• Coronakrise in Brandenburg: Landtag lehnt Verzicht auf Schulnoten ab

Coronakrise in Brandenburg : Landtag lehnt Verzicht auf Schulnoten ab

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) will den Wechselunterricht möglichst noch vor den Sommerferien beenden. Pädagogenverband unterstützt Rückkehr zum Präsenzunterricht.

Burkhard Fraune
Britta Ernst (SPD), Brandenburger Ministerin für Bildung, Jugend und Sport.
Britta Ernst (SPD), Brandenburger Ministerin für Bildung, Jugend und Sport.Foto: ZB

Potsdam - Der Brandenburger Landtag hat einen Verzicht auf Schulnoten bis zum Sommer und eine generelle Versetzung aller Schüler abgelehnt. Ein entsprechender Antrag der oppositionellen Linken fand im Landesparlament am Mittwoch keine Mehrheit. Damit wiesen die Abgeordneten auch die Forderung zurück, Lehrpläne in Mathe, Deutsch, Englisch und anderen Fächern zu reduzieren und außerschulische Bildungsangebote zu stärken.

„Für unsere Kinder herrscht seit mehr als einem Jahr Ausnahmezustand“, hatte die Linken-Bildungspolitikerin Kathrin Dannenberg den Antrag begründet. „Der Bildungszug fuhr weiter und nach und nach wurde ein Waggon abgehängt, insbesondere mit Kindern, die nicht in der erste Klasse sitzen.“ Mit dem Antrag wolle man den Druck von den Familien nehmen und für Motivation sorgen.

Zahl der Klassenarbeiten halbiert

Dieses grundsätzlichen Ziel trug die SPD-Abgeordnete Katja Poschmann mit. „Ja, Kinder und Jugendliche stärker unterstützten“, sagte sie. Dafür sei eine bessere Ausstattung notwendig. „Aber wir führen hier noch keine Haushaltsverhandlungen.“ Der CDU-Abgeordnete Gordon Hoffmann betonte: „Wir halten Noten und Zeugnisse für richtig.“ Sie böten eine klare Rückmeldung und Orientierung. Er setze auf das Fingerspitzengefühl und die Eigenverantwortung der Schulen.

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) bekräftigte, den Wechselunterricht möglichst noch vor den Sommerferien beenden zu wollen. „Wir haben darauf hingewirkt, dass die Schülerinnen und Schüler nicht mit Tests überfallen werden, wenn sie wieder in die Schulen kommen“, sagte Ernst. „Wir haben natürlich im Blick, dass die Pandemie psychosoziale Folgen für Kinder und Jugendliche hat“, fügte sie hinzu. Die Zahl der Klassenarbeiten sei halbiert worden.

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem neuen Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.] 60 Millionen Euro aus dem Aktionsprogramm des Bundes flössen nach Brandenburg. So würden Ferienprogramme und Nachhilfe in den Kernfächern angeboten. „Wir müssen auch nicht so tun, als wenn Kinder und Jugendlichen das Lernen komplett verlernt haben.“ Viele hätten sich wacker geschlagen.

Kritik an  Kommunikation des Bildungsministeriums

Der Brandenburger Pädagogenverband kritisierte die Kommunikation des Bildungsministeriums über eine Rückkehr der Schulen zum Präsenzunterricht. Lehrkräfte und Schüler hätten das erneut aus der Presse erfahren. „Diese Art von Kommunikation mit den Betroffenen kritisieren wir gemeinsam aufs Schärfste mit anderen Gewerkschaften, Verbänden und Mitwirkungsgremien schon seit über einem Jahr“, erklärte Präsident Hartmut Stäker am Mittwoch.

Der Pädagogenverband unterstütze grundsätzlich eine Rückkehr zum Präsenzunterricht, aber unter bestimmten Voraussetzungen, betonte Stäker. Dazu gehöre unter anderem die Einhaltung des Infektionsschutzgesetzes und eine vernünftige Vorlaufzeit für die Schulen. Ein Problem sieht der Verband aber vor allem darin, dass noch nicht allen Lehrenden ein Impfangebot gemacht wurde. Zudem könnten in vielen Schulen in vollen Klassen nicht die Hygiene-und Abstandsregeln eingehalten werden. Ähnlich sieht es der Landesschülerrat. (dpa)

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