht. Wenn es taut, werden auch Katzenspuren sehr viel größer und damit immer luchsähnlicher“, erläutert Brandenburgs oberster Naturschützer.

Seiner Meinung nach stammt der junge Kater oder Kuder, wie männliche Luchse auch bezeichnet werden, höchstwahrscheinlich von der Harzpopulation ab und sucht derzeit vermutlich ein Weibchen. „Wenn er längere Zeit keine Partnerin findet, kann es durchaus sein, dass er auch wieder abwandert.“ Doch Europas größte Raubkatze wird dauerhaft nach Brandenburg zurückkehren, ist sich Freude sicher. „Es ist nur eine Frage der Zeit. Das sind ganz natürliche Prozesse und wir täten gut daran, das Ganze mit mehr Gelassenheit zu sehen.“

Dass die Rückkehr großer Raubtiere nicht bei allen auf Zustimmung stößt, zeigt das Beispiel Wolf. Seit Jahren wird auch in Brandenburg heftig über das Für und Wider gestritten. Vor allem Nutztierhalter sehen in den Wölfen eine Bedrohung für ihre Bestände. 2013 wurden in Brandenburg nach Angaben des Landesamtes 42 Schafe und zwei Stück Damwild gerissen. Im Jahr zuvor waren es sogar 50 Schafe, 17 Exemplare Damwild und zwei Kälber.

Luchse sind in der Lage, Tierarten von der Größe eines Rehs und in selteneren Fällen bis hin zur Größe eines Rotwildkalbes zu überwältigen. Im Gebiet des Bayerischen Waldes wurden den Angaben zufolge zwischen 1998 und 2008 insgesamt 192 Begutachtungen von Schafs- und Gehegewildrissen vorgenommen. In 45 Fällen konnte der Luchs als Verursacher bestätigt werden. Insgesamt wurde den betroffenen Tierhaltern eine Entschädigung von rund 5400 Euro gezahlt.

Während Brandenburgs Jäger die zunehmende Ausbreitung des Wolfes im Land ebenfalls eher skeptisch verfolgen, stehen sie dem Luchs offenbar noch unvoreingenommen gegenüber – nicht zuletzt, weil eine Populationsentwicklung wie beim Wolf vorerst wohl nicht zu erwarten ist. Das glaubt zumindest Georg Baumann, Geschäftsführer des brandenburgischen Landesjagdverbandes. „Die Wölfe haben sich ja nahezu exorbitant vermehrt. Dagegen müssen die Luchse im Harz ja noch regelrecht aufgepeppelt werden“, so Baumann. Prinzipiell sei gegen die Rückkher von Großräubern wie dem Luchs nichts einzuwenden, allerdings müssten die Bedürfnisse im ländlichen Raum, inbesondere die der Tierhalter, dabei auch berücksichtigt werden, sagt der Chef des Landesjagdverbandes.

Freude zufolge ist gerade der Erfolg des Projektes im Harz dafür ausschlaggebend, dass der Luchs auch nach Brandenburg zurückkehrt. „Der Harz ist mittlerweile weitgehend besiedelt. Wenn alle Reviere besetzt sind, müssen die Jungtiere zwangsläufig abwandern und sich neue Lebensräume erschließen“, sagt der Lugv-Präsident. Und vom Harz bis zur Grenze Brandenburgs seien es gerade einmal rund 140 Kilometer Luftlinie.

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