Brandenburg : Daten als Dünger

Forschungsministerin Martina Münch weist die Kritik des Bauernbundes an der Digitalisierung zurück Auch Forscher verweisen darauf, dass man den Landwirten helfen wolle – und nicht der Agrarbürokratie

Sandra Dassler
Digital gesteuert. In vielen landwirtschaftlichen Betrieben lenken Computer inzwischen den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, werten Wetterinformationen aus und überwachen die Reifung bis zur Ernte. Dabei fallen große Datenmengen an.
Digital gesteuert. In vielen landwirtschaftlichen Betrieben lenken Computer inzwischen den Einsatz von Dünge- und...Foto: Patrick Pleul/dpa

Potsdam/Müncheberg - Brandenburgs Forschungsministerin Martina Münch (SPD) hat Kritik des Bauernbundes Brandenburg an ihrem Engagement für den Einsatz digitalisierter Technik in der Landwirtschaft zurückgewiesen. „Es geht hier nicht darum, irgendjemanden zu kontrollieren“, so Münch am Dienstag: „Die neue Technik soll den Landwirten ja nutzen, ihnen die Arbeit erleichtern und deshalb ist sie eine große Chance – wie übrigens in vielen anderen Bereichen auch. Sie von vornherein einfach nur zu verteufeln, wäre viel zu kurz gedacht und hätte fatale Folgen.“

Wie berichtet hatte der Bauernbund kritisiert, dass die Ministerin nach einem Besuch im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg (Märkisch-Oderland) gesagt hatte, angesichts der vielen Daten in der Landwirtschaft und des Ziels, gute Erträge zu erwirtschaften, „braucht es die Digitalisierung, um alles zusammenzubringen, um es zu analysieren und optimal zu steuern“.

Bauernbund-Vorstandsmitglied Thomas Kiesel widersprach dem heftig, weil Digitalisierung seiner Ansicht nach lediglich ein Hilfsmittel sei, aber „Naturbeobachtung, Wissen und Erfahrung des Bauern nicht ansatzweise ersetzen“ könne. Außerdem befürchtet der Bauernbund, dass man über die Digitalisierung in Abhängigkeit von wenigen landtechnischen Anbietern geraten könnte oder dass gar staatliche Behörden die Landwirte dadurch kontrollieren könnten.

Das hält Gunnar Lischeid vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung für eine Verkehrung der Realität. „Es geht ja gerade darum, dass die Angebote von Forschern und nicht von Großkonzernen ausgehen“, sagt er: „Und wir haben dabei die Landwirte im Blick und nicht die Agrarbürokratie.“ Deshalb sei Ministerin Münch bei ihrem Besuch am Gründonnerstag auch die NatApp präsentiert worden, die den Bauern die Umsetzung des komplizierten Brüsseler Regelungswerkes erleichtern soll. Ob Landwirte diese nutzen oder nicht, bleibe ihnen überlassen.

Eine vom Bauernbund befürchtete engere Überwachung könne man mit diesen Verfahren gar nicht realisieren, sagte Lischeid weiter: „Dazu müsste man ganz andere Verfahren einsetzen als zum Beispiel Drohnen, die nur jeweils relativ kleine Flächen abdecken können.“

Auch beim Landesbauernverband Brandenburg, der etwa zweitausend Betriebe im Land vertritt, teilt man die Bedenken des mit 420 Mitgliedern kleineren Bauernbunds nicht. „Die digitale Technik kann die Kompetenz der Landwirte nicht ersetzen, aber unterstützen“, sagt Bauernverbands-Präsident Henrik Wendorff: „Sie bietet gute Lösungsansätze für bestimmte Probleme – zum Beispiel, dass der Dünger an die Pflanze kommt und nicht ins Grundwasser.“ Digitalisierung bedeute nicht immer eine Ertragssteigerung, sagte Wendorff, der als Biobauer im Landkreis Märkisch-Oderland arbeitet: „Sie führt aber zu einer gesteigerten Effizienz und ist so eine gute und sinnvolle Erleichterung.“ Ängste, dass man durch Digitalisierung von großen Agrarkonzernen abhängig werden könne, wie es Medienberichten zufolge beispielsweise vielen Farmern in den USA geht, plagten ihn nicht.

Forschungsministerin Münch hat diesbezüglich eine klare Haltung: „Digitalisierung darf nicht zu Monopolisierung oder dazu führen, dass Landwirte erpressbar sind“, sagt sie: „Sollte so etwas drohen, muss man gegensteuern. Es kann aber kein Argument sein, die Digitalisierung generell abzulehnen.“

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