• Corona bringt Veranstalter in Not: Ein Sommer ohne Festivals

Corona bringt Veranstalter in Not : Ein Sommer ohne Festivals

Festivalbetreiber gelten als die Langzeitbetroffenen in der Coronakrise, ihre Verluste belaufen sich auf mehrere Millionen Euro. Nun plant das Land Hilfe.

Das Helene Beach Festival 2015.
Das Helene Beach Festival 2015.Archivfoto: Britta Pedersen/dpa

Potsdam - Es steht sogar im Kenia-Vertrag: „Die Koalition wird Brandenburg zum Land der Festivals machen“, haben sich SPD, CDU und Grüne als Ziel auferlegt. Doch wegen Corona fällt der Festivalsommer in diesem Jahr aus. Statt Bässen, Beats und Bühnenzauber gibt es für die Veranstalter nur ein Bangen um die Existenz. Festivalbetreiber seien „die Langzeitbetroffenen“ der Coronakrise, sagte Brandenburgs Popmusikbeauftragte Franziska Pollin von der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur am Mittwoch im Kulturausschuss des Landtags. Schließlich könnten die Festivals nach einem Ende des Lockdowns nicht einfach im nächsten Jahr nachgeholt oder doppelt veranstaltet werden. Diese Saison, die sich auf die Monate Juli und August konzentriere, falle aus – wenn sich die Veranstalter nicht Alternativkonzepte wie Streaming überlegten.

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Franziska Pollin
Franziska PollinFoto: B. Loschinsky

Aber eine echte Alternative ist das nicht, schon gar nicht für Events wie das Helene-Beach-Festival am Helenesee in Frankfurt (Oder). In den Vorjahren kamen rund 30.000 Besucher zu Brandenburgs größtem Musikfestival. Nach dem Stufenplan des Kabinetts sind Kulturveranstaltungen wieder mit bis zu 150 und ab 1. August dann 500 Besuchern unter freiem Himmel erlaubt. Ab September könnten, sofern sich die Infektionslage nicht verschlimmert, Veranstaltungen mit bis zu 1000 Besuchern erlaubt werden. Auch die Fans von Indie, Pop und Electronic müssen in diesem Jahr also zu Hause tanzen, denn das über Brandenburg hinaus bekannte Feel Festival in Elbe-Elster ist ebenfalls abgesagt.

Die entgangenen Einnahmen allein für dieses Festival schätzt die Arbeitsgemeinschaft auf 2,2 Millionen Euro. Der Einnahmeausfall für alle privatwirtschaftlichen Festivals belaufe sich auf rund 50 und für gemeinnützige auf 4,6 Millionen Euro. Der Schaden für die Privatwirtschaft werde unter Berücksichtigung der ausbleibenden Ausgaben bei etwa zwölf Millionen Euro liegen, für gemeinnützige Festivals bei etwa 670.000 Euro. Derzeitige Nothilfe-Programme reichten nicht aus, um die Verluste abzufangen. Noch gar nicht einkalkuliert seien dabei die Ausfälle für Betriebe vor Ort, die von den Festivals profitiert hätten, wie etwa Gaststätten.

Kinos und Festivals sollen Unterstützung erhalten

Kenia wolle die Kulturszene nicht gefährden, so Kulturministerin Manja Schüle (SPD) im Ausschuss. Für die Plenarsitzung des Landtags kommende Woche bringen die Koalitionsfraktionen einen Antrag ein, demzufolge das Land Kinos und Festivals mit einer eigenen Initiative unterstützen soll, wenn die angekündigten Bundesprogramme nicht greifen.

Von der Forderung des AfD-Abgeordneten Hans-Christoph Berndt, den Lockdown komplett zu beenden, hält Franziska Pollin nichts. „Diese große Verantwortung können die Veranstalter nicht tragen“, sagte sie. „Niemand möchte, dass sich auf seinem Festival viele Besucher anstecken. Das wäre dann wirklich das Ende des Festivals.“
 

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