• Corona-Zahlen im Sinkflug: Märkischer Feriensommer ohne Lockdown

Corona-Zahlen im Sinkflug : Märkischer Feriensommer ohne Lockdown

Woidke-Regierung hebt ab sofort Testpflichten in Restaurants und Maskenpflicht im Freien auf. Und doch wächst auch die Sorge vor einer vierten Corona-Welle im Herbst.

In Potsdam ist die Corona-Lage derzeit entspannt.
In Potsdam ist die Corona-Lage derzeit entspannt.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Brandenburg hebt den „Corona-Lockdown“ nahezu komplett auf. Die von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) geführte Kenia-Regierung aus SPD,CDU und Grünen beschloss am Dienstag eine Corona-Umgangsverordnung, mit der landesweit ab Mittwoch etwa die Maskenpflicht im Freien, für Grundschüler, aber auch Testpflichten etwa für Restaurantbesuche und Kulturveranstaltungen entfallen. 

„Wir freuen uns auf einen unbeschwerten Sommer, aber wir wollen auch einen schönen Herbst erleben“, sagte Woidke auf einer Pressekonferenz. Brandenburg sei das Bundesland mit dem zweitgeringsten Infektionsgeschehen, in Gottesdiensten sei „endlich wieder Gesang“ möglich. Brandenburg lässt im Unterschied zu Berlin unter Hygieneauflagen auch Clubs, Diskotheken und Bordelle wieder öffnen.

Bedrohung noch nicht vorbei

Dennoch sei die Bedrohung nicht vorbei, müsse man vorsichtig bleiben, sagte Woidke. Daher seien Einschränkungen im Innenbereich und Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften, bei Theateraufführungen oder Konzerten weiter nötig. Dass die Maskenpflicht an Grundschulen aufgehoben wird, begründete Woidke vor allem damit, dass die Jüngsten die letzte Schulwoche vor den Sommerferien als „maskenfrei“ in guter Erinnerung behalten sollen.

Mit dem allgemeinen Wegfall der Testpflicht gibt es in der Gastronomie keinen Unterschied mehr zwischen der Bewirtung drinnen und draußen, wogegen die besonders unter der Corona-Pandemie leidende Branche Sturm gelaufen war. Die Regelung gilt für Regionen mit einer stabilen Fünf-Tage-Inzidenz unter 20. Am Mittwoch liegt das ganze Land Brandenburg bei 6,0. „Mir ist bewusst, dass Brandenburg deutlich strenger, deutlich konsequenter ist als andere Bundesländer“, sagte Woidke. In Sachsen sei eine 35er Inzidenz für die Testpflichtgrenze festgelegt worden.

Besorgter Blick Richtung Großbritannien

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sprach von einer „extrem erfreulichen“ Corona-Entwicklung im Land. So habe es Mitte April in Brandenburgs Krankenhäusern noch 550 Corona-Patienten gegeben, jetzt seien es 43. Gleichwohl betonte Nonnemacher, „dass wir vorsichtig bleiben müssen“, um eine vierte Welle im Herbst zu vermeiden. Man sehe „mit großer Sorge“ nach Großbritannien, so Nonnemacher, wo die Infektionen mit der gefährlicheren Delta-Mutante trotz weitreichender Impfungen stark ansteigen. Daher müssten die Impfungen forciert worden.

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„Der Lockdown wird beendet. Im Großen und Ganzen kehrt Normalität zurück“, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU), der seit März für die Impflogistik zuständig war, was nun zurück ins Gesundheitsministerium wechselt. Dass sei immer so vorgesehen gewesen, so Woidke. Er dankte dem Innenministerium, dass es das Gesundheitsministerium unterstützt habe. Stübgen rief die Brandenburger dazu auf, sich impfen zu lassen, da sich ein erneuter Lockdown nur durch Impfschutz verhindern lasse.

In Berlin bleiben die Diskos geschlossen

In Berlin bleiben Bars, Diskos und Bordelle geschlossen, während Brandenburg sie unter Auflagen von Test- und Maskenpflichten öffnet. Auf die Frage, ob ein Disko- und Sextourismus aus Berlin nach Brandenburg drohe, antwortete Woidke: „Das befürchte ich nicht.“ 

Er habe vor der Kabinettsentscheidung mit Berlins Regierendem Michael Müller (SPD) gesprochen. Unterschiede würden auch damit zusammenhängen, dass die Inzidenz in Berlin deutlich höher als in Brandenburg sei. 

Doch habe Brandenburg die Regelungen für private Feiern aus besonderem Anlass an die großzügigere Berliner Regelung angepasst, so Woidke. Nun könnten auch hier etwa Hochzeiten oder Geburtstage mit bis zu 50 Gästen drinnen und bis zu 100 Gästen draußen gefeiert werden.


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