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Corona-Pandemie : Brandenburg baut Impfkapazitäten aus

Um mit dem Impfen voranzukommen, soll in jedem Landkreis ein Impfzentrum entstehen. Zudem soll die Zahl der mobilen Impfteams erhöht werden, wie Land und Kommunen am Mittwochabend vereinbarten. 

Brandenburgs Impfkampagne wird langsam besser. 
Brandenburgs Impfkampagne wird langsam besser. Foto: dpa

Potsdam - Nach den Startschwierigkeiten bei den Impfungen gegen das Coronavirus holt Brandenburg langsam auf. Vor allem in den besonders sensiblen Pflegeheimen geht es besser voran. Die Zahl der geimpften Bewohner konnte nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) binnen eines Tages von Montag auf Dienstag auf rund 2000 verdoppelt werden. Den letzten Platz beim Impfen von Pflegeheimbewohnern gab Brandenburg damit an Thüringen ab. Bis Mitte Februar sollten alle Pflegeheimbewohner wenn gewünscht einmal geimpft werden, die Hälfte davon bereits zweimal, sagte Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Landtages. 

Bei den Impfungen pro 1000 Einwohner lag das Land mit 7,8 nach aktuellsten Zahlen des RKI besser als Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. In der Mark sind bisher knapp 20.000 Menschen geimpft – 0,8 Prozent von rund 2,5 Millionen.

Impf-Gipfel mit den Landkreisen 

Das weitere Vorgehen, um das Impfen voranzutreiben und gerade in ländlichen Regionen den Transport von wenig mobilen Menschen zu Impfzentren zu organisieren, berieten am Mittwochabend die rot-schwarz-grüne Landesregierung und die Landräte und Oberbürgermeister bei einem Impf-Gipfel.

"Die Impfkapazitäten werden in der gesamten Fläche Brandenburgs ausgebreitet, um alle Brandenburgerinnen und Brandenburger mit einem Impfangebot zu erreichen", sagte Regierungssprecher Florian Engels auf PNN-Anfrage. Darauf  hätten sich am Abend in der Videokonferenz zur Impfkampagne Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Gesundheitsministerin Nonnemacher mit den Landkreisen und kreisfreien Städten verständigt.

An der Konferenz nahmen auch das DRK, die Kassenärztliche Vereinigung, die Landesärztekammer und die Landeskrankenhausgesellschaft teil. Konkret wurde vereinbart, die Zahl der Impfzentren von elf auf 18 zu erhöhen. In jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt soll eine entsprechende Einrichtung errichtet werden. Die Anzahl der mobilen Impfteams werde - auch unabhängig vom Zeitpunkt der Errichtung der Impfzentren - erhöht, um bis Mitte Februar allen Bewohnerinnen und Bewohner in Alten- und Pflegeheime ein Impfangebot gemacht haben zu können, so Engels. 

Impfzentren sind bisher in Potsdam, Cottbus und Schönefeld (BER) in Betrieb. Bis Anfang Februar sollen Elsterwerda, Frankfurt (Oder), Oranienburg, Eberswalde, Brandenburg an der Havel, Prenzlau, Kyritz und Luckenwalde ans Netz gehen. Weitere folgen voraussichtlich bis Ende Februar, so dass bis dahin alle Kreise und kreisfreien Städte Ende entsprechend ausgestattet sein werden. "Die Abstimmung mit allen Beteiligten war sehr konstruktiv und hilfreich", sagte Ministerpräsident Woidke nach der Konferenz den PNN . "Um mit dem Impfen voranzukommen, ist ein enger Schulterschluss von Land, kommunaler Ebene und den anderen Partnern notwendig. Das haben wir heute vereinbart."

"Kalt überrascht"

Gleichzeitig will das Land die Information für Impfberechtigte – derzeit Senioren über 80 Jahre – verbessern und so die Impfhotline entlasten, wie Ministerin Nonnemacher zuvor im Gesundheitsausschuss de Landtages ankündigte. Die Hotline ist derzeit die einzige Möglichkeit in Brandenburg, einen Impftermin zu buchen. Vom Impfstart an war die Hotline völlig überlastet, viele Anrufer kamen nicht durch. „Vom Zusammenbruch der 116117 in der vergangenen Woche bin ich kalt überrascht worden“, sagte Nonnemacher im Ausschuss.

Bundesweit habe es allein am 4. Januar 1,5 Millionen Anrufe unter dieser Nummer gegeben. Gleichzeitig hätten die Menschen weiter viele Fragen rund um die Impfungen. „Die Vergabe eines Impftermins dauert derzeit rund zehn Minuten, weil die Menschen so viel Gesprächsbedarf haben“, sagte die Ministerin. Daher soll zusammen mit den Landräten über ein Schreiben an alle über 80-Jährigen beraten werden. Die Stadt Potsdam ist schon und weiter und will bereits in der kommenden Woche Briefe an Senioren verschicken, um über die Impfung zu informieren. Eine Online-Anmeldung für Impftermine soll laut Nonnemacher zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls möglich werden – dazu müssten aber zunächst genügend Impfdosen und -termine zur Verfügung stehen. 

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Bis Mitte Februar wird das Land nach Angaben des Gesundheitsministeriums, wenn alles nach Plan läuft, insgesamt 168.000 Impfdosen der Firmen Pfizer/Biontech und Moderna erhalten. Da für jeden zwei Dosen nötig sind, könnten damit 84.000 Menschen geimpft werden. 
Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung erreichte in Brandenburg nach Samstag am Mittwoch erneut den bisher höchsten Stand von 63 Menschen. Die Gesundheitsämter meldeten von Dienstag auf Mittwoch 956 neue Ansteckungen mit dem Virus. (mit Benjamin Lassiwe)

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