Corona-Einschränkungen in Brandenburg : Stufenweise raus aus dem Lockdown

Brandenburg lockert die Corona-Regeln stufenweise. Am 1. März 2021 folgt der nächste Schritt.

Oliver von Riegen
Foto: Sebastian Gabsch


Potsdam - Wenigstens der Haarschnitt beim Friseur und der Blumenkauf in der Gärtnerei gehen ab Montag wieder in Brandenburg. Viele Menschen sehnen sich aber auch danach, wieder in allen Läden einkaufen zu gehen, eine Gaststätte oder ein Kino zu besuchen. Nachdem andere Länder in den vergangenen Wochen einen Öffnungsplan vorgelegt haben, hat auch die rot-schwarz-grüne Landesregierung von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ein Stufenmodell präsentiert.

Wann öffnen alle Läden wieder, wann Gaststätten und Cafés?

Das ist offen. Nach dem Stufenplan, den Woidke vorgestellt hat, ist der erste Schritt mit der Öffnung von Grundschulen im Wechselunterricht seit Montag umgesetzt. Die zweite Stufe sieht die Öffnung der Geschäfte mit Begrenzungen und Veranstaltungen im Freien mit beschränkter Personenzahl sowie die Öffnung von Museen vor. In der dritten Stufe sind ein Einstieg der Gastronomie und die Öffnung von Theatern, Konzerthäusern und Kinos vorgesehen. Die vierte Stufe nennt den Normalbetrieb in Schulen und Kitas und die Öffnung von Hotels, Ferienwohnungen und Schwimmbädern.

Warum steht noch kein Zeitplan fest?

Für Friseure und Gartenmärkte ist klar, dass sie am kommenden Montag wieder öffnen. Doch die weiteren Öffnungen hängen an verschiedenen Faktoren: Woidke verwies bei der Vorstellung des Stufenplans darauf, dass es nicht nur um die Zahl neuer Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche gehen darf. Bund und Länder vereinbarten am 10. Februar, dass die Öffnung von Einzelhandel und Museen erst bei einem stabilen Wert über mehrere Tage von höchstens 35 neuen Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche infrage kommt. Woidke verwies aber auch auf die Gefahr der Coronavirus-Varianten und den Fortschritt der Impfungen.

Hat sich die Corona-Infektionslage in Brandenburg verbessert?

Im Februar ging die tägliche Zahl neuer Ansteckungen abgesehen von Wellenbewegungen infolge verzögerter Meldungen der Gesundheitsämter im Trend nach unten. 

Doch die Zahl neuer Corona-Ansteckungen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche stagniert. Die 7-Tage-Inzidenz ist seit dem 5. Februar zwar zweistellig, lag am Samstag des letzten Februar-Wochenendes bei 63 - weit entfernt von 35. 

Sorgen bereitet Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) die Zunahme der Virusvarianten. Die Zahl hat sich innerhalb von zwei Wochen mehr als verfünffacht. Diese Gefahr müssen die Politiker mit berücksichtigen.

Wie reagiert die Wirtschaft?

Die Gaststättenbranche dringt auf eine Perspektive für Lockerungen zu Ostern. "Man kann den Gastronomen das nicht länger verwehren", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Olaf Lücke. Er zeigte sich enttäuscht, dass der Stufenplan der Landesregierung die ersten Öffnungen der Gastronomie erst in der dritten Stufe vorsieht. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, hatte im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) eine Ungleichbehandlung bei der Öffnung von Läden kritisiert.

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Wie gehen die Impfungen voran?

Bis Samstag, 27. Februar 2021, wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 179.019 Corona-Impfdosen verabreicht. Beim Anteil der 104.318 Erstimpfungen an der Bevölkerung belegt Brandenburg den letzten Platz mit 4,1 Prozent. Bei Zweitimpfungen liegt Brandenburg mit 3 Prozent über dem Bundesschnitt. 

Demnächst sollen auch Lehrerinnen und Lehrer in Grundschulen sowie Erzieherinnen und Erzieher in Kitas einen Impfschutz bekommen. "Das Ziel ist, dass sie schnellstmöglich ihren Impfstoff bekommen", sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse. Im Gespräch als Orte für den Schutz sind Impfzentren oder Krankenhäuser.

Was macht Nachbar Berlin?

Die Senatskanzlei hat einen Sechs-Stufen-Plan vorgelegt, der mögliche Lockerungsschritte über Wochen oder Monate benennt. Grundlage dafür sind Kriterien wie die Zahl neuer Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, aber unter anderem auch die Reproduktionszahl, die angibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt, sowie die Kapazität bei Intensivbetten und perspektivisch die Impfquote. Für Berlin wie Brandenburg gilt aber: Am 3. März werden die Karten neu gemischt, wenn die Regierungschefs von Bund und Ländern wieder beraten. Brandenburg plant laut Woidke keinen Sonderweg: "Wir werden uns bundestreu verhalten."

(dpa)

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