• Coronakrise in Brandenburg: Intensivbetten im Land werden knapper

Coronakrise in Brandenburg : Intensivbetten im Land werden knapper

Die Woidke-Regierung gerät beim Impfen unter Druck: Ende November sollen alle Pflegeheime mit Booster-Impfungen durch sein. Die Opposition übt scharfe Kritik am Krisenmanagement.

In Teilen des Landes sind keine Intensivbetten mehr frei (Symbolbild).
In Teilen des Landes sind keine Intensivbetten mehr frei (Symbolbild).Foto: dpa

Potsdam - Im Land Brandenburg sollen „bis Ende November“ alle Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Altenheimen ihre Corona-Auffrischungsimpfungen erhalten haben. Das erklärte Gesundheitsstaatssekretär Michael Ranft, Amtschef im Gesundheitsministerium unter Ministerin Ursula Nonnemacher (Grüne), auf PNN-Anfrage nach einer Tagung des sogenannten „Impfkabinetts“ der Regierung. 

Da sich die Corona-Lage im Land mit jedem Tag weiter verschärft, am Donnerstag die Corona-Ampel erstmals bei der Auslastung der Intensivbetten der Krankenhäuser von Grün auf die Warnstufe Gelb umschlug, hat Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) für diesen Freitag alle Beteiligten – von Kassenärztlicher Vereinigung bis zu Landräten – zu einem Online-Impfgipfel geladen.

Brandenburg gehört zu den Impf-Schlusslichtern

Hintergrund dafür ist auch, dass Brandenburg sowohl bei den bisher vollständigen Impfungen (61,3 Prozent der Bevölkerung) als auch bei Booster-Impfungen wegen nachlassender Wirkungen des Impfstoffes angesichts der gefährlicheren Delta-Variante weiter zu Deutschlands Impf-Schlusslichtern gehört. Mit der seit Montag geltenden 2G-Regelung, mit der Ungeimpfte nicht mehr in Restaurants, Kinos oder Schwimmbäder dürfen, wollen sich nun mehr Menschen impfen lassen – und stoßen dabei auf Schwierigkeiten. Bei der Impfung der rund 25 000 Bewohner in Pflegeheimen, die besonders gefährdet sind, hatte Brandenburg am Anfang der Pandemie länger als alle anderen Bundesländer gebraucht.

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Für Linke-Oppositionsführer Sebastian Walter ist das Corona-Krisenmanagement der Woidke-Regierung weiter eine „Vollkatastrophe“. Man könne doch nicht 2G einführen, „ohne für die Impfungen zu sorgen“, sagte Walter. „Man lässt die Landkreise allein.“ Es sei nicht mehr zu ertragen, dass Brandenburg – mittlerweile in der vierten Welle – wie seit Beginn der Pandemie das Impfen nicht auf die Reihe bekomme.

„Wir werden die Kapazitäten zum Impfen jetzt wieder im ganzen Land hochfahren“, sagte Ranft. Für mehr Tempo sollen laut Ranft vor allem die Arztpraxen sorgen, die auch voriges Jahr bewiesen hätten, dass sie pro Woche 100 000 Menschen impfen können. „Das müssen wir wieder erreichen.“ Letzten Woche seien in den Praxen 39 000 der landesweit 42 000 Impfungen durchgeführt worden. Ranft kündigte an, dass außerdem „ergänzende Strukturen wie dezentrale Impfstellen mit niedrigschwelligen Angeboten und mobile Impfangebote jetzt schnell geschaffen werden“. Woidke selbst dringt seit letzter Woche darauf, wie im Vorjahr Kreise und Kommunen in die Impfkampagne einzubinden.

SPD-Fraktionschef für Impfpflicht für Beschäftigte von Pflegeheimen

Auch im Landtag wächst der Druck, dass landesweit flächendeckend Impfstellen geschaffen werden, von Kommunen, an Polikliniken, Reha-Einrichtungen oder von sozialen Trägern. Jeden, der es anbieten wolle, müsse man unterstützen, sagte SPD-Fraktionschef Daniel Keller. „Am Geld wird es beim Thema Impfen nicht scheitern.“ Nötig sei eine Koalition der Willigen. Er halte eine Impfpflicht für Beschäftigte von Pflegeheimen und Gesundheitseinrichtungen für geboten.

Unterdessen hat die Corona-Inzidenz in Brandenburg, also die Geschwindigkeit der Neuinfektionen, die 400er-Marke als neuen Höchstwert gerissen. Auf den Intensivstationen ist inzwischen jedes zehnte Bett mit einem Covid-19-Patienten belegt, womit die Warnampel dafür auf Gelb umschaltete. 

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In den Kreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz sowie in Frankfurt (Oder) sind keine Intensivbetten mehr frei, wie aus dem Divi-Intensivregister hervorgeht. Das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus verhängte ein Besuchsverbot, das ab Mittwoch gilt. Die AfD im Landtag kündigte unterdessen eine Verfassungsklage gegen die neuen 2G-Einschränkungen an. Heute debattiert der Landtag über die Corona-Lage. (mit dpa)

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