Brandenburg : Braune Karriere

Cottbuser Neonazi-Anwalt im NSU-Prozess

Alexander Fröhlich (mit dpa)

München/Potsdam - Maik Bunzel steht seit Jahren wegen seiner Umtriebe in der Neonazi-Szene im Visier der Sicherheitsbehörden in Brandenburg. Dennoch konnte er in Bayern ein Jahr lang Familienrichter auf Probe werden – obwohl der Verfassungsschutz dort umfassend von den Brandenburger Behörden gewarnt worden war. Nachdem er nach einem Personalgespräch selbst seine Entlassung aus dem Justizdienst beantragt hatte, macht er nun anders Karriere: Bunzel, Jahrgang 1984, trat am Dienstag zum ersten Mal im Münchner NSU-Prozess als Verteidiger auf. Er vertrat einen der Stamm-Verteidiger des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben.  Bunzel hatte bis zum Oktober 2014 als Richter im oberfränkischen Lichtenfels gearbeitet. Vor seiner Bestellung zum Richter hatte er in Brandenburg gelebt. Bunzel gilt als einer der schlauen Köpfe in der Brandenburger Neonazi-Szene, ideologisch gefestigt und stramm nationalsozialistisch. Ursprünglich stammt er aus Cottbus, machte sein Abitur mit Bestnoten, zog dann nach Teltow (Potsdam-Mittelmark) und studierte Jura in Berlin – sein Abschluss wieder mit besten Noten. Dem Verfassungsschutz fiel Bunzel vor allem mit Neonazi-Musik und als Hintermann des 2012 verbotenen Netzwerks „Widerstand Südbrandenburg“ auf. Bei der Verbotsrazzia war auch seine Wohnung in Teltow durchsucht worden. Zudem war er Kopf einer Band mit dem Namen „Hassgesang“, einige Tonträger der Band landeten in Deutschland auf dem Index. Das Amtsgericht Cottbus verurteilte Bunzel 2004 zu einer Geldstrafe für ein 2003 veröffentlichtes Album. In den Texten rief Bunzel offen zum Nationalsozialismus auf, sie sind antisemitisch und rassistisch. Aktuell unterhält er eine Anwaltskanzlei in Cottbus und vertritt in laufenden Verfahren den Kopf der „Widerstandsbewegung“, Marcel Forstmeier aus Lübbenau. Wie die FAZ berichtete, hat Bunzel kürzlich erst an der Universität Greifswald ein medizinrechtliches Promotionsverfahren abgeschlossen, bei einem Professor, der für die AfD für den Schweriner Landtag kandidiert.  Die Hochschulleitung erfuhr nachträglich davon und war entsetzt. Alexander Fröhlich (mit dpa)