• Der BER-Krimi kommt in den Buchhandel Eindrücke des Controllers auf der Flughafenbaustelle

Brandenburg : Der BER-Krimi kommt in den Buchhandel Eindrücke des Controllers auf der Flughafenbaustelle

Christian Tretbar

Schönefeld - Nach 18 Monaten hatte Matthias Roth genug. Er war Controller bei der Flughafengesellschaft und stellte schon nach recht kurzer Zeit fest, dass seine Arbeit eigentlich nicht wirklich gebraucht wird. Regelmäßig hat er in einem Tagebuch seine Erfahrungen und Eindrücke vom BER aufgeschrieben, und als die Eröffnung des Flughafens im Mai 2012 verschoben wurde, fasste Roth den Entschluss, die Aufzeichnungen zu einem Buch zu verdichten.

Herausgekommen ist „Der Hauptstadtflughafen. Politik und Missmanagement. Ein Insider berichtet“. Dieses Buch hat er am Freitag vorgestellt. „Der BER dümpelt seit Jahren in einem Sumpf aus Politik und Steuergeldern vor sich hin und droht nun unterzugehen.“ Roth, Jahrgang 1974, sieht vor allem ein Problem darin, dass die Flughafengesellschaft zu seiner Zeit eine Black Box gewesen sei. „Es gab keine klaren Strukturen, kein klares Ziel und keine ordentliche Kommunikation“, sagte er.

Roth fühlte sich nicht ausgelastet und bekam noch den Bereich Risikomanagement dazu. Nur wollte von den Risiken kaum jemand etwas wissen. Roth führt als ein Beispiel auf, dass er auf eine drohende Pleite der Fluggesellschaft Air Berlin hingewiesen habe, einer der größten Kunden der Flughafengesellschaft. Das wollte er in einer Folie für den Aufsichtsrat verarbeiten. Allerdings mussten alle Bereiche vorher der Geschäftsführung vorgelegt werden und der damalige BER-Chef Rainer Schwarz bestand darauf, diesen Passus rauszustreichen. In dieser Art und Weise sei das häufig gelaufen. „Die Berichte gingen erst an die Geschäftsführung und dann an den Aufsichtsrat, und der hat dann seinen Einfluss ausgeübt, indem er die Berichte entweder so geändert hat, wie die Geschäftsführung selbst das Unternehmen sah oder wie es wollte, dass der Aufsichtsrat das Unternehmen sieht.“

Roth hat sich nach seiner Zeit beim BER selbstständig gemacht und eine Firma gegründet, die sich auf den Bereich Risikomanagement und Controlling spezialisiert. Er arbeitet in San Francisco. Aber aus seiner Zeit beim BER hat er Lehren gezogen. „Es ist extrem wichtig, dass in einem Unternehmen Probleme offen angesprochen werden können, ohne dass jemand Repressalien zu fürchten hat. Politische Spielchen führen in den Untergang.“ Beim BER sei das nicht der Fall gewesen. „Da arbeitete jeder für sich, Probleme wollte keiner hören, und der gesamte Baubereich war völlig autark, und niemand hatte Einblick.“ Seine Prognose für den BER lautet: „Das Projekt dreht sich im Kreis, und in den zentralen Bereichen Schallschutz, Brandschutz und Führung geht nichts voran.“ Christian Tretbar